-
Junge Architekten oder Ingenieure haben keine Chance in Italien oder Spanien? Kein Problem, es gibt ja den Billigflieger nach Polen. Berufsanfänger versuchen ihr Glück in Krakau mit viel Elan, Hoffnung und sogar ersten Polnischsätzen….
Lächeln für die Kamera, zeigen: es geht uns gut. Alessandro aus Italien muss die Familie auf dem Laufenden halten. Nach Krakau hat es ihn gezogen, weil es zu Hause in Triest keine Arbeit für mehr ihn gab. Und auch nicht für seine polnische Freundin Kasia.
Alessandro Carnese
italienischer Architekt
"Es ist nicht einfach, aber in so einer tollen Stadt mit so einer Atmosphäre, solchen Leuten und solchen Möglichkeiten fällt es nicht so schwer. Ich kann nur sagen: Es ist eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe."
Katarzyna Musiał
"Die Krise war zu spüren in Italien. Ich habe nicht mal mehr den Fernseher angemacht, es ging immer nur die Krise, jeder war deprimiert. Hier ist das nicht so."
Zuhause bei Alessandro. Klar, es gibt italienischen Espresso. Als Mittel gegen das Heimweh, das manchmal noch kommt. Aber was tut man nicht alles dafür, um in dem Job arbeiten zu können, den man gelernt hat. Auch, wenn es noch nicht ohne Wörterbuch geht …
Alessandro Carnese
italienischer Architekt
"Ich bin Architekt und ich wollte in Krakau mein eigenes Designstudio eröffnen – und tat das auch. Nach drei Wochen hatte ich schon meinen ersten Kunden. Wenn die Polen von italienischer Architektur und Design hören, sind sie erstmal neugierig, weil sie das schätzen. Zuerst baute ich ein kleines Badezimmer, das dem Kunden sehr gefiel und so beauftragte er mich damit, die ganze Inneneinrichtung seines Hauses zu planen."
Olivenöl für jeden Geschmack – säuberlich gestapelt in einem Lagerhaus am Stadtrand von Warschau. Auch Pablo Ruiz aus Valencia versucht, Bekanntes aus der Heimat zu vermarkten. In Spanien bekam der Landwirtschaftsingenieur keinen Job, in Warschau hatte er zu dem Zeitpunkt immerhin schon seine Freundin Małgorzata. Er fasste einen Entschluss:
Pablo Ruiz
spanischer Olivenöl-Händler
"Wir füllten das Auto mit Olivenölproben und versuchten unser Glück. In Polen angekommen, verteilte ich die Proben an Restaurants und Geschäfte. Das Olivenöl gefiel und unser Geschäft in Polen entwickelte sich."
Die spanische Gastronomie bleibt das Kerngeschäft, auch wenn inzwischen Restaurants aller Art beliefert werden. Pablo setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda, will erstmal Polen erobern und dann, über das Internet, vielleicht Rest-Europa. Małgorzata kennt Pablo, seit er 2008 ein Studienjahr in Warschau verbracht hat. Sie hilft ihm, wo sie kann. Leicht sei es nicht, aber eine Alternative sehen beide auch nicht:
Małgorzata Mróz
"Am Anfang ist es sowieso immer schwer. Wir machen noch nicht so viel Gewinn, dass wir nur von dem Vertrieb von Olivenöl leben könnten. Wir verdienen beide mit anderen Jobs noch was dazu. Aber in Spanien so etwas aufbauen? Ich wüsste nicht, was uns da solche Freiheit geben könnte …"
Und die Sprache? Pablo versucht, auf Polnisch zu antworten:
Pablo Ruiz
spanischer Olivenöl-Händler
"Na ja – ein bisschen kann ich. Es ist eine schwere Sprache, Polnisch."
Zurück in Krakau, bei Alessandro und Kasia. Die schönen alten Häuser hier liebe er, sagt Alessandro. Und dass die Polen lockerer drauf seien, als die Deutschen. Für Deutschland hätte auch sein Startkapital nicht gereicht. Sechs Monate wollten sie Krakau ausprobieren, erst mal schauen, ob es klappt, mit den Jobs, mit dem Zusammenleben, in Kasias Heimat.
Autor Norbert Hahn, rbb






