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Polen und Deutsche erinnern in ihren Gedenkstätten durchaus unterschiedlich an die Schrecken der nationalsozialistischen Zeit. Jung-Historiker aus beiden Ländern haben sich in der Gedenkstätte Buchenwald getroffen, um diese Unterschiede herauszuarbeiten und nach Konzepten für die Zukunft zu suchen.
Wie muss es gewesen sein, hier eingeliefert zu werden? Alleine aus Breslau wurden nach der Pogromnacht vom 9. November über 2000 jüdische Männer nach Buchenwald verschleppt.
Wie erinnert man an die Qualen, die Angst – an den Tod?
Studenten aus Polen und Deutschland sind gekommen, eine Antwort zu finden.
Ramona Räu
Initiatorin des Studentenaustauschs
"Was Ihr hier seht, sind vor allem die Reste der Schuhe, das sind so Absatzreste. Hier, das seht Ihr so die Nägel, das hier sind die Sohlen… Davon haben wir Unmengen, die wir finden können. Was würdet Ihr damit machen?... Muss das alles in die Sammlung? Muss das alles aufgehoben werden?... Aber das sind ja alles Originale, irgendwas müssen wir ja damit machen… Ich bin sicher: wenn wir hier eine Museums-Vitrine hätten, dann würdet Ihr alle davor stehen und sagen „Ohhhhh! Gut, dass es da ist!“
Wie stellt man die grausigen Überreste so aus, dass sie von deutschen wie polnischen Besuchern verstanden werden?
Die nächste Generation von Historikern wird neue Konzeptionen für das Erinnern finden müssen.
Ramona Räu
Initiatorin des Studentenaustauschs
"Wir wollten, dass sie darüber nachdenken welche Rolle Gedenkstätten heute spielen. In Deutschland, in Polen, wie sie selbst damit umgehen, … Das sollte im Austausch deutsch-polnisch stattfinden. Wie nehmen die Deutschen die Polen wahr, die Enkel oder Urenkel der Opfer nationalsozialistischer Verbrechen und Massenverbrechen waren und wie reagieren die Polen auf die Deutschen? Und was lernen die Polen, wenn sie in Deutschland in einem KZ sind? Weil, meistens kennen Sie Auschwitz – aber sie wissen gar nicht, dass es das auch in Deutschland gab."
Zwei Kilometer weiter, in Erfurt, ist die Gedenkstätte der Firma „Topf und Söhne“. Ihre Ingenieure hatten die Technik des Massenmordes entwickelt und gebaut: Die Gaskammer-Technologie, die Öfen.
In Buchenwald sind diese Öfen im so genannten „Krematorium“ immer noch erhalten.
Was empfinden die Besucher?
Die Deutschen Scham, die Polen Trauer?
…die Geschichte ist eigentlich gemeinsam aber es geht darum, dass die Daten nicht so ähnlich sind, also für uns sind andere Daten wichtig und für Euch andere, also der Tag der Befreiung, für euch ist es der 8. Mai, für uns ist es der 9. Mai…
Noch fällt ihnen die Diskussion nicht leicht. Die historischen Fakten sind weitgehend bekannt, was fehlt, ist ein gemeinsamer emotionaler Zugang von Deutschen und Polen zur Geschichte.
Latoia
Politologiestudentin
"Für mich neu war, dass man in Polen eher so eine Art Heldengedenken hat, also es werden einzelne Personen herausgestellt, es wird viel mit Kerzen gedacht, bei uns ist es eher mit Blumen und Kränzen und bei uns wird eher Opfergruppen gedacht. Und in Polen geschieht es mit einzelnen Helden und Persönlichkeiten."
Magda
Geschichtsstudentin
"Bei uns wird immer gesagt, die Polen waren die Nation der Märtyrer. Heute wissen wir aber, dass auch Menschen aus vielen anderen Nationen gelitten haben. Ich habe bei diesem Treffen gemerkt, dass die Deutschen auch der Meinung sind, sie seien Opfer gewesen. Wir denken nicht, dass die Deutschen Opfer waren. Obwohl es Leid natürlich auf beiden Seiten gab…"
Paulina
Geschichtsstudentin
"Wir können heute nicht mehr alle Deutschen über einen Kamm scheren – so wie früher. Ich denke, solche Gedenkstätten sollen zum Nachdenken bewegen, zur Reflektion über das, was passiert ist… So ein Nachdenken… Man soll sich viele Fragen stellen und nicht unbedingt Antworten darauf finden… Sich eher innerlich mit dem Thema auseinandersetzen… "
Autor Wolfgang Kübel
© Rundfunk Berlin-Brandenburg