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Kowalski & Schmidt
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So 30.10.11 19:00

Die polnischen Piraten

Er ist der Überraschungssieger bei den Sejm-Wahlen in Polen vor drei Wochen: Janusz Palikot. Aus dem Stand holte er mit seiner neu geschaffenen Partei "Ruch Palikota" zehn Prozent. Der studierte Philosoph und millionenschwere Unternehmer zieht mit einem Homosexuellen und einer Transsexuellen ins Parlament und fordert, das Kreuz im Plenarsaal abzuhängen. Geht ein antiklerikaler Ruck durch die polnische Gesellschaft?

Dieses kleine Kreuz soll weg. Weg aus dem Sejm, dem polnischen Parlament. Das sagt zumindest er. Janusz Palikot. Politprovokateur und zur Zeit ein sehr begehrter Mann in Polen. Wo er ist – da sind die Journalisten. Von Null auf 10 Prozent brachte er es mit seiner „Bewegung Palikot. Mit seiner Forderung, das Kreuz ab zu hängen, hat der studierte Philosoph und millionenschwere Unternehmer für Wirbel in Polen gesorgt:

Dazu muss man wissen: Das Kreuz hängt erst seit 1997 im Sejm. Seit es Solidarnosc Mitarbeiter dort nach dem Sturz des Kommunismus angebracht haben. Für den antiklerikalen Palikot ein Dorn im Auge.

Janusz Palikot, Vorsitzender von "Ruch Palikota"
"Die polnische Verfassung, sagt eindeutig, dass Staat und Kirche getrennt sind, und dass der Staat frei von religiösem Einfluss sein soll."

Bekannt geworden ist Palikot durch provokante Auftritte. Zum Beispiel 2007 bei einer Pressekonferenz mit Plastikpistole und Dildo, behauptete er, diese Symbole repräsentierten momentan am Besten die Partei PiS – von Kaczynski.

Mit einem Schweinekopf protestierte er in einer Talkshow gegen Korruption im polnischen Fußballverband. Damals war Palikot noch Mitglied in der Partei von Polens Ministerpräsident Tusk.

Janusz Palikot
"Die alte Linke steckt in einer tiefen Krise. Und wir wollen die neue Linke aufbauen. Wir wollen Parteistrukturen aufbauen und viele Kampagnen organisieren, um in vier Jahren die Wahlen zu gewinnen."

Wojciech Jabłoński, Politologe
"Er wird von den meisten als Außenseiter wahrgenommen. Solche Menschen haben nur eine Chance, wenn sie eine Revolution auf der Straße entfachen."

Palikot hat viel zu tun in diesen Tagen – gerade guckt er sich Räume für eine größere Parteizentrale an. Vieles müssen sie noch aufbauen. Aber eine politische Strategie für seine Oppositionsarbeit hat er bereits in der Tasche.

Janusz Palikot
"Im Parlament wollen wir einige Gesetze erzwingen. Die Regierungskoalition hat nur eine knappe Mehrheit, sie ist also ab und zu auf unsere Stimmen angewiesen. Im Gegenzug können wir unsere Forderungen durchdrücken: wie die Legalisierung von Marihuana, oder das Bezahlen einer künstlichen Befruchtung."

....oder die Anerkennung homosexueller Beziehungen.
Bemerkenswert ist auch sein Team: z.B. Anna Grodzka. Frisch gewählte Sejmabgeordnete. Und wohl die erste Transsexuelle in einem Parlament überhaupt. Oder Robert Biedron. Ein Homosexuellen-Aktivist der ersten Stunde. Und der erste bekennende Schwule im Sejm. Die beiden sind überzeugt, dass sie gewählt wurden, ist ein Zeichen des Wandels im Land.

Anna Grodzka, Sejmabgeordnete "Ruch Palikota"
"Allein die Anwesenheit von uns, also der Bewegung Palikot im Parlament ist schon sehr wichtig. Das gibt uns die Möglichkeit hier über wichtige Dinge laut zu sprechen und ein Auge auf die Koalitionsparteien zu haben."

Stimmen geholt hat Palikots Bewegung vor allem bei jungen Wählern, denen die anderen Parteien zu konservativ sind. Die sich nicht wiederfinden in einem von katholischen Werten dominierten Polen.

Wojciech Jabłoński
"Er kann etwas verändern in Polen, vielleicht wird er nicht gleich das traditionell ewig leidende Polen zu einer liberalen Weltsicht bringen, aber vielleicht bringt er die Menschen dazu, über manche Themen einmal offen zu sprechen."

Beitrag von Nicole Husmann

Dieser Text gibt den Sachstand vom wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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