Bomben auf Wieluń (Quelle: rbb)

- Bomben auf Wieluń

Am 1. September 1939, gegen 4. 30 Uhr, also etwa 20 Minuten vor dem Beschuss der Westerplatte im Danziger Hafen, fallen die ersten Bomben des Zweiten Weltkriegs auf Wieluń. An diesem Tag sterben 1.200 Menschen. Das militärisch unbedeutende Grenzstädtchen an der damaligen deutsch-polnischen Grenze wird dem Erdboden gleichgemacht. Zeitzeugen aus Wieluń erzählen.

Auf den ersten Blick ist Wieluń wie jedes andere polnische Provinzstädchen. Vor 74 Jahren sah es hier ganz anders aus. Gegen 4 Uhr 30 kamen die ersten Bomber. Der Hauptmann Walter Siegel mit dem 76. Stuka-Geschwader. Ihr Auftrag: die westlichen Teile von Wieluń vernichten.

Stanisław Sęczkowski
"Ruhe, Stille, Lampen flimmerten hier und da. Hunde bellten. Und plötzlich rief ich zu meinem Vater: "Vater! Vater!" Ich hörte Geräusche von der deutsch-polnischen Grenze in Praszka, wie von schweren Maschinen. "Vater, Vater" rief ich: "das sind Flugzeuge mit Hakenkreuzen. Die werfen Bomben!" Es pfiff und heulte. Mein Vater rief mir zu: "Halte die Zügel der Pferde!" Und dann: Explosionen, Gluthitze, Bomben und Brände. Die Hölle auf Erden."

Eugeniusz Kołodziejczyk
"Die Sirene heulte und ich dachte es wäre ein Probealarm. Die Sirene heulte noch, als die erste Explosion kam. Die Scheiben zerbarsten. So wusste ich, das ist kein Probealarm. Das ist schon der richtige Krieg."

In drei Angriffswellen wurden fast 90 Tonen Bomben abgeworfen auf die völlig wehrlose Zivilbevölkerung. 1.200 Menschen kamen dabei ums Leben.

Stanisław Sęczkowski
"Die ersten Bomben fielen auf das Krankenhaus und auf die Pfarrkirche. Und dann auf die anderen Teile der Stadt."

Das war der erste und zugleich der brutalste von insgesamt 9.000 Bombeneinsätzen der Luftwaffe beim Überfall auf Polen. Hitlers Auftrag, Polen zu vernichten, wurde mit aller Härte und ohne jeden Rücksicht auf Zivilbevölkerung durchgeführt.

Eugeniusz Kołodziejczyk
"Als die deutschen Flugzeuge kamen, sind die Menschen völlig wahnsinnig geworden."

Stanisław Sęczkowski
"Es war die Hölle. Brand. Lärm. Später habe ich erfahren, dass es 29 Bombenflieger waren. Mir bleibt bis heute der Atem weg, ich kann nicht weinen. Das war ein unglaubliches Erlebnis."

Nach 9 Stunden Dauereinsatz meldeten die Kommandeure der beiden Stuka-Geschwader: "Ziel vernichtet, Brände beobachtet, keine Eigenverluste".


Stanisław Sęczkowski
"Das war eine Tragödie. Diese Stunde hat das Weltgeschehen verändert. Hier begann alles, nicht auf der Westerplatte. 4 Uhr 40, diese Stunde hat den Lauf der Weltgeschichte geändert."

 

Autor Maciej Zurawski tvp

weitere Themen der Sendung

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Kowalski & Schmidt 01.09.2013 18:30

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