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Vor drei Jahren kamen sie aus Rumänien nach Breslau und haben am Stadtrand eine "wilde" Siedlung aufgebaut. Einige Dutzend Familien leben hier, ohne Strom, ohne Wasser, unter menschenunwürdigen Bedingungen. Jetzt will die Stadtverwaltung sie loswerden, aber sie kämpfen um ihr Bleiberecht als EU-Bürger, denn in ihrem Heimatland sehen sie keine Zukunft für sich und ihre Kinder.
Vor drei Jahren haben sich die 60 Roma-Familien am Rande von Breslau eine provisorische "Wohnsiedlung" gebaut. Für sie ist hier das bessere Leben.
Maria
"In Rumänien gibt es keine Arbeit, nur Armut. Hier in Polen fühle ich mich wohl. Die Menschen sind gut zu uns. Und in Rumänien: Armut ...."
Marina
"Die Männer sammeln Altmetall - den ganzen Tag lang. Sie verdienen damit 40, 50 zloty. Für das Geld kaufe ich Essen für die Kinder oder Wasser, wenn es mal wieder knapp ist – auch für die Kinder. Kuchen gibt es bei uns nicht, dafür reicht das Geld nicht. Wir kaufen nur das Billigste."
Irina
"Es gibt wirklich keine Arbeit. Wir betteln: gib, gib uns, bitte, ein Brötchen, etwas zu Essen. Heilige Mutter Gottes gib uns. Wir sammeln auch Dosen aus Containern und verkaufen sie an Schrotthändler."
Und manchmal kommt ein Nachbar vorbei und hilft.
Bewohner Breslaus
"Ich habe Holz für euch! Ich hab meinen alten Apfelbaum gefällt. Kommt gleich mit und holt es euch."
Auta
"Wenn ich das alles in Rumänien gehabt hätte, dann hätte ich das Land nie verlassen, dann wäre ich nicht nach Polen gekommen. Hier ist alles besser als in Rumänien!"
Marina
"Wir haben kein fließendes Wasser, das ist ein Problem. Freitags kommt ein Lastwagen und bringt uns Wasser. Dann können wir und die Kinder baden, die Wäsche machen. Es darf nicht sein, dass die Kinder schmutzig in die Schule oder auf die Straße gehen!"
Freiwillige Unterstützer vom Verein "Nomada" helfen wo sie können: wie funktioniert der Alltag in Polen, welche Rechte haben sie hier, wie kriegt man medizinische Versorgung.
Maciej Mandelt
Verein "Nomada"
"Sehen Sie, das Problem ist, dass keiner sie gefragt hat, was sie wollen, und was sie brauchen und wie man ihnen helfen kann. Man müsste ein Team von Fachleuten bilden und die müssten sie fragen, was sie brauchen und dann könnte man gezielt nach Lösungen suchen."
Agata Ferenc
Verein "Nomada"
"Wir unterstützen sie zur Zeit bei einer Gerichtsverhandlung: wir passen auf, dass ihre Rechte gewahrt werden, dass sie sich selber äußern können und zwar in der Sprache, die sie verstehen."
Auf dem Gerichtsweg versucht die Breslauer Stadtverwaltung die Zwangsräumung der Roma-Siedlung zu erstreiten. Die Stadt hat ihnen Container-Notunterkünfte für Wohnungslose angeboten. Doch dann würden die Familien auseinander gerissen. Sie möchten zusammen und auf dem Gelände der Stadt bleiben.
Aleksandra Kędziora
Richterin
"Verhandelt wird die Herausgabe einer Immobilie, die von den Beklagten ohne rechtliche Grundlage besetzt gehalten wird. Das verneinen die Beklagten auch nicht. Das Gericht erkennt nicht die subjektive Meinung der Beklagten an, wonach die Zwangsräumung den Charakter von Diskriminierung habe, nur weil sie einer bestimmten ethnischen Minderheit angehören. Für das Gericht reicht diese Tatsache als Voraussetzung nicht aus, um einen Verstoß gegen die Wahrung der Gleichheit, um Diskriminierung, festzustellen."
Aber ihre Anwälte und Unterstützer geben nicht auf. Die Familien wollen auf jeden Fall in Breslau und zusammen bleiben. Zwei mal die Woche kommen zwei Lehrerinnen vom Verein "Nomada" zu ihnen und bringen den 30 Kindern Lesen und Schreiben bei.
Auta
"Natürlich will ich, dass unsere Kinder irgendwann eine Arbeit haben und nicht betteln müssen. Ich will, dass sie wie die anderen Leute leben und nicht so wie wir, in die Stadt gehen und Betteln."
Besnik
"Wir gehen hier nicht weg, wo sollen wir denn hin? Schauen Sie mal, wir bauen gerade eine neue Baracke für das Holz. Wohin sollten wir denn gehen? Und wenn wir wirklich von hier weg müssen dann suchen wir uns halt einen anderen Platz."
Sie sind EU-Bürger. Breslau ist attraktiv. Hier wollen sie sich einrichten, irgendwie.
Autorin Kinga Wołszyn-Świerk, TVP






