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Kowalski & Schmidt
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So 27.11.11 19:00

Mirosław Bałka in Berlin

"Ich bin ein polnischer Künstler, aber ich male ohne rot-weiße Handschuhe" – Mirosław Bałka in der Akademie der Künste.

Mirosław Bałkas Kunst hat Konjunktur: Die Werke des 53-jährigen Bildhauers und Videokünstlers werden in London, New York, Oslo, Dublin oder Berlin ausgestellt. – Er lebt und arbeitet in Otwock und in Warschau. Seine Arbeiten irritieren, verstören. Und die Kunstwelt debattiert: ist das nun polnische – oder einfach nur gute Kunst?

Mirosław Bałka
Künstler - Bildhauer
"Ich bin ein polnischer Künstler, aber ich arbeite nicht mit rot-weißen Handschuhen. Dass ich ein polnischer Bürger bin, ist ja schön und gut, aber das hat mit meiner künstlerischen Strategie nichts zu tun. Für die Kunst zählt das Talent,, obwohl das wenig bescheiden klingt. Aber, so denke ich, damit beginnt überhaupt erst das Künstlerdasein!"

Zeichen als Codewörter von Körper, Vergänglichkeit, Holocaust, wie bildet sich das Erinnern im Kopf eines Menschen? Immer in der eigenen Biografie, sagt Balka, auch in seiner eigenen. Und der Holocaust, sagt Balka, ist immer Teil der Biografie eines Polen seiner Generation.

Mirosław Bałka
Künstler – Bildhauer
"Das Thema Holocaust aufzugreifen ist überhaupt nicht möglich. Man kann das Thema der Spuren des Holocausts aufgreifen, das was bleibt und das was sich verwischt. Das ist eine Art Pilgerfahrt, die habe ich mir vorgenommen, seit ich bewusst auf die Zeit des Holocaust schaue, auf das, was passiert ist.
Für den Breslauer Kulturkongress in diesem Sommer sollte Bałka eine Themeninstallation machen. Im Pavillion des deutschen Architekten Max Berg errichtete er die Installation "Wege zur Behandlung von Schmerzen”.

Agata Siwiak
Kuratorin
"Mirosław Bałka bewegt mich, weil er sich immer wieder auf eine historische Wirklichkeit bezieht. Sehen Sie, Breslau ist eine erfolgreiche Stadt, aber auch eine Stadt mit dunklen Flecken in der Geschichte. Die sind unbequem, obwohl sie schamhaft bereinigt wurden. Breslau ist die Europäische Kulturhauptstadt 2016, eine Stadt der Begegnungen. Und intuitiv habe ich gespürt, dass dieser Künstler sich mit dieser Erinnerung auseinandersetzen will, weil er ein Gespür für sie hat!

Schwarzes Wasser sprudelt aus Balkas „Brunnen der Erinnerung“! Die Breslauer Installation ist eine Reflexion über die Geschichte der Stadt, seiner Einwohner, über die erlebten Traumata. Und sie erzählt von Schmerzmitteln, die betäuben, nicht therapieren.

Der berühmte Breslauer Pavillon der Vier Kuppeln verfällt – und gleich daneben wird ein bunter Springbrunnen für Erholung suchende Spaziergänger gebaut!

Mirosław Bałka
Künstler – Bildhauer
"Der Springbrunnen in der Nähe der alten, zerstörten, schönen Architektur ist eine große Wunde. Deswegen habe ich mich der Wasserthematik angenommen, wollte eine Art Anti-Springbrunnen schaffen und das Wassermotiv aufgreifen. Er ist schwarz, unangenehm, der Wasserkreislauf verweist auf die Schönheit dieses Raumes und auch auf seine Zerstörung. Das heißt, ich weise auf eine Wunde hin, (nur ein Fragment), sagen wir mal, dieses Körpers hin, die nur unter Make-up versteckt ist. Doch der Rest des Körpers verfällt, altert vor sich hin.

Seinen internationalen Durchbruch hatte er 2009 mit der gigantischen Installation "How It Is" in der Londoner Modern Tate Gallerie. Durch sein ganzes Schaffen zieht sich das Motto: „Wir vergessen schnell und wir schieben gern die Schuld auf die anderen!“.

Mirosław Bałka
Künstler, Bildhauer
"Ich benutze oft deutsche Titel. Sie sind disziplinierter und philosophischer in ihrer Struktur, es gab ja mehr deutsche Philosophen als polnische. Sie sind auch konstruktiver, das ist kein Zufall. Das resultiert aus der Sprache, aus ihrer Konstruktion. Deswegen glaube ich, dass ein deutscher Titel besser passt. Er ist nicht so weich, ist komplexer, anspruchsvoller. Mir geht es nicht darum, die Menschen mit dem 2. Weltkrieg oder mit den Deutschen zu erschrecken."

Nicht erschrecken – aber auch keine Angst haben, die Seiten der Geschichte zu erzählen, die wir „die dunklen“ nennen – weil sie uns Scham und Furcht bereitet! Das, sagt Balka, muss auch die ganz junge Generation erfahren!

Autorin Kinga Wołoszyn-Świerk TVP

Dieser Text gibt den Sachstand vom 27.11.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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