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Kowalski & Schmidt
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So 11.12.11 19:00

Grusel-Bunker zum Museum

Je weiter zurück die Geschichte liegt, desto schwieriger das Erinnern. Welche Sprache ist heute geeignet, das Grauen des Zweiten Weltkriegs zu erzählen? In der Ukraine wird zurzeit der große Hitler-Bunker der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Anlage „Wehrwolf“ wurde von ukrainischen Zwangsarbeitern gebaut.

Die Landschaft ist noch genauso malerisch wie vor 70 Jahren. Ausgerechnet diesen Ort in der Westukraine hatte die Wehrmacht für das Hauptquartier von Adolf Hitler gewählt. Tausende Ukrainer mussten dafür Zwangsarbeit leisten. Eine von ihnen ist Maria Rybatschenko. Heute ist sie 93. Drei Jahre lang musste sie bei der Bunkeranlage Holz bearbeiten und Baumaterialien schleppen, auch im eisigen Winter!

Maria Rybatschenko

Augenzeugin
Drei Monate lang war es minus 30 Grad! Drei Monate lang! Dezember, Januar und Februar. Das war ein harter Winter! Mit nackten Händen haben wir gearbeitet! Und jedes Haus musste jeweils einen Deutschen aufnehmen.

Jeden Morgen um acht Uhr mussten sie mit der Arbeit beginnen. Einen Kilometer Fußmarsch von Marias Haus entfernt lag die Bunkeranlage "Werwolf". Versteckt im Tannen- und Eichenwald. Nach dem Krieg hat man diese Steine vergessen. Nun will das Regionalmuseum von Winniza eine Gedenkstätte errichten und Besuchern aus der ganzen Welt das geheime Hauptquartier zeigen, das die Wehrmacht hier gut versteckt glaubte.

Sergej Gorenik
Regionalmuseum Winniza
Sogar den deutschen Flugzeugen war es verboten, über dem Führerhauptquartier zu fliegen. Alle zehn Meter standen am Rande der Anlage bewaffnete Wachmänner. Alle 150 Meter standen Überwachungstürme.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wollte Hitler näher an der Frontlinie sein.
Den Ort, an dem die Führung der deutschen Besatzungsmacht ihre Verbrechen plante, können jetzt Besuchergruppen besichtigen. Die Details der beiden Bunker und 80 Holzhütten hat ein Künstler aus der Gegend als Modell gebastelt. Zu sehen sind noch die Überreste von Hitlers Haus, mit seinem privaten Bunker. 4,5 Meter dicker Beton mit Stahl verstärkt.

Sergej Gorenik
Regionalmuseum Winniza
In Winniza ist viel Granit und der ist radioaktiv. Deshalb haben die Deutschen Kieselsteine in den Beton eingearbeitet, die aus der Stadt Odessa gebracht wurden. Die Steine sollten die Radioaktivität des Granits aufsaugen.

Jedes Jahr ehren die Veteranen von Winniza ihre gefallenen Kameraden. Von einem Museum über die Bunkeranlage der Deutschen halten die meisten nicht viel. Viel zu großen Schmerz verbinden sie mit dem Namen Hitler.

Zudem befürchten manche Politiker, die Anlage könnte zu einer Pilgerstätte für Neonazis werden.

Lydia Sakussilowa
Kommunistische Partei, Winniza
All diese Jahre haben sich dort am Geburtstag von Adolf Hitler junge Leute versammelt - nicht nur aus der Ukraine. Sie kommen aus Polen, aus Deutschland, aus dem Baltikum, aus Russland. Und jedes Jahr alarmieren wir die Behörden und die Polizei.

Sowjetische Kriegsgefangene mussten das Hauptquartier für Hitler bauen. Über 12.000 starben an Kälte und Unterernährung oder wurden erschossen. Maria Rybatschenko konnte das Leid dieser Menschen jeden Tag beobachten.

Maria Rybatschenko
Augenzeugin
Sie haben in einem Kuhstall wie die Hunde gelebt. Gott, verzeih mir diese Worte! Sie haben sich so gequält! Sie hatten nur etwas Leder in ihren Holzschuhen und trugen nur dünne Uniformmäntel.

Sie ist eine der letzten Zeuginnen. Und sie findet es richtig, dass nun bei Winniza ein Museum an die Greuel und an die Schmerzen erinnert.

Autor Roman Schell rbb

Dieser Text gibt den Sachstand vom wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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