- Frauen an die Waffen

Die polnische Armee ist innerhalb der NATO Schlusslicht, was den Anteil von Frauen angeht.  Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak will das ändern. Sehr zum Verdruss der meisten Soldaten, die sich von weiblichen Offizieren nicht gerne kommandieren lassen. Wir besuchen Soldatinnen der 17. Großpolnischen Mechanisierten Brigade in Miedzyrzecz.

Frau 1
"Jeden Tag was Neues. Das gibt mir einen Adrenalinkick."

Frau 2
"Wenn meine Kameraden in der Patrouille gefährdet wären, würde ich auf den Feind schießen."

Frau 3
"Es ist mein Traumjob. Schon als Kind zogen Uniformen mich an. Ich war bei den Pionieren, bei der Feuerwehr. Und bin dann in die Armee gegangen!"

Die 17. Großpolnische Panzerbrigade probt den Ernstfall. Das Manöver ist Routine, es hat nichts mit den ukrainisch-russischen Spannungen zu tun. Dorota Kusiak ist die Kommandantin. Heute Nacht hat sie drei Stunden auf dem Feldbett geschlafen.

Dorota Kusiak
"Wir sind fest angestellt. Der Lohn kommt regelmäßig aufs Konto und es ist gutes Geld. Das motiviert sehr. Und wir kriegen eine renovierte Wohnung. Unsere Nachbarn sind unsere Kameraden. Und das ist auch gut, denn wir haben Vertrauen zueinander."

Sie sind  in Miedzyrzecz stationiert, 90 Kilometer hinter der deutsch-polnischen Grenze. 3500 Berufssoldaten, Dorota Kusiak ist eine von nur 90 Frauen. Sie ist seit 7 Jahren dabei. Dass sie ihr Gewehr genau so gut wie ein Mann zerlegen und wieder zusammen setzen kann - auch das musste sie erst beweisen.

Dorota Kusiak
Leutnant
"Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich erschöpft bin, in denen ich keine Kraft mehr habe. Aber ich spüre, dass meine Kameraden mich beobachten und reiße mich dann zusammen. Das gibt mir einen Kick und ich mache weiter."

Mann 1
"Das hat uns angenehm überrascht, dass sogar die Frauen es hinkriegen."

Mann 2
"Ich hab nichts gegen sie, wenn es sein muss."

Reporterin
"Was heißt das?"

Mann 2
"Wenn wir schon Gleichberechtigung haben, dann gehören auch sie in die Truppe!"

Mit unter drei Prozent Soldatinnen hat Polen die männlichste Armee im Nato-Bündnis. Das muss anders werden, sagt der polnische Verteidigungsminister. Er will die Zahl der Rekrutinnen verdoppeln. An Bewerberinnen fehlt es nicht – nur die Männer müssen noch ein bisschen mehr Gleichstellung exerzieren!

 

Rajmund T. Andrzejczak
General Großpolnische Motorisierte Brigade
"Es steckt in unseren Genen, dass der Kerl die Herde anführt und den Ton angibt. Schon im Sandkasten sieht man, dass die Jungs dominieren wollen. Mir fällt eine Situation ein, die wohl symbolisch ist. Vor einer Zeremonie fragte ich meinen Offizier, ob er einen guten Kommandanten für die Ehrenschwadron hätte. Er sagte ja, aber so, dass mir Zweifel kamen. Ich fragte nach und erfuhr, dass es eine Frau machen würde. Mein Offizier zeigte mir die kleine, zierliche Soldatin. Das war zu viel! Eine Frau mit Säbel! Das war unvorstellbar für mich, einen Panzersoldaten! Als ich dann aber zusammen mit unseren Kriegsveteranen gesehen habe, wie sie Kommandos gegeben hat, wie die Ehrensalve war, wie sie die Soldaten geführt hat, da waren wir total beeindruckt. Das hat mich überzeugt, dass sie auch mit solchen absolut symbolischen, männlichen Aufgaben super zurechtkommen. Und das heißt, dass wir ihnen auch bei dem, was wir „Killeraufgaben“ nennen – eine Chance geben müssen!"

Soldatinnen  sind  auch bei Auslandseinsätzen dabei. Sie melden sich freiwillig. Paulina Frynas war 2011 ein halbes Jahr in Afghanistan.  Jeden Tag sind sie auf Patrouille gefahren und wurden oft von Taliban beschossen.  


Paulina Frynas

Oberkorpolral
"Am schlimmsten war das erste Mal, da hatte ich große Angst. Aber die Angst braucht man, um wachsam zu sein. Es war natürlich gefährlich, aber ich habe mich daran gewöhnt, habe gelernt mit der Angst umzugehen. Es war gut."

Paulina ist Sanitäterin. In Afghanistan hat sie sich besonders um die Frauen gekümmert. Das durften ihre männlichen Kameraden aus religiösen Gründen nicht.

Paulina Frynas
Oberkorpolral
"Im Moment möchte ich aber nicht ins Ausland. Mein Sohn ist 16 Monate alt. Ich kann mir nicht vorstellen, ihn allein zu lassen."

Natürlich haben sie sich schon alle darüber Gedanken gemacht, wie es wäre, wenn einmal aus dem Manöver der Ernstfall würde. Schließlich ist es das, wofür Soldaten ausgebildet werden.

Dorota Kusiak
"Das gehört zum Soldatenjob. Aber ich würde versuchen, den Feind zu überwältigen. Und ihn nicht gleich zu verletzen oder zu töten."

Feierabend: auch Dorotas Freundinnen sind Berufssoldatinnen in der Panzerbrigade. Sie verstehen einander ohne viel Worte. Auch die Sorgen. Und die haben Soldatinnen wie Soldaten in diesen Tagen gleichermaßen: Gerade jetzt, da niemand weiß, wie die Krise um die Krim sich noch entwickeln wird.


Autorin Wioletta Weiß

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