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Kowalski & Schmidt
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So 22.01.12 19:00

Preußische Schloss-Erben

Elisabeth von Küster kam Anfang der 90-er nach Schlesien, um ein altes Stück Familienbesitz zu retten. Damals war sie noch Studentin. Heute sind die Küsters landesweit bekannt und das alte barocke Schloss Lomitz ist aus Ruinen auferstanden.

Es war einmal das Schloss zu Lomnitz und vor 20 Jahren hätte niemand geglaubt, dass die alte Ruine wieder als Schmuckstück auferstehen würde. Bis Familie von Küster kam und die Ärmel aufkrempelte. Die inzwischen 7-köpfige Familie wohnt im Großen Schloss in Lomnitz. Ulrich von Küster arbeitet in Görlitz als Richter und Elisabeth von Küster kümmert sich um die große Anlage.

Elisabeth von Küster
„Die Anfänge waren doppelt schwer, wir mussten nicht nur in Polen erklären, was wir hier vorhaben, sondern auch in Deutschland. Sie dürfen nicht denken, wie hätten in Deutschland einen Fanclub gehabt. Am schwierigsten war es, unsere Familie davon zu überzeugen. Man hatte was dagegen, weil z. B. Ulrichs Vater sich noch sehr gut daran erinnern konnte, wie schwer es ist, ein solches Schloss instand zu halten.“

Nachdem die Familie von Küster 1945 in den Westen floh und enteignet wurde, war hier in den 70er Jahren eine Schule. Dann kamen die Plünderer, die Behörden wollten den Schuppen abreißen – das haben polnische Denkmalschützer verhindert. Und dann kam die Familie von Küster wieder…

Ulrich von Küster
„Das war eine total verrückte Idee, das war richtig, wir haben das Schloss gesehen, diese Ruine, wir haben das schöne Land hier gesehen, wir haben auch sehr nette Kontakte von Anfang an in Polen gehabt, auch zu jungen Menschen, das war eine sehr spontane Idee, Mensch, jetzt ist der Kommunismus weg, jetzt gehört Osteuropa wieder zum Westen, jetzt kann man in Polen was machen und los gehen und das war eine sehr verrückte Idee.“

Das Ehepaar war sich anfangs nicht bewusst, wie viel Arbeit vor ihnen liegt.

Elisabeth von Küster
„Also am Anfang war es nicht so einfach, da gab’s Momente... z.B. die ersten Termine bei den Behörden.  Aber dann haben wir ganz schnell unsere Motivation und Ziele erklärt und 99 Prozent der Beamten haben uns verstanden. Denn überall gibt es Menschen und sie spüren sehr genau wenn es jemand ehrlich meint. Das ist unsere Philosophie.”
 
Das Schloss der Familie von Küster befindet sich im Grenzgebiet von Polen, Deutschland und Tschechen. Es ist seit Jahrhunderten ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen.

Elisabeth von Küster
"Niederschlesien hatte eine solch vielseitige Geschichte und dann dieses traurige Schicksal mit dem Zweiten Weltkrieg, diese Umsiedlungen von Menschen, es ist schmerzhaft und wir haben festgestellt, dass es bis heute sichtbar ist. Wir sollten an solchen Veränderungen teilnehmen, die logischerweise auch in die Geschichte eines solchen Besitzes eingehen."

Das Ehepaar von Küster hatte kein eigenes Kapital. Hilfe für die Sanierung bekamen sie vom „Verein zur Pflege schlesischer Kunst- und Kultur“ und anderen deutschen und polnischen Stiftungen. An Arbeit mangelte es damals bis heute nicht- Die Kinder der Familie von Küster helfen gerne mit.

Anne von Küster
„Wir haben hier viele Tiere, mit denen wir spielen können. Wir können zum Beispiel reiten und haben viel Platz zum Spielen. Ich denke, es ist schön hier zu sein, aber manchmal denke ich es ist doch nicht so schön, wenn ich sehe, wieviel meine Mama arbeitet. Nun, ich weiß nicht, ob ich das auch schaffen würde, ich weiß noch nicht, was ich später mal werden will.”

Unter der Woche besuchen die Kinder eine deutsch-polnische Schule in Görlitz. Die Familie kommt am Wochenende zusammen.

Ulrich von Küster
„Das ist der Preis für dieses verrückte Projekte, dass man etwas viel fahren muss, wobei die Strecke Görlitz-Lomnitz ist nicht so lange, dass man Stunden unterwegs ist, es geht gerade noch, wir sind in Folge dieses Projektes nach Görlitz gezogen und das ist auch eine wunderschöne Stadt zum Leben, und eigentlich ist die Mischung gerade reizvoll, Görlitz - Lomnitz, Deutschland-Polen, viele Menschen in Görlitz fühlen sich ganz hinten am Rand, für uns ist Görlitz schon der Westen, man hat auch ein viel besseres Lebensgefühl in Görlitz wenn man weiß, in Polen ist das Leben auch noch normal...“

Hat sich die Familie in Lomnitz schon richtig eingelebt?

Elisabeth von Küster
„Unser Herz liebt Łomnica, aber der Kopf ist auch oft in Görlitz. Das sind einfach zwei Punkte, da muss man ganz fair sich verteilen, aber fast immer denken wir an Łomnica.“

Ulrich von Küster
„Mein Ziel ist natürlich, dass eines der Kinder, mindestens eines besser zwei oder drei von unseren fünf, wir haben ja ein bisschen Auswahl, dass die hier bleiben und das auch fortführen, das ist ganz klar, denn alles andere wüdre kein Sinn machen, das soll eine lange Tradition werden."

Pendeln zwischen Schloss und Stadt, zwischen Polen und Deutschland – und vorbei an den Klippen der Geschichte.

Autorin Kinga Wołoszyn-Świerk tvp

Dieser Text gibt den Sachstand vom 22.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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