- Eine Deutsch-Polin im Bundestag

"Oberschwaben und ich, das passt perfekt zusammen", sagt die Grünen-Abgeordnete Agnieszka Brugger. In Polen geboren, ging sie in Deutschland zur Schule und seit 2009 vertritt sie den Wahlkreis Ravensburg im deutschen Parlament.

Aus Polen stammt die jüngste Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger. Ihr Wahlkreis ist Ravensburg in Oberschwaben. In diesem Jahr kandidiert sie wieder.


Agnieszka Brugger
MdB Bündnis90/Die Grünen
"Ich bin ja sehr überraschend in den Bundestag gewählt worden. 2009 war es ja gar nicht unbedingt mein Ziel, in den Bundestag zu kommen, sondern ich wollte Wahlkampf machen, gerade auch für junge Menschen zeigen, dass es Politikerinen gibt, die vielleicht auch anders aussehen, anders reden, als wie man sich den typischen Abgeordneten vorstellt."


Im September 2009 war sie als jüngste Abgeordnete Liebling der Medien. Die Kameras haben sie auf Schritt und Tritt begleitet als die grüne Politikerin in Berlin antrat: unkonventionell und gegen den Strich … und polnischer Herkunft. Ein Novum!


Agnieszka Brugger
"Meine Eltern haben, glaube ich, einen großen Anteil daran, dass ich politisch aktiv geworden bin. Sie waren in Polen in der Solidarność-Bewegung aktiv und haben mich immer schon so erzogen, dass wenn Ungerechtigkeiten passieren, dann darf man das nicht geschehen lassen. Man darf nicht tatenlos zuschauen. Und ich glaube, dass das das viel davon ausmacht, warum ich heute Politik mache.


"Das ist total angenehmer Geschmack. Wild sind sie alle Arten …"

Erste Station ihrer heutigen Wahlkampfreise: ein ökologischer Landwirtschaftsbetrieb, der auf Wildpflanzen setzt.

"Hübsch und lecker …"

Agnieszka Brugger
"Ich habe einen riesigen Flächen-Wahlkreis mit 44 Gemeinden, da ist es immer so, wenn ich in der einen Ecke intensiv unterwegs bin, dann gibt es immer eine Ecke, die sich beschwert, wo ist denn die Frau Brugger gerade?! Aber ich bin in den sitzungsfreien Wochen - fast so die Hälfte des Jahres - wirklich im Wahlkreis unterwegs, und versuche, von Nord nach Süd, und von Ost nach West im Wahlkreis präsent zu sein und für die Menschen ansprechbar zu sein."

Als 4-jähriges Mädchen kam sie mit ihren Eltern im Wendejahr ´89 aus Polen nach Dortmund, wo sie später auf ein katholisches Gymnasium ging.

Agnieszka Brugger
"Man kann mich nicht so einfach in Schubladen stecken. Ich sehe vielleicht mit den Piercings für einige Menschen etwas wilder aus, als man sich den Abgeordneten vorstellt, ich kann aber nicht sagen, liegt es daran, weil ich in Polen geboren bin oder nicht? Ich mache einfach das, was ich gerade für richtig halte und wonach es mir persönlich ist. Und das gibt dann unter Umständen ein Bild, das für einen Außenstehenden den einen oder anderen Widerspruch hat."

Schon als Kind war sie sensibilisiert für Ungerechtigkeit: Sie kam aus einer Zuwandererfamilie, sprach anfangs schlecht Deutsch, oft hat sie zu spüren bekommen, das sie hier "fremd" ist. Das war ein starkes Motiv, sich politisch zu engagieren: Als 19jährige trat sie den Grünen bei.

Junge

"Die Grünen sind halt meine Lieblingspartei. Weil ich das gut finde, dass sie sich stark für die Umwelt einsetzen und, dass die Welt nicht so schnell untergeht! Und dass sie gegen die Atomkraft sind."

Agnieszka Brugger
"Ich habe mit 13 noch nicht so viel über Politik gewusst und nachgedacht.
Mich fragen häufig junge Menschen: wie wird man denn so jung Bundestagsabgeordnete? Und dann sage ich immer: es kommt nicht darauf an, dass man perfekt reden kann, sondern es ist viel wichtiger, dass man etwas hat, was einen bewegt, dass man dafür einsteht, dass man sich dafür einsetzt."

In diesen vier Jahren ist sie sicher geworden auf dem politischen Parkett, sie will weitermachen und grüne Innen- und Außenpolitikpolitik vertreten: Keine Rüstungsexporte in Krisengebiete, keine amerikanischen Atomwaffen in Deutschland und: bessere Integrationspolitik für Einwanderer.

Agnieszka Brugger
"Ich habe natürlich den Großteil meines Lebens in Deutschland verbracht, trotzdem gibt es natürlich noch viel, was ich aus Polen mitgenommen habe. Und es regt mich bei dieser Debatte, wenn wir von Menschen, die aus einem nicht EU-Land kommen und hier die Chance haben, eingebürgert zu werden, verlangen zu entscheiden, was sie denn nun sind. Und ich glaube, man kann nicht einen Teil seiner Identität einfach so ablegen und sich nur für das eine oder für das andere entscheiden und die andere Hälfte ausradieren!"

Autor Wolfgang Kübel, rbb

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