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Sein großes Thema war die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber dem totalitären Regime; sein literarisches Werkzeug, die Satire, das Groteske und Absurde. Sławomir Mrożek war einer der bedeutendsten Gegenwartsautoren Polens und fand mit Theaterstücken wie "Tango" und "Die Emigranten" auch international großen Anklang. Jetzt ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.
Szene "Tango"
Regie: Erwin Axer
1966 Modernes Theater in Warschau
Sohn Artur
"Vor 25 Jahren wurde ich geboren und seither steht mein Kinderwagen hier. Warum ist er nicht auf dem Dachboden?"
Der konservative Sohn rebelliert gegen die antiautoritären Eltern. Das hat Mrozek schon vor 50 Jahren beschrieben!
Mutter
"Edek, wie schön du trinkst ..."
Vater
"Mein Lieber, Tradition interessiert mich nicht."
Sohn Artur
"Keine Ordnung! Und was ist das? Die Reithose von Onkel Eugenius. Warum ist sie hier? Wenn das letzte Pferd, auf dem Onkel Eugenius geritten ist, vor 40 Jahren krepiert ist, ohne Nachkommen zu hinterlassen!"
Goethe, Brecht, Shakespeare, - Paten für das Werk von Slawomir Mrozek. Und doch, der polnische Autor, der in den alltäglichen Situationen des Lebens das Absurde und Komische fand, ist unverwechselbar geblieben. Er selbst sah sich als Weltverbesserer - mit Selbstironie.
Slawomir Mrozek
"Ja es stimmt, ich tue für die Menschheit, was in meiner Macht steht. Doch die Menschheit tut trotzdem was sie will."
1930 kommt Mrozek bei Krakau auf die Welt und wird zunächst Karikaturist. Prompt lässt er eine seiner Figuren fragen: warum hat mich Slawomir Mrozek gezeichnet und nicht Leonardo da Vinci?
Auch zu jedem seiner Bühnenstücke fertigte er eine Zeichnung an:
"Witwen",
"Schlachthof",
oder "Emigranten"
Szene "Die Emigranten", Regie: George Tabori, 1975 Bonner Werkstattheater
Ein politisch verfolgter Intellektueller und ein geldgieriger Bauarbeiter: zwei Emigranten hausen in einem Keller. (Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und doch können sie nicht ohne einander): Zwei einsame Fremde in einer fremden Welt.
In dem Stück verarbeitet Mrozek auch eigene Erfahrungen. Aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings beantragt er politisches Asyl in Frankreich. USA, Westberlin und Mexiko sind weitere Stationen seines über 30 Jahre langen Exils. 1996 kehrt Mrozek zurück nach Krakau und verfasst er einen Lebens-Ratgeber in ABC-Form. Altersmilde ist der geworden – nur die Selbstironie hat er nicht verloren.
Slawomir Mrozek (2004)
"Ich kann natürlich nicht voraussehen, wie die deutschen Rezensenten und Leser reagieren werden. Doch ich weiß, dass ich mit einem ABC nichts zu tun habe und ich versteh`auch nicht, worum es hierbei geht.!"
Auf die Zumutungen der Realität hat Slawomir Mrozek mit Humor geantwortet.
Mit 83 ist er gestorben. Seit seinem Gehirnschlag vor 10 Jahren musste er sich mit dem Thema Tod befassen. "Man sollte", schrieb er, "zur Weiterreise gerüstet sein, immer."
Autorin Katharina Zabrzynski







