Sie sind hier:
rbbonline | Archiv

Wir erinnern an die polnischen Literaturnobelpreis-Trägerin, die am Mittwoch, den 1.2.2012 im Alter von 88 Jahren in Krakau verstarb.
Mir ist das Kino lieber.
Mir sind die Katzen lieber.
Mir sind die Eichen an der Warthe lieber.
Mir ist Dickens lieber als Dostojewski.
Ich bin mir lieber als Menschenfreund
denn als Freund der Menschheit.
Nadeln und Zwirn zur Hand sind mir lieber.
Die grüne Farbe ist mir lieber.
Lieber behaupte ich, nicht der Verstand sei an allem schuld.
Mir sind die Ausnahmen lieber.
Mir ist es lieber bei Zeiten zu gehen.
Mit Ärzten rede ich lieber über etwas anderes.
Übersetzung:
Mir ist die Lächerlichkeit Gedichte zu schreiben lieber
als die Lächerlichkeit keine zu schreiben.
Mir ist es lieber in der Liebe
die geraden Jahrestage täglich zu feiern.
Ich mag lieber die Moralisten,
die mir nichts versprechen.
Mir ist die schlaue Güte lieber
als die allzu leichtgläubige.
Ich mag die Erde lieber in Zivil.
Die eroberten Länder sind mir
lieber als die erobernden.
Die Hölle des Chaos ist mir lieber
als die Hölle der Ordnung.
Die Märchen der Brüder Grimm
sind mir lieber als Leitartikel.
Wislawa Szymborska lebte zurückgezogen in Krakau. Ihre Gedichte sind an keinen Ort gebunden, an keine Zeit, sie erzählen vom Leben. Den Rummel, der der Nobelpreisverleihung 1996 folgte, empfand sie als Bürde. Poesie entsteht im Schweigen, hat sie gesagt.
Und: "Das Leben, sei es auch lang, wird immer kurz sein. Zu kurz, um ihm etwas hin zu zu fügen."
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/kowalskitrifftschmidt/archiv/kowalski___schmidt1/nachruf_auf_wis_awa.html