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Kowalski & Schmidt
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So 22.01.12 19:00

Friedrich-Hype und Polen

Er hat Schlesien erobert und Preußen zur europäischen Großmacht gemacht. Gemeinsam mit Russland und Habsburg ist Friedrich der Große für die erste polnische Teilung 1772 verantwortlich. Seine Polen-Politik wirkte noch zwei Jahrhunderte nach.

Friedrich II. – in Stein gemeißelt, in Bronze gegossen und omnipräsent. Und woran denkt man bei seinem Namen?

Frau
„Potsdam, Sanssouci, dass er eigentlich auch Fortschritte gebracht hat.“

Mann

„Krieg“

Doch seit sein Geburtstag naht, ist er ein Medienstar, ein Promi!

Mann
„Hat Kriege geführt, hat aber auch viel für die Kultur und für die Entwicklung des Landes getan.“

Dieses Landes! Preußen wurde groß – auf Kosten der Nachbarn. Österreich und Sachsen hat er überfallen. Von Polen nahm er sich seinen Teil - die Zerschlagung des Staates war eines seiner Lebensziele.

Einer, der sich über das Friedrich-Fieber in Berlin nur wundert, ist der polnische Publizist Adam Krzeminski.

Adam Krzeminski
„Ich glaube, er hat bevor er gekrönt wurde, also vor 1740 sehr viel mit der europäischen Karte gespielt oder sich Gedanken gemacht und hat überlegt, dass dieser Korridor zwischen Preußen und Brandenburg ihn stört.“

Seit 100 Jahren herrschte Frieden in Europa, Bauern und Soldaten erholten sich von den Grauen des 30jährigen Krieges. Bis er kam: Schon als Teenager hatte Friedrich davon geträumt, die europäische Ordnung zu ändern Polen war ihm im Weg. Er wolle Polen verspeisen wie eine Artischocke, Blatt für Blatt, schrieb Friedrich.

Während des siebenjährigen Krieges eroberte er sächsische und polnische Münzprägestempel. Damit ließ er hemmungslos minderwertiges sächsisches und polnisches Geld prägen.  Dann, 1772, teilten Friedrich und die Herrscher Russlands und Österreichs Polen auf. – wie die Habichte

Adam Krzeminski
„Er hat auch diese erste Teilung Polens publizistisch vorbereitet, indem er seinen Freunden oder Briefpartnern in Frankreich dieses Polen als eine rückständige Entität darstellte, er verglich die führende polnische Klasse mit den Irokesen, also damit war schon die Andeutung, man müsse mit denen dasselbe machen, was die Amerikaner mit den Indianern machen.“

Friedrich bekommt über 300.000 neue Untertanen. Gegenüber der europäischen Öffentlichkeit spielt er die Bedeutung der neuen Gebiete herunter und schreibt:

Zitator auf Flussfahrt:
„Es ist eine sehr gute Erwerbung, sehr vorteilhaft, sowohl für die politische Situation wie für die Finanzen, aber um weniger Eifersucht zu wecken, sage ich Jedem, ich hätte dort nur Sand, Fichten, Nebel und Juden gesehen.“

Schockiert sind die weltoffenen Danziger, vor allem die Händler.

 Adam Krzeminski
„Danzig war nicht Teil Westpreußens, es wurde durch die Annexion von Polen abgeschnitten, und dadurch wurde die Weichselader, also das ist dieser Strom, der die gesamte Wirtschaft in Gang in Polen brachte, abgeschnitten.“

Die Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer stammte aus dem liberalen Danzig. Sie schrieb:

Zitatorin:
„An jedem Morgen überfiel das Unglück wie ein Vampir meine dem Verderben geweihte Vaterstadt und saugte jahrelang ihr bis zur völligen Entkräftung das Mark des Lebens aus.“

Friedrich der Zweite – er wollte Polen verspeisen wie eine Artischocke. Er hat Preußen „groß“ gemacht. Um einen hohen Preis!

Adam Krzeminski
„Mit Friedrich II ist auch der Westfälische Frieden von 1648 null und nichtig geworden und Europa schlitterte in eine Zeit der beliebigen Grenzveränderungen, Auflösung von Staaten, Gründung neuer Staaten, und eines unheilvollen Wettlaufs der nationalen und imperialen Egoismen im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts .“

Das Unheil nahm seinen Lauf: Reichskanzler Bismarck lobte die polnischen Gebiete als die „Sehnen Preussens“! Hitler berief sich bei seinen Eroberungsplänen gern auf Friedrich, sein Vorbild. Der Rest ist Geschichte….

Autor Jürgen Buch rbb

Dieser Text gibt den Sachstand vom 22.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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