Schauspieler in dem Stück "Sein oder nicht sein" (Quelle: rbb)

- 'Sein oder Nichtsein' an der Spree

Grzegorz Klemba lebt und arbeitet in Cottbus als Musiker und Lehrer. Er hat das sich verändernde Bild von "Polen" in der Lausitz seit der DDR immer wieder neu erspürt. Der Schauspieler Gunnar Golkowski kam erst nach der Wende aus Köln in die Stadt. Im Cottbuser Staatstheater spielen sie nun zwei Feinde in einer Story basierend auf dem Film von Ernst Lubitsch "Sein oder Nichtsein".

Souffleur: Aua!
Hamlet: Sein oder Nichtsein ... Das ist hier die Frage ...
Offizier: Entschuldigung!

Abend für Abend schleicht sich ein Zuschauer aus dem Parkett. Der Monolog ist lang genug, um Hamlet Hörner aufzusetzen!


Hinter der Buhne schlüpfen in ihre Rollen: Der Pole Grzegorz Klemba, als polnischer Musiker, der Deutsche Gunnar Golkowski als Professor Silewski: Verräter und überzeugter Nazi!

Es ist die Bühnenfassung von Ernst Lubitschs legendärem Film von 1942: "Sein oder Nichtsein":

1939: Die Truppe des Polski Theaters probt gerade ein Anti-Nazi Stück…


Offizier: "Ach die Welt ist auf einmal so... woo!"


….und die echten Nazis kommen!
Polen ist ein besetztes Land, die Besatzungsmacht schließt das Theater. Die Schauspieler ersinnen eine List: Sie nutzen ihre Kostüme und verwandeln das Theater in ein falsches Gestapo-Hauptquartier. Und locken so einen Verräter an, der für die Deutschen spioniert.


Grzegorz Klemba
Musiker
"Das Stück basiert natürlich auf einem amerikanischen Spielfilm ... die haben vielleicht nicht im Detail gewusst, wie es bei der Nazi Okkupation in Warschau zuging, aber, was im Stück dargestellt wird, ist trotzdem ziemlich nahe an der Wirklichkeit!"


Auf der Bühne glaubt Professor Silewski, der Verräter, die Liste mit den Namen der polnischen Widerstandskämpfer bei der Gestapo abzugeben.


Darsteller: "Heil Hitler!"
Prof. Silewski: "Der Schlüssel zur gesamten polnischen Untergrundbewegung!"

Was Silewski nicht weiß: der Gestapo-Mann ist ein polnischer Widerstandskämpfer.


Falscher Nazi: "Zigarrette? Ach, Sie rauchen nicht. Machen Sie es sich bequem!"
Prof.Silewski: "Darf ich Ihnen sagen, Gruppenführer, wie gut es tut, endlich wieder
Gestapo – Luft zu atmen!"
Falscher Nazi: "Ach so?"


Gunnar Golkowski
Schauspieler
"Er ist einfach fasziniert von den Nazis und entscheidet sich einfach dafür, da mit zu machen, aber nicht in dem Bewusstsein, "ich bin jetzt böse", sondern "das muss jetzt sein, weil dieses System wird besser sein für die Welt, das ist für alle besser und es muss halt paar Opfer geben wie in jeder Revolution, wenn was Besseres heraus kommen soll".


Mit seinem Namen könnte Gunnar Golkowski polnische Vorfahren haben. Er ist gebürtiger Rheinländer. Vor acht Jahren kam er nach Cottbus, d.h., er war "ein Fremder" in Brandenburg.


Gunnar Golkowski
Schauspieler
"Ich habe schon gemerkt, dass man wiederum an mir wahrgenommen hat, ne, der kommt nicht von hier. Und ich kenne es aus Köln, alles so weltoffen und erstmal ... das war hier so ein bisschen einschüchternd, dass alle so ein bisschen gucken und wenn man jemanden angesprochen hat, wat will er denn? Achso. Und dann ... konnte das sehr offen werden. Das dauerte aber ein bisschen."

Für seine nächste Rolle muss er russisch lernen.

Vadim Feldman, der Lehrer, kennt das Gefühl, in Cottbus ein Fremder zu sein.

Vadim Feldman und Gunnar Golkowski
....


Vadim Feldmann
Lehrer
....


Einer dieser Cottbusser Polen ist Grzegorz Klemba. Er hatte sich kurz vor der Wende in eine Cottbusserin verliebt, seit 20 Jahren unterrichtet er Akkordeon am Konservatorium hier.


Für das Stück "Sein oder Nichtsein" hat er Warschauer Untergrund-Musik aus den 40er Jahren bearbeitet: die Klänge der besetzten polnischen Hauptstadt.


"Und ... Ne, das geht noch nicht so richtig ... Wir machen noch mal den Abschnitt, ja?"


Auf der Bühne – wie im Film – wird Verräter Silewski entlarvt und bestraft.


Prof. Silewski: "Ich sterbe für den Führer!"
Falscher Hitler: "Dieser Mann ist für mich gestorben!"


Gunnar Golkowski
Schauspieler
"Das hat mich ein bisschen überrascht, dass das anscheinend echt no so ein Thema ist. Wenn ein paar Hitler-Flaggen auf der Bühne sind, "dürfen wir jetzt einfach lachen?" und wenn die dann irgendwann für sich gefunden haben, ja, wir dürfen lachen, das ist völlig in Ordnung, dann ist das so befreit, das Lachen. Es ist ganz schön."


Eine jüdische Lebensweisheit sagt: es gibt keine schlechten Witze. Nur schlecht erzählt dürfen sie nicht sein. Dieser, von 1942, wurde gut erzählt in Cottbus.

Autorin Milena Hadatty

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