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Möbel, Kosmetika, Yachten – Produkte aus Polen sind oft hochwertig und dabei konkurrenzlos günstig. Doch bei deutschen Konsumenten wecken sie immer noch Assoziationen wie Misswirtschaft oder billiger Schund. Um dies zu ändern, hat Polen jetzt die Imagekampagne "Made in Poland" gestartet und präsentiert sich dabei als moderner Wirtschaftsstandort.
David Yilmaz auf dem Weg zu seinen Kunden. In der Türkei geboren, mit einer Polin verheiratet, leistet er so etwas wie interkulturelle Arbeit: er bringt die Deutschen auf den Geschmack: von polnischen Säften.
David Yilmaz
"Tymbark hatte ich 1991 das erste Mal getrunken und seitdem trinke ich das sehr gern, ganz besonders Apfel-Minze, mein Favorit. Mit dem Vertrieb in Deutschland haben wir 2011 angefangen, mit ersten Schwierigkeiten natürlich, dass alles auf Polnisch war und da mussten wir deutsche Etiketten drucken, und in deutscher Sprache etikketieren, damit wir das überhaupt verkaufen durften. Und so fings dann an. Mit 5 bis 10 Paletten haben wir damals angefangen und dann wurde es immer mehr."
Mit Katalogen, Gratisproben und viel Überzeungskraft konnte David Yilmaz inzwischen viele Berliner Händler für seinen Lieblingssaft gewinnen. Doch zunächst erwies sich vor allem die Herkunft der kleinen bunten Flaschen als Problem.
David Yilmaz
Als Name ist "Tymbark" sehr positiv, weil es so international klingt, so englisch, amerikanisch - jedenfalls nicht typisch polnisch. Die Menschen waren interessiert, aber dann als ich erklärte, dass es ein polnisches Produkt ist, mit einem Etikett "hergestellt in Polen", da reagierten sie schon reserviert.
Die Vorbehalte gegenüber Produkten aus Polen sind längst überholt - findet das polnische Wirtschaftsminsterium. Im September hat es die Kamapagne "Made in Poland" gestartet. Mit Veranstaltungen in Deutschland, Tschechien, China will man alte Vorurteile widerlegen.
Jacek Robak
Botschaftsrat, Polnische Botschaft in Berlin
"Sehr sehr viele polniche Firmen produzieren sehr gute Qualität zu konkurrenzfühigen Preisen und beliefern damit die Weltmärkte. Leider ist das Image von der polnischen Wirtschaft und polnischen Produkten bis jetzt nicht da beste."
Produkte aus Deutschland haben kein Imageproblem. "Made in Germany" steht für Innovation und Wertarbeit. Ironie der Geschichte: die Herkunftsbezeichnung haben vor gut 100 Jahren die Briten eingeführt, um die billige Ramschware aus Deutchland zu kennzeichnen. Und letzten Endes den Deutschen damit einen Gefallen getan.
Und die Polen? Produzieren längst Qualität. Z.B: die Kosmetikfirma "Dr. Irena Eris". Erhielt internationale Preise. Doch als die Cremes vor neun Jahren in Großbritannien auf den Markt kamen: wurden sie zum Ladenhüter. Für den Preis von westlichen Kosmetika wollten die Britinnen sie nicht haben.
Vor 10 Jahren hat der Mineralöl-Konzern Orlen in Deutschland seine erste Tankstelle eröffnet. Doch die polnische Premiummarke konnte sich auf dem deutschen Markt nicht durchsetzen. Inzwischen wird der Sprit unter "Star" mit Erfolg vertrieben.
Viele polische Marken haben inzwischen die westlichen Märkte erobert – Sie heißen reserved, apart oder eben star und nicht selten verbirgt sich hinter "Made in EU" ihre genaue Herkunft.
Daniel Kast berät polnische Unternehmen, - er kennt das kleine Probleme mit den Zischlauten.
Daniel Kast
Wirtschaftsexperte
Namen mit "cz", "czyk" oder so was, die sind für andere schwer auszusprechen. Und ob man damit erfolgreich wäre? Das ist so was, das wirft einen zurück, nach dem Motto, das klingt schon so nach Ostblock, das muss erst raus aus den Köpfen und ich glaube ein 25 Jähriger der sieht es ganz anders.
Das hat auch der Hersteller der Biermarke Tyskie erkannt! Ein Getränk aus dem Land von Lewandowski und Błaszczykowski muss ein Majstersztyk sein!
Bootsmesse in Berlin. Die Namen klingen international – doch viele der hier präentierten Yachten und Motorboote wurden in Polen hergestellt. Kenner haben damit kein Problem.
Rainer Kremkow
Inter-Yacht-Ost
"Es wird immer mehr gelobt, dass die handwerkliche Qualität über die Maßen gut ist".
Besucher
"Polnische Yachten sind hier sehr beliebt, sind halt preisgüntig. Vielleicht kommt man mal ins Geschäft, stößt sein altes Schiff ab, kauft sich was Neues. So nach dem Motto: Wir verjubeln das Erbe unserer Kinder.
In Polen mag man nicht warten, bis das Vorurteil über die "polnische Wirtschaft" aus dem letzten Konsumentenkopf verschwunden ist. Deshalb sollen jetzt die Werbemänner und –frauen das Image auf den internationalen Märkten entstauben.
Daniel Kast
Wirtsachaftsexperte
"Das ist das Schöne an der Kampagne: "Made in Poland" zielt darauf ab, zu sagen, ist ein Güteversprechen wie Made in Germany und deshalb könnte ich mir vorstellen, dass die Kampagne erfolreich ist und das Versprechen wollen die damit in den Markt tragen. Und natürlich müssen nach so einer Kampagne die Artikel nachfolgen, die auch sichtbarer werden.
Autorin Katharina Zabrzynski





