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"Arm, aber sexy" war gestern. Seit einigen Jahren fließt das Großkapital wieder nach Berlin. Investiert wird aber nicht in Maschinen- und Gerätebau, sondern in Ideen und Know-How. Die so genannten "STARTUPS" locken junge Kreative in die Bundeshauptstadt. Dort treffen sie andere Kreative, usw. Nur der Kontakt mit Investoren, der ist mühsamer. Wer hat eine Chance für langfristigen Erfolg? Zwei Beispiele aus der Berliner Szene.
Selma bastelt so gern, aber das Wetter ist so schön, schön wäre jetzt ein Spiel, bei dem man basteln und draußen sein kann. Mutter und Tochter suchen Hilfe im Internet, und werden fündig….
"Ah, Flaschenpost!"
"Flaschenpost?"
….bei "TOYWHEEL", also Spielrad: Eine Suchmaschine für Eltern und Kleinkinder. Evgeni Kouris hat sie in Berlin-Kreuzberg entwickelt und mit dieser Idee hat der deutsch-russische EDV Virtuose gleich einen Startup Preis gewonnen. Jetzt kann er sich Schreibtisch und Firmenschild leisten – und nach Investoren suchen!
Evgeni Kouris
"Ich bin extra nach Berlin gekommen, nachdem ich diesen Wettbewerb hier gewonnen hatte. Berlin ist im Moment das Herz vom deutschen Startup-Ökosystems, würde ich sagen, es ist viel einfacher, nach Berlin andere Leute zu bekommen, die Startups machen wollen. Wir sind gerade dabei, verschiedene Pakete von Inhalten für bestimmte Themen zu erarbeiten und auch mobile Applikationen zu machen, die wir dann nachher vertreiben würden und da gibt es für verschiedene Sachen wie Halloween, Weihnachten, Spielen draußen, Spielen im Schnee, Spielen unterwegs, auch mal Mathe spielerisch erlernen oder so was ..."
Ein Teil der Spielanleitungen bleibt kostenlos, aber die "Spielpakete", die sie auf Anfrage entwickeln, sollen bald Geld einbringen. Zehn Mitarbeiter arbeiten, bzw., basteln schon hier: Programmierer, Pädagogen, Studenten. Sie testen alte Klassiker, erfinden neue Spiele und stellen die Fotos mit Anleitungen ins Internet. Und, ganz nebenbei, helfen sie, den Müll zu verwerten.
Christian Fränzel
Student
"Wir achten immer darauf, dass die Sachen im Haushalt zu finden sind, dass es meistens auch Abfallsachen sind, das heißt, von der Spülmittelflasche oder alte Klopapierrolle, dass wir so aus Recycling Materialien Sachen verwenden."
Hannes Diedrich
Mitgründer "TOYWHEEL.COM"
"Wir sehen, ob die Anleitungen Spaß gemacht haben beim Nachbasteln und wie wir uns einfach verbessern können."
In Berlin gibt es nicht viele gut bezahlte "Jobs" – dafür immer mehr "Gründer". Universitäten, Politik, private Sponsoren fördern junge Talente, die das Zeug zum "Kleinstunternehmer" haben.
Matthias Treptow
Finanzierungs- und Fördermittelberater
"Es gibt immer weniger diese klassische Karriere "ich steige bei einem Unternehmen ein und bleibe da dreißig Jahre lang bis zur Rente", sondern auch in Großunternehmen zieht immer mehr diese StartUp Kultur ein, dieses Thema "innovative Projekte" anpacken, öfter wechseln über mehrere Abteilungen und gerade das können natürlich junge Leute in so einer Gründungsphase lernen, wenn sie aus der Universität kommen."
So wie beim Berliner StartUp "STYLEMARKS". Ein paar Freunde kamen auf die Idee, einen Online - Marktplatz für gebrauchte Designermode zu entwickeln. Sie fanden Sponsoren, darunter auch große Unternehmen. Das Geschäft lief – doch dann kamen die Haken: Bei den Gebrauchtwaren konnten sie kaum überprüfen, ob die Sachen echt waren, ihr Zustand ok - oder ob Schrott angeboten wurde... und - gebrauchte Kleider gibt es meist nur in einer Größe.
Stefan Decker
Mitgründer "Stylemarks.de"
" ... und zeitgleich haben wir viele Anfragen gekriegt von jungen Designern, die sagten hey, wir stellen Taschen her, die würden wir gern bei euch verkaufen. Wir haben immer gesagt, nein, das können wir nicht, wir wollen schon unser Gesicht wahren, ok, bei uns gibt es gebrauchte Sachen. Einzigartige gebrauchte Sachen. Bis ... dann irgendwann der Punkt kam, wo wir gesagt haben, ok, es macht so keinen Sinn, lass uns den Schritt gehen und diesen jungen Designern helfen".
Junge Konsumenten mögen kleine Kollektionen, die nicht jeder trägt. Aber den jungen Designern fehlen die Mittel, ihre Marken bekannt zu machen. Auf der Online Shopping Mall finden beide zueinander!
Und manchmal kommt bei "Stylemarks" der Designer persönlich vorbei und führt die neue Kollektion vor.
Marc Linneweber
Mitgründer "stylemarks.de"
"In den letzten zwei Jahren werden wir voraussichtlich keinen Gewinn machen, da geht es einfach darum, den Kundenstamm aufzubauen, Verkäufer zu gewinnen, wenn wir soweit allerdings diese Ziele erreicht haben, dann lässt sich innerhalb der nächsten Folgejahre enormen Gewinn erwirtschaften."
Online Designer und Modedesigner – sie nennen sich "Unternehmer" – aber reich sind sie noch lange nicht …
Matthias Treptow
Finanzierungs- und Fördermittelberater
"Das ist der Traum eines jeden Investors, dass ich einen Gründer habe, der quasi sich selber erstmal gar nichts auszahlt, der möglichst viel arbeitet und der sich wirklich nur um den Kunden und um das Produkt kümmert."
Der "Investor" ist der, der sein Geld in das neue Unternehmen steckt. Und hofft, dass irgendwann Gewinne sprudeln. Aber die Flaschenpost braucht ja auch ihre Zeit!
Autorin Milena Hadatty, rbb






