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Der Naturschutzgebiet Milicz nördlich von Breslau ist bekannt für seine riesigen Fischteiche, die größten in Europa. Seit dem 12. Jahrhundert werden hier vor allem Karpfen gezüchtet. Ganz ohne Subventionen machen die Fischer im Herbst fette Beute.
Seit dem Morgengrauen sind sie auf den Beinen. Heute müssen die Männer einen ganzen Teich leer fischen. Seit über 800 Jahren werden im Miliczer-Naturreservat Karpfen gezüchtet.
Tomasz Berger
Fischer
"Mit dem Abfischen beginnen wir im Herbst. Das Wasser wird dabei abgelassen; zurück bleiben der Fisch und auch der Schlamm, leider. Es ist schwierig darin zu gehen, manchmal reicht er bis über die Knie und da braucht man viel Kraft, um das Netz mit all dem Fisch an Land zu ziehen."
Fast 70 Tonnen Karpfen werden aus jedem Teich geholt. Der Fisch wird zunächst auf kleine Teiche aufgeteilt, um später und auf den Weihnachtstisch zu kommen.
Krzysztof Berger
Fischer
"Man könnte das Ganze sicherlich maschinell machen. Aber manchmal liegen am Teichgrund Baumäste und Steine. Der Fischer merkt, wenn das Netz feststeckt, er fährt dann mit dem Boot zu der Stelle und behebt das Problem ... Eine Maschine würde es gar nicht merken, sie würde einfach weiter ziehen und dabei das Netz einfach zerreisen.
Das Wissen um die Fischzucht wird hier von Generation zu Generation weiter gegeben. Schon der Großvater von Arkadiusz Berger war Fischer.
Arkadiusz Berger
Fischer
"Ich wollte schon immer Fischer werden, wie unser Vater. Das ganze Wissen, das ich von ihm habe, möchte ich meinen Kindern weitergeben. Ich habe einen Sohn, den ich gerne dafür begeistern möchte, hoffentlich gelingt es mir, denn das, was wir hier machen, ist wirklich etwas Wunderbares."
Emilia Szczęsna kam vor drei Jahren aus Breslau hierher. Als Marketing-Chefin will sie den traditionell geführten Fischereibetrieb für die Touristen attraktiver machen.
Emilia Szczęsna
Direktorin Miliczer-Teiche
"Als ich hierher kam traf ich auf sehr engagierte Menschen. Auch die Fischerfrauen sind sozial sehr aktiv. Sie sind wahre Meisterinnen im Zubereiten von Karpfen. Sie machen es auf die alte, traditionelle Art …und zwar gebraten in der Pfanne. Ich habe sie überredet, mal anders darauf zu schauen, Dinge auszuprobieren, die ihnen einfach in den Sinn kommen, zu improvisieren. So haben sie Wurst aus Karpfen kreiert, sind auf Piroggen mit Karpfenfüllung und Karpfenpastete gekommen.
Vor ein paar Jahren war ich in Bayern in einem Karpfenzuchtbetrieb und ich traf mich dort mit einer Frauengruppe, es waren Ehefrauen von Fischern und Fischzüchtern. Sie haben ein Kochbuch herausgegeben mit Karpfen-Rezepten aus der Region. Sie wollten auch zeigen, was man alles aus Karpfen sonst machen kann: sogar Lasange und Hamburger."
Noch fährt sie jeden Tag über 100 Kilometer von Wrocław hierher und zurück, aber der Ort zieht sie magisch an.
Emilia Szczęsna
"Das hier ist nicht nur die größte Teichanlage Europas und das größte Naturschutzgebiet Polens. Was mich an dem Ort immer wieder verzaubert sind die Menschen, die hier leben. Sie lieben ihre Heimat und hier wollen sie bleiben .... Das liegt aber nicht daran, dass sie anderswo keine Perspektiven für sich sehen, gar nicht! Sie können sich einfach nicht vorstellen anderswo zu leben. Nach drei Jahren hier frage ich mich auch, was ist so faszinierend an diesem Ort, dass ich von hier nicht weg will."
Autorin Kinga Wołszyn-Świerk, tvp






