- Plastikmüll zu Halsketten

Fadenspulen für den Kindertraktor, die alte Kaffeedose als Lampenschirm – die Fernsehsendung "Mach es selbst" war in den 60ern und 70ern Kult in Polen. Ein halbes Jahrhundert später kehrt die Idee zurück: Upcycling heißt der neue Trend und wird auch in Polen immer beliebter. Antrieb ist nicht mehr die Mangelwirtschaft, sondern ihr Gegenteil: der Überfluss.

Adam Słodowy
"Ein Traktor muss zwei kleine Räder vorne haben und zwei größere hinten. Woraus machen wir die Räder?"

Z. B. aus Schuhcreme-Dosen. In der Sendung "Mach es selbst" brachte Adam Słodowy im Polen der 60er und 70er Jahre Kleinen und Großen bei, wie man sich durch die Mangelwirtschaft bastelt. Die Sendung war Kult. Und hier kommen die Adam Słodowys von heute. Bartek Barosiński z.B., liebt Schrottplätze – und Lampen! Die macht der Warschauer Künstler aus Gegenständen, die niemand mehr haben will. Was unterscheidet den Recyling-Künstler vom einstigen Kultbastler?

Bartek Bartosiński
"Damals hat man solche Sachen gebaut, weil die Materialien knapp und die Geschäfte leer waren. Heute leben wir im Überfluss. Man kann sagen, die Philosophie ist heute eine komplett andere. Technisch wiederum, nutzen wir die gleichen Ideen wie schon Adam Slodowy."

Bartek Bartosiński
"Auf den Schrottplätzen fällt mir auf, dass immer neuere Geräte weg geworfen werden. Deshalb baue ich daraus Lampen, weil ich zeigen will,  dass die Sachen nicht auf diese Weise enden müssen. Dass man daraus etwas Kreatives machen kann. Und so funktioniert Upcycling."

Eine alte Küchenuhr, ein Türspion, einfache Plastikflaschen – kaum ein Müllprodukt ist vor seiner Kreativität sicher!

Bartek Bartosiński
"Diesen Korb habe ich in einem ehemaligen Militärlager gefunden. Er wurde in einer Krankenstation zur Aufbewahrung von Reagenzgläsern verwendet."

Das wird der Schirm einer Deckenlampe. Ich werde hier noch eine Fassung für die Glühbirne anbringen und ein Kabel.

" ..... So sieht es dann fertig aus."


Seine Kunstobjekte aus Schrott vermarktet und verkauft Bartek Bartosiński übers Internet. Der Käufer kann sicher sein, ein Unikat erworben zu haben. Die meisten Lampen gehen ins Ausland.

Weben, Stricken, Häkeln, was vor 50 Jahren in Polen noch aus purer Not praktiziert wurde, ist auch im Zeitalter von "H&M" wieder "hip".

In der Warschauer Werkstatt von Patrycja Smirnow und Karina Królak haben sich die Techniken nicht verändert, aber die Materialien! Aus alten Plastiktüten gehäkelte Handtaschen – das finden modebewusste Warschauerinnen inzwischen sehr schick.

 

Patrycja Smirnow
"Polen hat erst in den 90er Jahren die freie Marktwirtschaft eingeführt. Unsere Mütter, meine Oma machten alles von Hand, wir retteten Strumpfhosen, stopften die Laufmaschen. Aber dann hatten wir von all den Sachen, die von Hand gemacht waren, die Nase voll -  Frauen, und Männer. Alle wollten bunte Strumpfhosen haben, neue Schuhe und wollten mit den alten Sachen nichts mehr zu tun haben. Aber die letzten Jahre zeigen, das Recycling auch bei uns Zukunft hat."


Und wenn die Kunden erst sehen, wie attraktiv die Accessoires aus Müll sind  – davon ist die Designerin überzeugt – werden sie auch ihren eigenen Abfall mit anderen Augen betrachten!

Adam Słodowy
Ich wünsche euch viel Erfolg beim Basteln und vor allem Spaß. Wir sind am Ende der Sendung. Auf Wiedersehen.

Autorin Katharina Zabrzynski

weitere Themen der Sendung

Stütze für die Sozialkassen

Seit den 60er Jahren haben Tausende Gastarbeiter geholfen, die deutsche Industrie wieder aufzubauen. Und mit ihren Beiträgen die Kassen der Sozialsysteme gefüllt. Seit der Wende kommen vor allem EU-Bürger nach Berlin - die meisten hoch qualifiziert. Auch sie stützen die deutschen Sozialkassen. Die "Einwanderung in die Sozialsysteme", ist eine Lüge, die vor allem vor Wahlen wieder und wieder bemüht wird.

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Die polnische Armee ist innerhalb der NATO Schlusslicht, was den Anteil von Frauen angeht.  Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak will das ändern. Sehr zum Verdruss der meisten Soldaten, die sich von weiblichen Offizieren nicht gerne kommandieren lassen. Wir besuchen Soldatinnen der 17. Großpolnischen Mechanisierten Brigade in Miedzyrzecz.

Der umstrittene Völkermord

Erst die Öffnung der Archive in den 90ern machte die Rekonstruktion möglich: Die Folgen von Stalins Zwangskollektivierung in der Ukraine. 2009 ließ Präsident Wiktor Juschtschenko mitten in Kiew eine  nationale Gedenkstätte errichten.  Sie soll an den Hungertod von 3,5 Millionen Ukrainern erinnern.