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1961, mitten im Kalten Krieg als vertrauensbildende Maßnahme entstanden, als Entspannungsfaktor gewirkt und die Wendezeit begleitet: Das ARD-Studio in Warschau ist eine deutsch-polnische Erfolgsgeschichte.
Das ARD-Studio Warschau feiert sein großes Jubiläum: Über 200 Gäste, darunter Staatssekretär Wladislaw Bartoszewski und die Intendantinnen vom WDR, Monika Piel und vom rbb, Dagmar Reim, sind gekommen, um 50 Jahre Hörfunk- und 40 Jahre Fernsehstudio in Polen zu feiern.
Die deutsch-polnischen Beziehungen – sie sind so gut wie noch nie.
Das war 1961, als mit Ludwig Zimmerer der erste Hörfunk Korrespondent für die ARD aus dem kommunistischen Polen berichtete, alles andere als selbstverständlich. Willy Brandts Kniefall 1970 vor dem Denkmal des Warschauer Ghettoaufstandes war ein Wendepunkt für beide Länder. Eine Geste der Demut – die bei vielen Polen auf Anerkennung stieß.
Drei Jahre später berichtet Fernsehkorrespondent Klaus Bednarz erstmals über das Urlaubsland Polen.
Auch diese Bilder zeigt die ARD. Stundenlang berichtet sie über den Besuch von Papst Johannes Paul II in seinem Heimatland. Er wird zum Nationalheld und zum Symbol des polnischen Widerstands.
Unterstützt auch die unabhängige Gewerkschaft Solidarnosc. Die 1980 offiziell entstand:
"Was vor 6 Wochen auf der Lenin Werft als gesetzwidriger Ausstand auf der Leninwerft begann….beantragen die Aufnahme ins Vereinsregister...."
Die bekommen sie. Diese Bilder von Lech Walesa mit dem Riesenkuli geht um die Welt. Es gelingt dem Solidarnosc-Vorsitzenden der Regierung das Recht auf Streiks und auf Bildung unabhängiger Gewerkschaften ab zu trotzen.
ARD-Korrespondent Peter Gatter interviewt Walesa später:
Haben sie Ärger mit den Behörden?
Da gab es Repressalien, aber die sind jetzt immer seltener vor allem hier in Danzig.
1981 herrscht Aufregung: Polen verhängt den Kriegszustand. Peter Gatter wurde ausgewiesen, von seinem Nachfolger Claus Richter gibt es eine Woche lang keine Informationen. Das erste Lebenszeichen, ein Brief, wird in Deutschland im Studio verlesen:
"Die Solidarnosc wir verboten, lebt aber in der Kirche und im Untergrund weiter bis sie schließlich 1988 zusammen mit der Regierung am Runden Tisch sitzt. In Folge der Gespräche kommt es zu Wahlen – und zur Wende: Tadeusz Mazowiecki wird der erste nicht-kommunistische Ministerpräsident Polens.
1990, wieder Applaus, diesmal für Walesa der Präsident wird. In der Polenberichterstattung der 90er ist Platz für Alltägliches. Dank des Cutters im Studio lernen die deutschen Fernsehzuschauer, wie man einen Fiat Polski erfolgreich startet. Und Korrespondent Cornelius Bormann – testet Wasser im Auftrag des ARD Morgenmagazins
Na zdrowie
Das Studio geht mit einer eigene Magazinsendung aus Warschau auf Sendung. Den Warschauer Notizen.
Einen politischen Höhepunkt feiern die Polen 2004: Ihr Land wird in die EU aufgenommen. Doch der Einstand ist nicht nur schön: mit den Kaczynski Zwillingen kommen wenig später zwei Europa-Skeptiker an die Macht, die deutsch-polnischen Beziehungen verschlechtern sich.
Bis Donald Tusk 2007 das Amt des Ministerpräsidenten übernimmt. Der liberal-konservative Politiker belebt die deutsch-polnische Freundschaft.
2010 erschüttert eine Tragödie das Land. In Smolensk, nahe Katyn verunglückt die Präsidentenmaschine mit Lech Kaczynski, seiner Frau und hochrangigen Politikern sowie Militärs an Bord. Das Studio ist nahezu rund um die Uhr im Einsatz.
Morgen reisen Staatsgäste aus aller Welt nach Krakau, ….Lech Kaczynski und Maria Kaczynska werden auf dem Wawel beerdigt werden.
In diesem Jahr übernimmt Polen erstmals den EU Ratsvorsitz. Ministerpräsident Tusk feiert seine Wiederwahl – und das Land fiebert der Fussball-Europameisterschaft 2012 entgegen, bei der die ARD wieder viel berichten wird. Auch um neugierig zu machen, auf das Nachbarland Polen.
Autorin Nicole Husmann rbb
© Rundfunk Berlin-Brandenburg