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Kowalski & Schmidt
Kowalski & Schmidt

So 11.12.11 19:00

Unkaputtbar

Das Image des gerissenen Warschauer Schlitzohrs ist alt, viel älter als das berühmte Lied aus den 40-er Jahren, das jenen überlebenstüchtigen Arbeiter zum Helden macht. Das Lied ist ein Klassiker geworden, etwas verstaubt doch unvergessen. Nun hat es eine junge Warschauer Band „verrappt“. In Polen ist es wieder ein Hit.

Sylwester Kozera ist einer der letzten Straßenmusiker in Warschau. Von allen Arbeiterliedern liegt ihm eines besonders am Herzen.

Songtext
Kein Schlitzohr kann es mit einem Warschauer aufnehmen. Keiner kann ihm etwas vormachen. Du kannst mich „Arsch“ nennen, du kannst mir in die Fresse hauen. Aber Finger weg von Warschau, weil sonst Blut fliesst.

Das Lied ist so etwas wie die Hymne der Nachkriegswarschauer. Entstanden im Stadtviertel Praga , es ist das einzige, das im Krieg nicht völlig zerstört worden war.

Sylwester Kozera
Straßenmusiker
"Es waren schwere Zeiten, Warschau lag in Trümmern, und die Menschen haben damals alles gegeben, um die Stadt wieder herzurichten. Wir haben uns mit dem Wiederaufbau identifiziert und waren stolz, dass wir uns nicht unterkriegen ließen!"

Im Różycki Bazar in Praga stöbert Sylwester Kozera gern nach alten, authentischen Instrumenten für seine Straßenband. Er singt gerne von den alten Zeiten, nur von Nostalgie hält er nichts. Er findet es schön, wie Warschau seinen Charakter verändert.

Sylwester Kozera
Straßenmusiker
In der Altstadt bei uns haben neulich Afrikaner getrommelt. Sie haben sehr schön gespielt, da habe mich gleich mit meiner Band angeschlossen. Das war eine Sensation. Meine Freunde fragten mich verwundert, was da los sei. Ich hab’ ihnen gesagt – das ist die polnische Klimaerwärmung!

Bazarhändler
Die ganze alte Romantik geht doch verloren, stirbt ab. Es sieht nicht mehr so aus, wie unsere Eltern es erlebt haben.

Sylwester Kozera
Straßenmusiker
Das Warschau von früher ist nicht gestorben. Die Folklore verschwindet nicht, sie verändert sich nur. Neue Texte entstehen. Die neue Folklore ist einfach abgefahren.

Neue Texte, neue Töne - die Musiker der Band „Projekt Warszawiak“ präsentieren das Warschauer Schlitzohr von heute!

Textsong:
Durch die Warschauer Alleen ging aufgebrezelt ein Typ, sah ordentlich aus. Plötzlich stolperte er über einen Stein und schrie: “Scheiße! Wie können die bloß in so einer Stadt leben?“

80 verschiedene Typen, sagen die Regisseure des Clips, das ist der Warschauer von heute!

Krzysztof Skonieczny
Warschau ist heute eine vielfältige Stadt. Die Berliner sagen doch auch, dass Berlin nicht so ist wie das restliche Deutschland. Es ist wie ein Staat im Staat. Das Zentrum von Warschau ist auch eine der interessanten Inseln auf der polnischen Karte.

Eine Insel , die offen ist, für Kulturen aus Ost und West! Das zieht viele junge Menschen an.

Marek
Warschau ist noch eine wilde, nicht ganz zivilisierte Stadt. Früher gab es den Wilden Westen, und wir haben hier den Wilden Osten. Die Stadt ist nicht fertig und deshalb sehr offen.

Szymon
Und die Stadt macht es möglich, dass das Alte und das Neue und verschiedene soziale Gruppen gut miteinander leben können.

Lukasz
Wenn ich die Folklore-Songs höre, kriege ich Gänsehaut!

Im Video gibt Sänger Lukasz sie alle, wie sie in seinem Warschau leben: den Türken, den Bauarbeiter, den Barkeeper, den Partisanen, den Bordellbesucher …. und den Juden, der von polnischen Hooligans begleitet wird.

Lukasz
Wir sind von hier und identifizieren uns sehr mit der Stadt. Deswegen ist es unser Stoff. Und wir wollen Menschen wie Herrn Sylwester unseren Respekt zollen.

Jacek
Das eine ist die Tradition, in der wir aufgewachsen sind. Das andere ist das, was wir ständig lernen, indem wir durch die Welt reisen. Das vermischt sich alles. Den alten Warschauer kann man nicht mehr von dem neuen trennen.

Textsong
Und so endet die Ballade von Felek dem Warschauer und darauf heben wir jetzt: eins, zwei, drei…

Autorin Wioletta Weiß rbb

Dieser Text gibt den Sachstand vom 11.12.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kowalskitrifftschmidt/archiv/kowalski___schmidt/unkaputtbar.html

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