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Kowalski & Schmidt
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Der unsichtbare Dichter

Tadeusz Różewicz ist eine einzigartige Größe in der polnischen Literaturszene. Seine Lyrik und Theaterstücke sind Pflichtlektüre an den polnischen Schulen und sein schnörkelloser Stil ebnete der polnischen Literatur der 60er Jahre den Weg in den Westen. Der Künstler lässt gerne seine Werke für sich sprechen, seine Wenigkeit hält er gerne vor der Öffentlichkeit verborgen. Auch an seinem 90sten Geburtstag blieb er den Fernsehkameras fern, und trotzdem: in Breslau wurde das Jubiläum groß gefeiert.

Mit seiner „Poesie für Entsetzte“ ist er weltberühmt geworden.

„Vierundzwanzig bin ich
Gerettet
Auf dem Weg zum Schlachten”

Schreibt er in einem Gedicht kurz nach dem Krieg.
Adam Hawalej durfte ihn fotografieren. Ein Privileg.

Adam Hawałej
Fotograf
"Richtige Fotosessions hat es nie gegeben. In meiner Erinnerung sind lediglich Fragmente von unseren Treffen geblieben, die ich fotografieren durfte. Herr Rożewicz hat z.B. einmal ein Happening „Der Mülleimer” vorgeschlagen, bei dem er sich in einen Clochard verwandelt hat."

Adam Hawałej
"Ich erinnere mich an einen Spaziergang im Breslauer Zoo, wo es mir gelang, zwei meiner besten Fotos zu machen: Das Foto mit dem Tiger, - daraus wurde ein Buchumschlag - und kurze Zeit später setzte sich Herr Różewicz auf eine Bank, unter der eine Katze hervorkam."

In Polen wird er neben Wisława Szymborska als bedeutendster zeitgenössischer Lyriker und Dramatiker gefeiert.


Elżbieta Sitek
Journalistin und Regisseurin
"Ich durfte einen Mann treffen, dessen Werke ich in der Schule und im Studium gelesen habe. Für mich war es eine Offenbarung. Mit der Zeit hat er Vertrauen zu mir gefasst, Tadeusz Różewicz hat mich akzeptiert, er ist ja ein misstrauischer Mensch, recht streng in seinem Menschenurteil. Es kommt vor, dass er jemanden akzeptiert und dann wieder wegstößt. Aber ich hatte das Glück, mit ihm sehr sehr lange arbeiten zu dürfen. Mit meiner Kamera hab ich ihn sozusagen wie durch ein Schlüsselloch beobachtet."

Tadeusz Różewicz
Dichter
"Warum schreiben Sie? Diese Frage wurde mir in vielen Interviews gestellt. Ich schreibe, weil ich muss, weil etwas mich schreiben lässt, weil Schreiben mein Leben ist. Ich liebe die schöne Kunst des Schreibens. Ich schreibe, um mich von Minderwertigkeitsgefühlen zu befreien, ich schreibe, um Kollegen zu ärgern. All diese traurigen, langweiligen Antworten. Die Zeit anhalten, den Tod bezwingen, die Freude und den Schmerz teilen, den Herrgott bei den Füßen packen."

Kinga Preis
Schauspielerin am Polnischen Theater in Breslau
"Tadeusz Różewicz wird nie in Vergessenheit geraten, weil seine Lyrik zum Anfassen ist. Manchmal sind wir uns dessen nicht bewusst, was in seiner Lyrik steckt, aber er ist kein Dichter, der in einer hermetisch abgeriegelten Welt lebt, zu der wir keinen Zugang haben. Ganz wichtige Dinge hat er auf eine sehr einfache Art und Weise geschrieben."

Das Jahr 2011 wurde in Polen zum Różewicz-Jahr erklärt. In der Breslauer Oper findet eine Gala zu seinem 90. Geburtstag statt.

Ewa Michnik
Direktorin der Breslauer Oper
"Tadeusz Różewicz ist ein sehr bescheidener Mensch, der nie verschlagen würde, eine Veranstaltung ihm zu Ehren zu organisieren. Er ist sehr sensibel und wenn es um seine Person geht, dann würde er am liebsten keine Auszeichnungen bekommen, keine Festivals, keine Feierlichkeiten."

Der Komponist Udo Zimmermann ist seit Jahren mit Tadeusz Różewicz befreudet. Für die Gala hat er einige seiner Gedichte vertont.

Udo Zimmermann
Komponist
"Tadeusz Różewicz ist ein wichtiger Autor nicht nur in Wrocław, nicht nur in deutsch- polnischer Verbindung – er ist als Autor natürlich ein König. Er hat eine Aura die in sein Werk hinein reflektiert – die wieder sich von dem Werk wegstellt, man fragt sich wie behält man ihn dass er nicht wegläuft. Er ist immer offen, für jede neue Sequenz, und das finde ich als alle wichtigste was es gibt."

Die Jubiläumsfeier in der Breslauer Oper muss ohne den Jubilar auskommen. Der Dichter hat den Rummel um seine Person immer gemieden.

Wiesława Różewicz
Ehefrau von Tadeusz Różewicz
"Die Feier war sehr interessant und schön. Ich werde meinen Mann sagen, dass er als 90-Jähriger ausgezeichnet gefeiert wurde."

Der Oberbürgermeister selbst bringt das Ständchen!

Sie haben das Lied geändert, nicht 100 – 200 Jahre soll er leben!
Herzlichen Glückwunsch Tadeusz Różewicz!

Autorin von Kinga Wołoszyn-Świerk TVP

Dieser Text gibt den Sachstand vom 13.11.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

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