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Koreaner und Deutscher zu sein, ist nicht ganz einfach. Man kann zum Beispiel nicht Tierarzt werden, weil Koreaner Hunde bekanntlich essen, meint Martin Hyun. In seinem Buch "Ohne Fleiss kein Reis – wie ich ein guter Deutscher wurde" erzählt der studierte Politologe und Sohn koreanischer Gastarbeiter mit viel Witz und Ironie, welche Hürden er nehmen musste, um in seinem Geburtsland Deutschland anzukommen.
Martin Hyun ist in Deutschland geboren, hat einen deutschen Pass und fühlt sich manchmal trotzdem wie ein Tourist. Er liebt Kimchi, die Nationalspeise Koreas – ein Klischee, das er gerne bedient. Er hat das Buch: "Ohne Fleiß kein Reis" geschrieben - Erlebnisse eines Deutschen mit koreanischen Eltern
Martin Hyun
"In Berlin darf jeder alles. Bis zu jenem Tag, als ich von Hungersnot getrieben im Asia-Markt einen 10kg Reissack kaufte und damit durch die Straßen Berlins irrte. Die erregten Blicke der jungen Ur, Wahl,- Möchtegernberliner, der Touristen, Raver, Poser und Berliner Schwaben durchbohrten meinen schweren Reissack und meine vom Hunger geschwächte deutsch-koreanische Wahlberliner Seele. Wenn ein 10kg Reissack die Stadt aus der Fassung bringen konnte, dann, so wurde mir klar, war Berlin weit davon entfernt alles gesehen, gehört und erlebt zu haben."
Dem deutschen Volke war es nicht so leicht gefallen, seine Einwanderer als Bürger zu akzeptieren. Z.B., Martins Hyuns Eltern in den 70ern aus Südkorea nach Westdeutschland zum Arbeiten angeworben. Er wurde 1979 in Krefeld geboren, hat Politikwissenschaften in den USA und in Belgien studiert, und trotzdem ist es nicht leicht, für ihn einen guten Job zu finden.
Martin Hyun
"Ich glaube die Optik spielt eine große Rolle, dass man immer noch das asiatische Äußere mit einem Deutschsein noch nicht ganz verknüpft."
Deutsch sein, aber nicht so auszusehen, das bringt Nachteile. Im Bundestag war Martin Hyun Praktikant bei den Christdemokraten und weil er wie ein Asiate aussieht, geriet er in Verdacht Terrorist zu sein.
Martin Hyun
"Als ich mit meiner niederrheinischen Frohnatur den Flur des Europa- Ausschusssekretariats im Bundestag passieren wollte, rief die am Ende des Flurs stehende Verwaltungsdame schroff, in gebieterischer Art: Bleiben Sie stehen! Sie haben den Alarm ausgelöst. Bis ich schließlich kapierte, dass sie der Auffassung war, ich hätte mich durch die winzige, zehn Zentimeter enge Fensterluke am Außenfenster des Bundestagsgebäudes gezwängt, so hinterlistig wie sich die Chinesen in die Computer von Regierungsinstituten hacken."
Döner- und Currywurstbuden: Martin Hyun lebt im Wedding und er liebt diesen Bezirk: Hier findet er besonders viele Geschichten für sein neues Buch. Mit dem Schneider Hüseyin Arslan ist Martin Hyun befreundet. In Krefeld ist er mit türkischstämmigen Kindern groß geworden. Hyuns Vater brachte vielen von ihnen Taekwondo bei, und, dass Körper und Geist zusammen gehören.
Martin Hyun
"Und dann habe ich einmal erlebt, ich war mit meinem Vater in der Stadt und ein kleiner korpulenter türkischer Junge hat eine Pommes-Tüte, er sieht meinen Vater, seine Augen werden groß, er schmeißt die Pommes runter und läuft weg und mein Vater schreit: Ich habe dir gesagt, nix Pommes essen!"
Deutschland ist ein Einwanderungsland, schon lange, aber die Politik leugnet das, schreibt Martin Hyun in seinem Buch. Und: Einwanderer haben weitaus weniger Berührungsängste im Umgang miteinander als die Deutschen. Die schreiben Studien und Integrationsberichte, und jedes Jahr kommt ein neuer raus.
Martin Hyun
"Im achten Bericht hieß es ja, die Sprache sei der Schlüssel zur Integration und im 9. 10. und 11. Bericht gibt es so viele Schlüssel wahrscheinlich, die für Integration stehen, aber tatsächlich gibt es glaube ich gar keinen Generalschlüssel, der alle Türen öffnen kann für uns ..."
Türen öffnet der Sport: Martin Hyun war Nationalspieler der deutschen Eishockeymannschaft. Auf seinem Trikot steht die 71, das Jahr, in dem seine Eltern nach Deutschland einwanderten, und darauf ist er stolz. 2010 gründete Hyun "Hockey is Diversity", eine Initiative, die sich für mehr Vielfalt und Integration einsetzt.
Martin Hyun
"In der Sportwelt ist es eigentlich egal, welche Herkunft du hast, welche Religion du ausübst, da ist eigentlich nur ein Ziel: man möchte gewinnen als Team und dieses Gedankengut, was eigentlich akzeptiert wird von den Menschen in der Gesellschaft wollen wir nach draußen übertragen, dass das, was im Sport schon eine Heimat gefunden hat, dass es auch irgendwann einmal in der Gesellschaft akzeptiert wird."
Und das geht auch mit Humor. Tierarzt hätte er nicht werden können, schreibt Martin Hyun. Denn: wer vertraut einem Koreaner schon seinen Hund an?
Autorin Martina Hiller von Gaertringen, rbb






