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Kowalski & Schmidt
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So 10.07.11 19:00

Ein Garten zum Wurzelnschlagen

Ein Garten ist ein Ort der Ruhe, Entspannung und manchmal ist er noch viel mehr. Der interkulturelle Garten Rosenduft am Gleisdreieck ist ein Ort der Begegnung, Hier trifft Okraschote auf Erdbeerpflanze, hier gestalten Einheimische und Migranten gemeinsam ein Stück Berliner Grünfläche. Viele sind Kriegsflüchtlinge aus Bosnien oder Afrika, sie säen nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch ein bisschen Hoffnung.

Sie nennen sich Guerilla-Gärtner und sie sind verantwortlich, dass es sprießt und grünt in Berlin auch dort, wo niemand es vermutet!
Den Grund und Boden nehmen sie sich – manchmal auch unter den Arm: mobile Beete gegen grauen Beton, auf dem ehemaligen Tempelhofer Flughafen oder mitten in einer Stadtbrache.

Am Gleisdreieck hat das Projekt „Rosenduft“ einen Garten gepachtet. Bei jedem Wetter kommt Begzada Alatović morgens und immer schneidet sie zuerst Minze für den Tee. Heilpflanzen – im wahrsten Sinne des Wortes!

Begzada Alatović
Projektleiterin Garten Rosenduft
"Es ist einfach so, wenn ich von zu Hause hier reinkomme, dann lasse ich alle meine Probleme draußen, es ist einfach ein ganz anderes Gefühl. Die Natur bewegt mich, erfrischt mich und da sind dann auch noch die Leute, die ich immer hier treffe, mit denen ich eine gute Zeit verbringe, und das teilen wir alles mit, wir trinken Kaffee und wir lachen und wir weinen, alles erleben wir hier zusammen."

Gespräch
"Zitronenmelisse oder Schokominze?"
"Schokominze kenne ich gar nicht…"

Vor der Arbeit gibt es Kräutertee für alle aus dem eigenen Garten. Kleine Fluchten für Kinder und Erwachsene, die meisten aus Bosnien, viele von ihnen vom Bürgerkrieg traumatisiert. Sie haben angeregt, vor sechs Jahren die Brache am Gleisdreieck zu bepflanzen, das Bezirksamt hat zugestimmt. Zusammen mit Nachbarn ein Stück Leben zurückholen, eine ferne Erinnerung an das, was einmal ihr Alltag war.

Bagzada Alatović
Projektleiterin Garten Rosenduft
"Einfach Sehnsucht nach Arbeit, nach dem Ernten, nach dem, was die Frauen wirklich vermisst haben während des Krieges, weil die waren alle zu Hause als Hausfrauen und die haben sich um die Familie gekümmert, die haben gekocht und der Garten war auch Hauptsache was die Frauen gemacht haben, ein Ort an dem die Frauen schon damals Ruhe gefunden haben."

Ruhe – und frisches Gemüse, garantiert ohne Pestizide! „Rosenduftgarten“ haben sie ihr kleines Paradies genannt.
Und das hat auch Bernd schätzen gelernt. Der Kreuzberger ist Architekt und von Anfang an dabei. Er kennt sich aus mit alten Gemüsesorten und am Gleisdreieck züchtet er zwölf verschiedene Tomatenarten.

Bernd
Hobbygärtner
"In der Stadt ist es wichtig, dass man das wiederentdeckt, dass es zwar Stadt bleibt, aber das es in der Stadt auch Gebiete gibt, wo man so etwas machen kann, wo man gärtnert, wo man selber wieder etwas erntet und vor allem ist es auch wichtig für die Kinder: Wie wächst eine Tomate, wie wächst eine Gurke, wie sieht das aus…"

Gespräch
"Es ist wirklich eine Bio-Gurke, wir haben hier keine chemischen Sachen, alles ist bio."

Samira und Kazim sind regelmäßig mit ihrer Oma im Garten. In diesem Jahr werden sie das erste Mal ernten, was sie selber angepflanzt haben:

Kazim
"Das hier sind Bohnen, diese und das sind Tomaten und das Lange oben ist Mais."

Auch die Pflanzen sind irgendwann in den deutschen Boden "eingewandert". 20 solcher Gärten gibt es in Berlin – im Wortsinn: "multikulturell"!

Begzada Alatović
Projektleiterin Garten Rosenduft
"Es gibt so viele Leute, die zu Hause einfach so sitzen, wie meine Frauen, die Leute, die keine Beschäftigung haben, und die haben auch keine Möglichkeit irgendwo Ausflüge zu machen oder zu verreisen und einen Garten zu haben. Zuerst einen Ort zu schaffen, wo man den Alltag ein bisschen anders gestalten kann, oder dass man andere Leute treffen kann, das ist ja auch sehr wichtig."

"Zuhause" heißt auf Bosnisch "Domovina". 700 Quadratmeter blühendes "Zuhause" – mitten in Berlin.


Autorin Bettina Lehnert

Dieser Text gibt den Sachstand vom 10.07.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Interkulturelle Gärten

http://www.stiftung-interkultur.de

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kowalskitrifftschmidt/archiv/kowalski_trifft_schmidt47/ein_garten_zum_wurzelnschlagen.html

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