Gesundes Essen (Quelle: rbb

- Auf der Suche nach gesundem Essen

Das Prinzip ist einfach: Man sucht sich in der Region einen Öko-Bauer, gründet eine "solidarische Gemeinschaft" und schließ mit ihm einen Vertrag. Einmal pro Woche bekommt man dafür frisches Obst und Gemüse. Es geht dabei nicht nur ums gute Essen, sondern auch um die direkte Unterstützung der Kleinproduzenten, die sonst gegen die Agrarindustrie keine Chance hätten. Mit 60 Euro monatlich sichern junge Leute "ihrem" Bioanbauern ein "würdiges Einkommen".

Charlotte und Valentina sind angehende Juristinnen. Aber jetzt radeln sie nicht in die Bibliothek – sondern zum Bauernhof in Barenthin. Heute sind sie an der Reihe: Sie helfen Landwirt Wesemann beim Gemüseernten.

Frank Wesemann
Landwirt
"Wir können ja erst mal die Möhren ernten, und dann ernten wir ... oder parallel, könnt ihr euch aussuchen ... auch noch die rote Beete da drüben und da vor allem die Großen, die ganz Kleinen könnt ihr noch drin lassen ..."

Und jetzt bekommt das Wort "ackern" für die Großstadtkinder eine ganz neue Bedeutung.

"Bisschen dichter…
Ja! Hey! Guck mal, wie süß!"

"Solidarische Landwirtschaft" nennt sich die Initiative. Wer hier mitmacht hilft auch gerne drei bis viermal im Jahr bei der Hofarbeit.

Charlotte Greiffenhagen
Studentin
"Ich finde es auch keine Arbeit, ehrlich gesagt, sondern das ist wie ein freier Tag in der Natur.  Ich muss ja nichts machen. Und was ich vor allem gut finde, ist das man direkt den Bezug zum Bauern hat."

Sie haben einen Vertrag mit dem Landwirt: sie kriegen erntefrisches Gemüse – er Planungssicherheit.

Frank Wesemann
Landwirt
"Ich ernte immer nur das, was die Leute schon mal mit mir ausgehandelt haben, was sie über das Jahr bezahlen. Man hat einen Jahresvertrag und jeden Monat ... bei mir ist es immer monatlich, Anfang des Monats kommt das Geld rein, mit dem man dann fest planen kann und die "Solawisten" kommen mal auch und helfen mal mit und ich finde es ein wichtiger Teil von der SOLAWI, dass die Leute in der Stadt wieder ein Gefühl kriegen, "wie viel Arbeit macht es eine Möhre anzubauen?"

"Geht es, oder ist es zu schwer?"

60 Euro im Monat pro Ernteanteil bekommt Landwirt Wesemann. So kann sich der Bauer leisten, 70 Sorten Tomaten zu pflanzen oder 20 Sorten Salat. Auch alte Sorten, die besser schmecken, aber sich für die Massenproduktion nicht rechnen würden.

Jeden Mittwoch fährt er das Gemüse in die Stadt: Die Solawi hat in Berlin und Potsdam fünf  Abholplätze: Eine große Garage, ein Hinterzimmer in der Bibliothek, ein Keller, ein Nachbarschaftsladen. Abwechselnd kommt jeder "Solawist" an die Reihe, beim Ausladen und Abzählen zu helfen. Derzeit verkauft Frank Wesemann seine Produkte auch noch auf Wochenmärkten, aber das soll sich bald ändern.

Frank Wesemann
Landwirt
"Mein Ziel ist vielleicht mal mit 150-180 Solawisten komplett ein Solawi-Betrieb zu werden, weil meine eine absolute Planungssicherheit hat. Ich plane nicht ins Blaue hinein, ich baue nichts ein, wo ich gar nicht weiß, kriege ich das verkauft ..."

Nach jeder Lieferung hat jedes Mitglied zwei Tage Zeit, sich seinen Ernteanteil für die Woche abzuholen.

Charlotte Greiffenhagen
Studentin
"Also, es hängt eine Liste aus, da steht die Lieferung dran und da steht drauf, wie groß der Ernteanteil die Woche ausfällt und man wiegt sich das selber ab. Letztlich ist es Vertrauen."

Je nach Saison gibt es mal mehr Obst, mal mehr Salat, mal mehr Gemüse. In  den Wintermonaten geht man aber trotzdem nicht leer aus, denn da gibt es einfach Lagergemüse, Apfelkompott oder Saft. Die Wochenlieferung reicht für zwei bis drei Personen. Junge Familien, Rentner, Studenten machen mit. Gemüse und Obst  in Demeter Qualität für einen bezahlbaren Preis. Voraussetzung ist nur: dass man kreativ zu kochen versteht - frische Produkte halten nicht ewig. In dieser WG haben sie das Rote Beete Humus erfunden.

Charlotte Greiffenhagen
Studentin
"Das ist noch von letzter Woche übrig und hier wartet schon wieder der neue Salat darauf, gekocht zu werden ... da laden wir halt paar Freunde ein und verbrauchen noch die frischen Sachen von letzter Woche. Ich meine, es sieht immer noch gut aus."

"Zum Wohl ... "

Möhren-Geschnetzeltes auf Gartensalat und Ofengemüse mit Yoghurt-Dip. Das haben sie heute mal eben erfunden.

Autorin Milena Hadatty, rbb

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