rbb Fernsehen

rbbonline | Archiv

Kowalski & Schmidt
Kowalski & Schmidt

So 13.11.11 19:00

Rabenmutter à la Polonaise

Der polnische Film "Ich heiße Ki" wurde auf dem diesjährigen Festival des osteuropäischen Films in Cottbus vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. 

Regisseur Leszek Dawid und Drehbuchautor Paweł Ferdek porträtieren den mühsamen Versuch einer jungen Mutter, zwischen Kinderbetreuung, Geldverdienen und Selbstverwirklichung in der Warschauer Künstlerszene ihren Platz zu finden.

Als Dokumentarfilmer, als sensibler Beobachter der Gesellschaft, hat sich Leszek Dawid einen Namen gemacht. Jetzt hat der preisgekrönte Regisseur in Cottbus seinen ersten Spielfilm vorgestellt.

"Ich heiße Ki" erzählt die Geschichte einer jungen Mutter, wie es sie im polnischen Kino so noch nicht gab. Zufällig Mutter geworden, versucht sie ihren Pflichten so gut wie sie kann nachzukommen. Auch wenn sie dafür ihre Freunde rücksichtslos einspannt.

Leszek Dawid
Regiesseur
„Ki hat Charaktermerkmale, die ich auch gerne haben möchte, oder für die ich mich schäme, wenn ich sie habe. Ich verstecke mich hinter ihr und das ist sehr bequem für mich. Ich möchte manchmal auch so frech, kompromisslos und direkt sein wie sie, aber ich traue mich das nicht immer. Sie tut das einfach und ich sehe, welch hohen Preis sie dafür zahlen muss. Ich habe den Film gemacht, weil ich im Leben nicht den Mut habe, so zu handeln, wie sie es tut.“

Die Idee für die Figur hatte Drehbuchautor Paweł Ferdek, nachdem er eine ähnlich chaotische und dynamische Mutter eines kleinen Kindes kennengelernt hatte.

Paweł Ferdek
Drehbuchautor
„Ki ist eine Person, die am Stereotyp der typisch polnischen Mutter, der Matka Polka kratzt. Diese polnische Mutter ist eine fast mythische Gestalt, die aber im modernen Polen immer seltener wird. Das ist eine Mutter, die ihr ganzes Leben den Kindern opfert. Und Ki geht in eine völlig andere Richtung, sie will sich selbst verwirklichen, und das Kind läuft so nebenher.“

Leszek Dawid
„Viele Filme, die jetzt bei uns in Polen produziert werden, handeln von Themen, die unser jetziges Leben betreffen. Wir sprechen über uns und unsere Zeitgenossen und diese Themen sind universell, man sieht sie im europäischen Kontext. Es ist längst nicht mehr so, dass Polen ein geschlossenes Land ist und wir zeigen, wie die Leute dort unterdrückt werden. Wir müssen jetzt über andere Themen sprechen. Und auch mit einer anderen Kraft, so dass man uns im Ausland hören möchte.“

Leszek Dawid
„Ki ist faszinierend und verführerisch, aber gleichzeitig macht sie mir Angst. Sie will Künstlerin sein, aber es nicht wirklich Kunst, was sie macht. Es ist einfach ihre Art zu sagen, was ihr wehtut. Nämlich dass sie ihr Muttersein so empfindet als würde sie in einem Käfig sitzen und ihr kleiner Sohn wäre der Wächter, der auf sie aufpasst. Ich glaube, dass man Ki überall treffen kann, es gibt viel mehr Kis als man denkt. Aber da wir das nicht wahr haben wollen, denken wir, sie ist nur eine extreme Filmfigur.“

Leszek Dawid
„Ich wollte keinen Film über jemanden machen, mit dem man Mitleid hat. Ich wollte Ki nicht als ein Opfer zeigen, zu dem man sich hinunter bückt, weint und sagt: die Arme. Sie ist ganz weit weg davon, sie hat einfach ein anderes Mutterkonzept und möchte nicht darauf verzichten, sich selbst zu verwirklichen.“

Für ihre Darstellung der Ki bekam Roma Gasiorowska in Cottbus den Preis als herausragende Schauspielerin.

Autorinnen Magdalena Zięba-Schwind, Antonia Schmidt

Dieser Text gibt den Sachstand vom 13.11.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kowalskitrifftschmidt/archiv/kowalski_trifft_schmidt54/rabenmutter_a_la_polonaise.html

Fenster schließen!