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rbbonline | Archiv

Der gute Ruf der Berliner Universitäten lockt immer mehr junge Leute, die in die Hauptstadt ziehen und die vielfältigen Angebote der Stadt nutzen wollen. Leider wird auch Berlin für die Studenten immer teurer.
Hubert aus Warschau hat ein kleines Zimmer in Berlin Treptow gefunden. Der 23-jährige ist vor wenigen Tagen erst nach Berlin gekommen. Er studiert Fagott; die Mundstücke für sein Instrument stellt er selber her.
Hubert
23, aus Warschau
"Na, Mundstücke kann man auch kaufen, aber jedes Mundstück kostet ungefähr 20 Euro... Also ich finde das besser, wenn man das selbst macht."
Die Miete hier draußen ist günstig, so kommt Hubert kommt mit rund 400 Euro im Monat über die Runden.
Hubert
"Hier draußen wohnen nicht so viele Studenten. Das kann man als Vorteil sehen oder als Nachtteil. Ich persönlich habe hier viel Ruhe und kann mich aufs Studium konzentrieren. Dafür brauch’ , eine gute Stunde bis nach Berlin-Mitte."
Es wäre natürlich besser, in Mitte zu wohnen, aber erstens wäre die Miete doppelt so hoch, und zweitens, grenzt es an ein Wunder, dort eine Wohnung zu finden.
Die Musik-Hochschule liegt direkt am Gendarmenmarkt. Eine Eliteuniversität mit handverlesenen, wenigen Studenten. Um hier angenommen zu werden, musste er eine strenge Aufnahmeprüfung bestehen – und wo unterrichtet noch gleich der Professor für Fagott?!
Ganz anders die Freien Universität in Berlin Dahlem. Hier tummeln sich Massen von Neustudenten in den überfüllten Hörsälen... der gute Ruf der „linken Uni“ lockte auch den Politologiestudenten Hanno aus Hannover zum Master-Studium hierher.
Hanno
25, aus Hannover
"In Berlin ist es natürlich reizvoll, dass die Uni sehr renommiert ist, aber vor allen Dingen auch gibt es ein breites Angebot und auch um die Uni herum gibt es ja viel Angebote- also in der Stadt gibt es natürlich viele Veranstaltungen, die für Politologe sehr interessant sind."
Hanno ärgert sich über die umfangreichen Sparmaßnahmen an der Uni. Obwohl es viele Bibliotheken gibt, fehlen Bücher. Vieles müssen die Studenten selber kaufen oder kopieren…
Hanno
"Für die Lehrer, für das ganze Personal in der Uni ist zu wenig Geld da, so dass es immer noch ein großes Angebot gibt, aber zu wenig für die große Anzahl von Studierende."
Solche Klagen versteht Hubert nicht. Er erhält Einzelunterricht und der gilt als so gut, dass er Studenten aus der ganzen Welt anzieht!
Und wo sonst gibt es so viele Orchester, hier wird er sogar eine Chance auf eine Festanstellung haben.
Hubert
"Die Deutschen investieren doch sehr viel in die Kultur! Sonst hätten wir Studenten doch keine Ermäßigungen für alle Konzertkarten, sei es in der Philharmonie oder in der Oper. Und unsere Musik-Hochschule wäre nicht so üppig ausgestattet. Wir haben eine Phonothek und bekommen die neuesten Bücher, die es auf dem Markt gibt!"
Hanno
"Ich bin jetzt erstmal in den Wedding gezogen und ich bin sehr zufrieden hier, es gibt viele Geschäfte, es gibt Essen aus verschiedenen Nationen, auch sehr günstig, es gibt eigentlich alles, was man braucht, es ist nett."
Seit zwei Wochen wohnt Hanno in dieser Fünfer-WG.
Hanno
"Die hatten ein Zimmer frei, weil hier eben viele Leute öfters mal ins Ausland gehen und jetzt konnte ich bis Januar, vielleicht sogar bis März hier wohnen... und dann werde ich auch weiter suchen müssen."
Mit 550 Euro im Monat kommt Hanno über die Runden... Er will später sein Wissen für eine bessere Gesellschaft einsetzen.
Hanno
"Man kann natürlich wissenschaftliche Expertise anhäufen, darüber kluge Texte schreiben und das Ganze erstmal bekannt machen, wie die Zustände eben sind, aber ich glaube, das Wichtigste wird sein, dass sich eben die Leute, die darunter leiden zusammen tun, organisieren und dagegen was machen."
Hubert hat ein ganz anderes Ziel. Er will es zum Solisten bringen und das heißt: üben, üben und noch mal üben!
Hubert
"Bestimmt habe ich mir nicht dieses Instrument ausgesucht, um später in einem Restaurant zu spielen, während jemand sein Schnitzel isst. Das ist es nicht, was ich nach der Ausbildung machen will. Ich werde bestimmt gute Chancen haben gleich nach dem Studium Arbeit in einem Orchester zu finden. Es gibt nämlich auf dem Markt fünf Mal so viele Streicher oder Pianisten wie Fagottisten."
Autorin Milena Hadatty
© Rundfunk Berlin-Brandenburg