Ikenna Amaechi als Whitney Housten Double (Quelle: rbb)

- So schön kann doch kein Mann sein …

Ikenna Amaechi kam mit 13 aus dem Bürgerkriegschaos Nigerias nach Deutschland. Mutter Veronika hat es viel Mühe gekostet, ihren Sohn ins Berlin der 80er Jahre zu integrieren. Rassistische Sprüche und Übergriffe waren nicht selten. Doch Ikenna entdeckte seine große Leidenschaft und "sang" sich als Whitney Housten Double durch. Nach 20 Jahren und weltweit gefeierten Auftritten kehrt er als Star der neuen Show im Wintergarten zu seinen Berliner Wurzeln zurück.

Nein, es ist nicht Playback. Ikenna Amaechi singt wie immer live. Überhaupt ist vieles nicht so wie scheint ...


Ikenna
"Thank you … Mein Name ist Ikenna und ich bin ein echter Berliner!"


Es war nicht immer lustig. Im West-Berlin der 90er Jahre haben sie einen Mann wie ihn, mit einer Show, wie nur er sie konnte, nicht sofort akzeptiert.


Ikenna Amaechi
Künstler
"Für Berlin war meine Show zu perfektionistisch und zu sauber. Also hätte ich noch auf der Bühne, ich weiß nicht, ein halbes Kilo Mehl durch die Gegend geworfen, wäre ausgerutscht, dann wäre das witziger geworden … Ja, und dann bin ich einfach aus Berlin raus … Und hab gekuckt, bin nach New York direkt …"


In New York, und dann in Las Vegas, Bangkok, Hongkong – also jenseits von Schöneberg – füllt Ikenna die Säle: mit seiner Verwandlungskunst, seiner Singstimme, "seiner" Whitney Houston!


In Berlin hatte er noch die Grundschule besucht – dann wurde es Mutter Veronika hier zu eng und - zu kalt. Sie zog mit ihren beiden Söhnen nach Nigeria, zur Familie ihres Mannes. Die Großfamilie nahm sie sofort auf. Doch dann zwang der Bürgerkrieg sie zu einer abenteuerlichen Flucht – und zurück in Berlin brauchten ihre beiden Jungs den deutschen Pass!


Veronika Amaechi
Mutter
"Sie waren noch nigerianische Staatsbürger, mussten eingedeutscht werden, das hat drei Jahre gedauert, drei Jahre, ’nen Haufen Geld gekostet und, ja der ganze Behördenkram und immer wieder diese Frage: "Wieso haben sie die überhaupt mitgebracht?" Das sind meine Kinder … hallo!!"


Ikenna Amaechi
Künstler
"Als wir aus Afrika kamen, wir haben ja noch den Umweg über Ghana gehabt, wo ich was vom Bürgerkrieg und die Absetzung des ganzen Staates miterlebt habe. Hab gesehen, wie Leute erschossen wurden, verbrannt wurden etc. … komm also zurück nach Berlin in die Schule und es war ein bischen schwierig jetzt so in den Schulalltag zurückzukommen. Die Mädels in der Schule, die haben sich darüber aufgeregt, dass sie mir den Radiergummi in Form einer Erdbeere, roch nach Erdbeere, konnte sie mir nicht ausleihen, weil der sonst dann nicht mehr perfekt ist! ... wollte nur nen Radiergummi ausborgen ... mein Gott haben die Kinder Probleme hier."

Und der höfliche kleine Junge bekommt zu spüren, dass er in Berlin nicht willkommen ist.


Ikenna Amaechi
Künstler
"Ein alter Mann ging an mir vorbei hat was verloren. Ich hab's aufgehoben und renn hinter ihm her, hab ihn angetippt und ihm das gegeben .. er erschreckt erst mal .. bedankt sich erstmal bei mir sagt dann: Du weißt aber schon, wären wir ein paar Jahrzehnte zurück, hätte man Deine Mutter mit Sicherheit vergast, daß sie so was wie dich auf die Welt bringt! Und so 'ne Geschichten haben sich allerdings sehr oft wiederholt in verschiedenen Situationen."

Heute ist die Verkleidung als Frau sein Schutz: Ikenna möchte in den Medien unerkannt bleiben als die Person, die er ist. Im Wintergarten ist er derzeit der Star des Abends mit seinem Auftritt als Whitney Houston.


Ikenna Amaechi
Künstler
"So … dieses Kleid ist eins, was immer geht. Hautfarben und besetzt mit Kristallsteinen von dieser berühmten Firma, die ich jetzt nicht nenne. Ich war in Bangkok hab 'nen tollen Job in Hongkong gehabt, alter chinesischer Adel und da ich wusste, da muss ich mit dem Besten ankommen ..  bin also von Bangkok nach Berlin geflogen, weil dieses Kleid leider in Berlin war zu der Zeit, nur um das zu holen um 5 Stunden später im Flieger, 32 Stunden nach Hongkong, um diesen Auftritt zu machen"


Nach dem Tod von Whitney Houston will alle Welt ihn buchen – doch Ikenna verstummt für drei Monate.


Ikenna Amaechi
Künstler
"Whitney Housten war so mein Idealbild von einer Frau. Ich meine alle Jungs die ich kannte, wollten ne Freundin, die aussieht wie Whitney Housten. Sie war mein Bild von der perfekten Frau. Und was ich mache, ist eigentlich eine Hommage an die Frau an sich. Also in Englisch würde man sagen: I am channeling Whitney Housten. Diese Art der Person, jeder hat ja so 'ne bestimmte Bodylanguage und die ist für mich eher zu begreifen, ohne dass ich sie nachmachen muss."


Und wie er mit der Baritonstimme Whitney's hohes C packt, weiß Ikenna Amaechi selber nicht. Ein Stimmpädagoge hatte ihm den Rat gegeben: Bloß keinen Gesangsunterricht!

Autorin Sabine Hechinger

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