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Kowalski & Schmidt
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So 22.01.12 19:00

Urbansketchers - alter Wein in neuen Schläuchen

Gezeichnete Reiseberichte – das klingt nach dem 19. Jahrhundert. Es ist aber ganz neu und im Internet zu bewundern: www.urbansketchers.org

Die Oranienstraße in Berlin Kreuzberg – eine belebte Gegend am Vormittag – Vis-à-vis der  türkischen Konditorei bleibt einer länger stehen: Omar Jaramillo is gerade als „URBANSKETCHER“ uterwegs, dabei, den Alltag in der Stadt, nachzuzeichnen.

Omar Jaramillo
"Ich suche die vielen Welten, die es in einer Großstadt gibt.  Ich suche das türkische Leben in Berlin, ich suche das italienische Leben in Berlin... Ich fühle mich wie ein Entdecker, der durch die Stadt etwas sucht und findet... und zeichnet!"

Besonders gern zeichnet der 40-jährige Architekt Handwerker in ihren Betrieben. 

Schneider
Ich liebe diese alten Maschinen, mit ihren ganzen technischen Feinheiten...
Diese Maschine? Die ist doch uralt!  Die ist mindestens 50, 60 Jahre alt! Ich hatte sie schon gebraucht gekauft, in den Siebzigern...

Omar Jaramillo
„Die Leute kommen vorbei und erleben das nicht... und da verpassen sie etwas Schönes.“

Das Café Kotti in Berlin Kreuzberg.  Omar war viel in Italien und im arabischen Raum unterwegs.  Er liebt die orientalische Caféhaus-Kultur.

Omar Jaramillo
Architekt und Urbansketcher
„Es gibt gewisse Orte, die interessante Leute anziehen... und da komme ich auch, na ja, um einen Café zu genießen, aber teilweise auch, um die Leute zu beobachten.“

Die internationale Urbansketcher Bewegung existiert seit etwa vier Jahren, in Berlin erst seit einigen Monaten. Es gibt neun Mitgliedern. Einer davon ist  der Grafikdesigner Bo Soremsky, er hat  gerade eine Aussstellung in einer Kneipe in Berlin Friedrichshain eröffnet hat. Als Urbansketcher porträtiert er gern Menschen, besonders die aus sozial schwachen Milieus.

Bo Soremsky
Grafikdesigner und Urbansketcher
„Wenn man jetzt fotografiert, das merken die Leute sofort und wollen das nicht, aber eine Zeichnung nehmen sie als nicht so wahrhaftig oder realitätsnahe wahr, so dass sie das als Bedrohung empfinden würden.“

Er sieht seine Zeichnungen lieber an den Wänden in Kneipen als in Galerien.

Bo Soremsky
„So eine Kneipe oder ein Café ist ein sehr lebendiger Ort, wo die Bilder von vielen Leuten gesehen werden und das finde ich einfach interessant.  Beruflich zum Beispiel ist das gar nicht schlecht, dass andere Grafikdesigner das sehen und dann Aufträge vermitteln oder so was in der Art “

Seinen Besuch in Warschau hat Bo Soremsky als Reisereportage gezeichnet -  Wie in einem Bildertagebuch erleben wir  Sehenswürdigkeiten und Menschen, die fast comic-artig dargestellt werden.  Da der Zeichner kein Polnisch und die Warschauer kein Deutsch können, erfindet er eine Zeichensprache in Sprechblasen...

Treff der Berliner Urbansketchers-Gruppe. Einige, wie Bo Soremsky, sehen sich zum ersten Mal „live“. Ihre Berufe, Handwerk und Herkunft sind unterschiedlich, was sie verbindet – empfindet jeder anders...

Bo Soremsky
„Der gezeichnete Reisebericht ist, glaube ich, die älteste Form de Bildreportage, die es überhaupt gibt, aber das gibt mittlerweile nicht mehr so häufig.“

Olga Prudnikova
Illustratorin
"Als ich nach Berlin kam, konnte ich kein Deutsch und kannte niemanden, durch das Zeichnen hab ich mir die Stadt angeeignet.

Oona Leganovic
„Man fängt halt an und zeichnet jeden Tag und wenn man das lange genug macht, dann wird man besser.  Und gerade dafür ist „URBANSKETCHERS“ halt auch gut.  Man muß nicht gleich das Meisterwerk abliefern oder so.“

Catalina Somolinos
„Normalerweise, wenn wir gemeinsam zeichnen, werten wir gleich gegenseitig die Sketche aus und es ist wärmer dabei, du bist geschützt, nicht allein… beim Zeichnen...“

Beim Zeichnen in der Gruppe fühlen sie sich besonders kreativ!
 
Florian Affenbach
Architekt
„Wir zeichnen ganz oft vom gleichen Standort aus, um zu sehen, wie hat der andere das gesehen,  wie hat der andere die Proportionen und die Farben wahrgenommen, wenn wir es dann acquarelieren, und es ist total spannend zu sehen, wie die Zeichnungen sich unterscheiden weil da so ein bisschen die Charaktere von den Zeichnern dabei herauskommen.“

So geht nun die ganze Gruppe  spontan auf einen sogenannten „ SKETCH CRAWL“ – also „SKIZZENTOUR“ , abgeleitet aus dem englischen Trinkerbegriff für die „Sauftour“  - „PUBCRAWL“.  Beim Sketchcrawl wird schnell ein „SPOT“ gefunden  – Unter den Linden - vis-à-vis vom alten Fritz-Reiterdenkmal darf hier jeder nach seiner Facon erfinderisch werden…

Autorin Milena Hadatty rbb

Dieser Text gibt den Sachstand vom 22.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kowalskitrifftschmidt/archiv/kowalski___schmidt0/kowalski_20120122_urbansketchers.html

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