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"Schlesien ist unser", sagen sie und pflegen den schlesischen Dialekt, eine Mischung aus Polnisch, Deutsch und Tschechisch. Die jungen Europäer aus Katowice sind überzeugt davon, dass ihre schlesische Heimat einen einzigartigen Geist besitzt. Und dass man in den polnischen Schul- und Geschichtsbüchern zu wenig davon erfährt. Deshalb dokumentieren sie alles, was mit dem alten Schlesien zu tun hat.
Sind diese Kinder polnisch oder schlesisch? Die Antwort ist: "jain". Sie sind "Oberschlesier", sprechen "po schlonsku", (also oberschlesisch), eine Mischung aus altpolnisch, deutsch und ein bisschen tschechisch.
Frau
"Wir haben unsere Mundart, sind Schlesier schluss und fertig."
Junge
"Wir reden mal polnisch mal schlesisch."
Frau
"Ja, wir reden halt beide Sprachen, wie mein Kleiner sagt."
Junge
"... halb Schlesier, halb Polen".
Wir sind in Oberschlesien, in der Gegend rund um Kattowitz. Das Stadtbild haben Arbeiter geprägt: deutsche, polnische, tschechische Arbeiter. Ihre Geschichte ist lange her.
Doch die jungen Leute vom Verein Genius Loci fänden es schade, wenn sie vergessen würde. Sie fotografieren und filmen Bergwerke und Hütten, um die Spuren der schlesischen Kultur zu dokumentieren. Denn während des Kommunismus hatten die Oberschlesier nichts anderes als Polen zu sein.
Alan Zych
Verein Genius Loci – Geist des Ortes
"Meine Mutter sprach mit mir von Kindesbeinen an polnisch, weil sie selbst in der Schule geschlagen wurde, wenn sie schlesisch gesprochen hat. Und ich habe dann sogar im Kindergarten über andere Kinder gelacht als sie "pulac" auf "oberschlesisch", also "pullern" statt "sikac" auf polnisch sagten. Und jetzt sage ich selber pulac, weil ich oberschlesisch schön finde. Off: Wenn die Archäologen uns mal ausgraben, dann werden sie sehen, dass hier mal aus vielen verschiedenen Kulturen etwas Neues entstanden ist. Und dass das einen Eigenwert besitzt."
Deshalb macht Krysztina Szmidt solche Führungen. Sie hatte auch während der kommunistischen Zeit an ihrer oberschlesischen Identität fest gehalten.
Krystyna Szmidt
Zeitzeugin
"Hier bin hier aufgewachsen, in sehr ärmlichen Verhältnissen, im Vergleich zu heute. Damals gab es viele kinderreiche Bergwerkfamilien - mit acht oder neun Kindern."
Przemysław Noparlik
Verein Genius Loci – Geist des Ortes
"Die Geschichte von Oberschlesien wird in den Schulbüchern kaum erwähnt. Die Schüler lernen zwar über das Mittelalter hier und dann über die Zeit der Abstimmung und der deutsch-polnischen Kämpfe um Oberschlesien. Aber über die jahrhundertealte Kultur der Oberschlesier, weiß man so gut wie nichts."
Deshalb haben sie die Wanderausstellung "Retten vorm Vergessen" gemacht. Mit ihren Schautafeln und Fotos gehen sie in Schulen, Museen und auf öffentliche Plätze. Hier erzählen die jungen Historiker den Einwohnern von Ruda Slaska, wie das war, als das hier noch "Schlesien" war. Spenden und viel ehrenamtlicher Arbeit machen das Engagement von Genius Loci möglich.
Alan Zych
"Was wissen die Schlesier über schlesische Geschichte?"
Mann
"Wir identifizieren uns mit Schlesien, weil wir hier leben. Aber unser Wissen darüber, was hier früher war, ist minimal."
Frau
"Uns ist unsere Mundart und unsere Geschichte wichtig. Das macht unsere Gemeinschaft ja aus. Es ist unsere Tradition."
Frau
"Die Kinder lernen es jetzt mehr zu Hause, von ihren Eltern: über unsere Gruben, die historischen Hütten. Wir schauen uns sogar Filme darüber an, auf DVD."
In Warschau werden die Schlesier für ihren Dialekt belächelt. So wie die Bayern oder Schwaben in Berlin. Doch sie lassen sich ihr Schlesisch sein nicht ausreden. Und haben den Spruch "Schlesien bleibt unser" für sich reklamiert.
Alan Zych
"Schlesien bleibt unser. Schlesien ist schlesisch. Es wurde von der deutschen Kultur stark geprägt. Aber ich bin auch froh, dass sich Deutsche und Polen wegen Schlesien nicht mehr gegenseitig umbringen."
Und es ist ihre Antwort auf die Nationalstaaten: Sie sind Europäer – mit schlesischen Wurzeln. Und das, sagen die jungen Historiker, ist "Heimat" - im 21. Jahrhundert.
Autorin Wioletta Weiß







