Menschen in Warschau gehen auf die Straße und zeigen so Solidarität mit der Ukraine (Quelle: imago)

- Solidarität mit der Ukraine

Nach dem brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte und dem blutigen Massaker auf dem Maidan in Kiew kam es in Polen zu einer Welle der Proteste. Die Hilfsbereitschaft für die Menschen in der Ukraine dauert an, sowohl die polnischen Behörden wie die zahlreichen NGO´s wollen dem Land jetzt beim schwierigen Neuanfang helfen.

Es ist erst gut eine Woche her, dass hier die Schüsse fielen. Die Trauer um die Toten vom Maidan wird in Kiew noch lange nicht vergehen. Viele junge Leute sind ins Nachbarland gegangen – dort fühlen sie sich sicherer.

Viktoria Boyko ist eine von ihnen: die Doktorantin der Politwissenschaften ist nach Warschau gefahren, weil sie ihre berufliche Zukunft in Polen und Westeuropa sieht.

Sie  hilft jetzt als Freiwillige im Informationszentrum für  ukrainische Immigranten. Viele  wollen jetzt ihr Visum verlängern und nicht zurück in die Ukraine und die polnische Regierung hat die schnelle Visa-Erteilung möglich gemacht.

Viktoria Boyko
"Die Tage auf dem Majdan sind das Erlebnis des Lebens. Nicht nur im Leben meines Staates, sondern auch in meinem persönlichen Dasein öffnen sich jetzt ganz neue Perspektiven. Alle, die daran beteiligt waren, sind jetzt davon geprägt! Auf durchaus unterschiedliche Weise."

Eins ist sicher: etwas Neues hat in der Ukraine begonnen und wir haben dazu selber beigetragen. Jeder nach seinen Möglichkeiten, und dessen sind wir uns genau bewusst.

Viele Polen haben sie unterstützt, Gelder gesammelt, Hilfen organisiert.

"Kiew - Warszawa: wspólna sprawa" – rufen sie, das heißt: wir kämpfen für die gemeinsame Sache, für ein demokratisches Europa.

Piotr Tyma
Vorsitzende der Vereinigung der Ukrainer in Polen
"Die Ereignisse in Kiev sind nicht nur die Sache der ukrainischen Gesellschaft. Es ist ein Beispiel des Kampfes um demokratische Standards und um die Souveränität eines großen europäischen Volkes."

Anbindung an die Europäische Union – oder Spaltung? Die politische Zukunft des Landes ist ungewiss. Einig sind sie sich: Die freigelassene Julia Tymoschenko hat hier keine Anhänger.

Die polnische Stiftung "Otwarty Dialog" hat die Kundgebung mitorganisiert. Ihre Vorsitzende wirbt dafür, die neuen jungen Politiker jetzt mit Vertrauen zu stärken.

Lyudymila Kozlovskaja
Stiftung "Otwarty Dialog"
"Das Blut auf dem Majdan ist noch nicht trocken und schon hören wir von vielen Politikern der Europäischen Union, dass Julia Tymoschenko für die Zukunft der Ukraine verantwortlich sein soll. Wir möchten aber, dass wir, Ukrainer, über unsere Zukunft entscheiden. Wir sind Europa für die Unterstützung sehr dankbar, aber wir glauben,  die Zeit ist gekommen: für die jungen Menschen.  Sie haben zwar wenig Erfahrung, aber sie haben etwas bewiesen! Sie sollen die Chance bekommen, über ihren Staat mitzuentscheiden."

Präsident Bronisław Komorowski und seine Frau besuchen die Messe im Warschauer Dom. Als Solidarność Aktivist saß er in den 80ern im Gefängnis - er weiß welche Rolle die katholische Kirche für die Bürgerbewegung spielen kann.


Priester

"Wir bitten den lieben Gott darum, dass das ukrainische Volk alle Spannungen im Geiste der Liebe überwindet. Damit dieses Volk das ihm Zustehende erfährt: ein ruhiges, brüderliches, dauerhaftes Dasein – jeden Tag! - Amen."

Schweigeminute vor der ukrainischen Botschaft in Warschau. Innehalten in einer explosiven Situation. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Gebete erhört werden.

Autorin Małgorzata Bucka, rbb


weitere Themen der Sendung

Roma Siedlung in Breslau (Quelle: rbb)

Roma in Breslau

Vor drei Jahren kamen sie aus Rumänien nach Breslau und haben am Stadtrand eine "wilde" Siedlung aufgebaut. Einige Dutzend Familien leben hier, ohne Strom, ohne Wasser, unter menschenunwürdigen Bedingungen. Jetzt will die Stadtverwaltung sie loswerden, aber sie kämpfen um ihr Bleiberecht als EU-Bürger, denn in ihrem Heimatland sehen sie keine Zukunft für sich und ihre Kinder.

Eingangstor vom ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt (Quelle: rbb)

Verdi in Theresienstadt

Sie sind kaum vorstellbar: die Bedingungen, unter denen vor 70 Jahren im Konzentrationslager Theresienstadt ein Chor das Requiem von Verdi sang. Ein Akt von "Kulturwiderstand", wie einer der wenigen Überlebenden berichtet. In Berlin wird ein Gedenkkonzert am 4. März daran erinnern - und daran, dass nur wenige der Musiker dem Judenmord entkamen. Um sich darauf vorzubereiten, hat eine 24jährige Berliner Chorsängerin den Ort der Aufführung besucht.

Chinesisches Zeichen auf einer Karte (Quelle: rbb)

Chinesisch für Berliner Kinder

Viele deutsch-chinesische Eltern möchten, dass ihre Kinder zweisprachig aufwachsen: die Beherrschung beider Muttersprachen bringt größere Lernerfolge. Bislang mussten sie die Kinder in teuren Privatschulen unterrichten lassen - jetzt gibt es im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg eine Grundschule, die Deutsch und Mandarin lehrt. Kinder mit deutschem und mit chinesischem "Hintergrund" lernen gemeinsam und bilingual in der "Panda-Klasse".

Kogel-Mogel: Vornamen

Kinder der deutsch-polnischen Europa-Schule in Berlin erklären deutsche und polnische Begriffe für Anfänger, heute "Vornamen".