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Kowalski & Schmidt
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So 05.02.12 19:00

Standpunktfrage

Die Unternehmer in der Uckermark schlagen Alarm. Kaum ein Unternehmen, das seit der Grenzöffnung vor vier Jahren nicht bestohlen wurde. „Wir bluten aus“, sagt Udo Schellner, der eine Petition an den Brandenburger Landtag mit initiiert hat. Er fordert, dass die  Politiker endlich handeln. Die deutsche Polizei muss besser ausgestattet werden. Brandenburgs Polizeipräsident, Arne Feurig sieht vor allem die Unternehmer in der Pflicht. Sie sollen ihren Besitz besser schützen.

Dieser 450 Liter Tank versorgt die Maschinen im Forstbetrieb von Udo Schellner. Aber mindestens einmal im Monat nachts kommen Diebe und machen ihn leer. Schaden: 650 Euro!

Doch nicht nur die kleinen Schäden machen den Unternehmer wütend. Neulich haben sie seinen Kran im Wert von 250 Tausend Euro gestohlen. Eine Spezialmaschine, um Baumstämme im Wald zu bewegen. Die Täter konnten das komplizierte Gerät aber nicht bedienen und ließen es einige Kilometer weiter im Feld stehen.

Udo Schellner
Unternehmer, Angermünde
"Wir haben leider in Angermünde kaum eine Firma, die noch nicht Opfer eines Diebstahls oder eines Einbruchs geworden ist. Das sind Schäden von 300 Tausend Euro bis 300 Euro und der enorme Aufwand, die Schäden zu regulieren und den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten ist nicht mehr vertretbar."

Deswegen hat Udo Schellner eine Petition initiiert und an den Brandenburger Landtag geschickt. Die Schadenssumme der Unternehmer in Angermüde und Umgebung: über 2 Mio Euro in den vergangenen drei Jahren. Sie haben den Schaden und den Ärger mit der Versicherung!

Udo Schellner
Unternehmer, Angermünde
"Aufgrund dieser Geschichten wurden wir in der Versicherung höher gestuft, zahlen alle höhere Prämien. Und haben alle mittlerweile 5000 Euro Ständebeteiligung, das heißt Schäden, die unter fünf Tausend Euro sind, tragen wir selber. Die regelt nicht mal die Versicherung."

In den letzten drei Jahren wurde das Problem immer drängender. Doch die Unternehmer mochten nicht öffentlich darüber klagen, sie wollen nicht als polenfeindlich gelten. Sie machen viel Umsatz im Nachbarland. Jetzt wissen sie nicht mehr weiter.

Udo Schellner
Unternehmer, Angermünde
"Der Saat hat die Aufgabe uns zu schützen, sprich uns Unternehmer. Wir schaffen Arbeitsplätze, zahlen Steuern, investieren in Ausbildung. Im Gegenzug verlangen wir vom Land Brandenburg, uns zu schützen. Damit wir unserer Arbeit nachgehen können."

Die Unternehmer in der Region fühlen sich den Dieben von Autos und Maschinen vollkommen ausgeliefert.

Die kommen in der Dunkelheit und suchen sich die Beute aus. Geklaut wird auf Bestellung und von internationalen Bandenmitgliedern. Gleich hinter der Schengen-Grenze bringen die Diebe die Fahrzeuge an den Mann. Innerhalb von 12 Stunden verlässt die Beute Polen. Soviel weiß auch die Polizei….

…Und reagiert. In letzter Zeit sieht man wieder Streifenwagen an ausgewählten Grenzübergängen. Die offene Grenze wird überwacht - wie früher.

Vergangene Woche in Stettin: Gipfeltreffen der Stettiner und Brandenburger Polizei. Sie haben einen gemeinsamen Workshop organisiert, die Deutschen stellen eine neue Sicherungsmethode vor: die künstliche DNA. Damit könnte, z.B., jeder Autobesitzer sein Fahrzeug markieren lassen. Es kann dann leichter identifiziert und damit aufgespürt werden.

Polen hat eine Außengrenze im Schengener Raum und ist das Transitland für die internationalen Fahrzeugdiebe.

Die wissen, wie man mit dem Laptop einen Schlüsselcode bricht oder einen Polizeiwagen aufspürt!

Aber das Problem lässt sich in den Griff kriegen, sagen die beiden Supercops auf der gemeinsamen Pressekonferenz: Sie wollen jetzt noch enger zusammen arbeiten – und für die Unternehmer hat der Brandenburger Polizeipräsident einen Rat: Sie sollen einfach besser auf ihr Hab und Gut aufpassen!

Arne Feurig
Polizeipräsident
"Da muss ich mir schon die Frage stellen, auch als Bürger. Ist da der Ruf nach mehr Polizei überhaupt noch sinnfällig? Oder soll ich nicht etwas vorsichtiger mit meinem Hab und Gut umgehen. Wenn es sich um ein Schmuckstück handeln würde, würde ich ihn nicht in einer Garage aufbewahren, das heisst in einer landwirtschaftlichen Scheune aufbewahren."

Und so haben polnische und deutsche Ordnungshüter demonstriert, dass keine internationale Diebesbande sie auseinander bringt! Nur die Unternehmer, die den Schaden haben, die sind nicht so begeistert vom polizeilichen Ratschlag:

Udo Schellner
Unternehmer, Uckermark
"Mehr wie ein Fahrzeug mit gps-chip zu sichern, es abends ordnungsgemäß zu verschlissenen oder eine Batterie auszubauen, können wir nicht machen. Wir können nun keine Festung bauen oder die Maschine in einen Panzerschrank zu fahren. Das ist natürlich völlig unmöglich."

Wir sind ein paar Kilometer weiter, auf der anderen Seite der Grenze. Wer es sich leisten kann und etwas zu schützen hat, lebt hier in geschlossenen Siedlungen - kleinen Festungen mit hohen Zäunen und Wachschutz. Auf den Schutz des Staates zählt man hier nicht.

Auch der Bauunternehmer und Bauer Ryszard Bieniek kennt es nur zu gut, dieses Gefühl: Diebstahl ist für ihn wie eine chronische Krankheit, mit der man leider leben muss. Obwohl er die Nase voll davon hat – genau wie seine Kollegen in Brandenburg!

Alle seine Maschinen stellt er bei einem Bekannten auf dem Hof ab. Der passt darauf auf - jetzt im Winter vor allem, da es weniger zu tun gibt! Und wenn auch das nicht mehr hilft – Bauer Bieniek kennt da noch ein Mittel:

Ryszard Bieniek
Unternehmer, bei Stettin
"Ich habe eine radikale Lösung: Ich hätte gerne eine Waffe und wenn jemand in der Dunkelheit, nach 22Uhr, mein Grundstück betritt, würde ich schießen. Einfach frech schießen. Dann würde ich die Polizei anrufen und sagen, dass da jemand liegt, weil er mein Grundstück illegal betreten hat. Wir haben als Bürger nur Pflichten, müssen Steuern zahlen, aber keine Rechte und keinen Schutz. Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist, aber bei uns ist es so."

Udo Schellner
Unternehmer, Angermünde
"Wir sind weit weg davon, Selbstjustiz zu ergreifen. Aber die Uckermark ist bewaffnet bis an die Zähne, weil jeder zweite ist hier entweder Jäger oder im Schützenverein. Und die Leute sehen hier keine andere Handhabe, um sich selbst zu verteidigen, um ihr Eigentum zu schützen. Und es ist nur die Frage der Zeit, wann der erste Schutz fällt."

Autorin Wioletta Weiß rbb

Dieser Text gibt den Sachstand vom 05.02.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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