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Zuerst feierten die Gebrüder Stanek im deutschen Alpin-Ski-Team Erfolge, dann kehrten sie zurück in ihren polnischen Heimatort Karpacz im Riesengebirge und bauten dort ein „Märchenland“ auf, für Groß und Klein.
"Przystanek Bavaria", also "Station Bayern" haben die Gebrüder Stanek ihre Pension genannt, mit Skischule und einem Skilift.
Jędrzej Stanek
"Ich habe alpines Skifahren gelernt; hier in Karpacz hat mein Abenteuer mit dieser Sportart begonnen. Ich bin in die Fußstapfen meines Bruders getreten, der ein Stipendium im Skigymnasium in Deutschland hatte. Ich besuchte ihn da und konnte sehen, wie diese Sportart dort überhaupt betrieben wird".
Tom Stanek
"Einerseits wollte ich immer Polen vertreten, aber das war eine besondere Zeit, die 90er. Die Sportclubs hatten kein Geld, wie es eben leider oft in Polen ist und die Eltern mussten ihre Kinder irgendwie alleine unterstützen. Ich habe mich getraut und wechselte meine Staatsangehörigkeit, weil es in Deutschland einfach ganz andere Möglichkeiten gab, Sportler zu fördern."
Jędrzej Stanek
"Mein Ziel war, die Weltmeisterschaft und die olympischen Spiele zu gewinnen. Das war für mich zweitrangig, ob mein Name unter der polnischen oder der deutschen Fahne steht. Ich habe es für mich getan und nicht für einen Staat."
Die Stanesk's lieben die Berge. Über ihren Stadtteil Wilcza Poręba, früher Wolfshau, führt einer der Wege auf die Schneekoppe, aber Wandern ist keine Herausforderung für sie.
Jędrzej Stanek
"Ich besuchte in Bayern die Schule. In dieser Region war man sogar Exot, wenn man aus München kam. Und dort tauchten wir zwei Polen plötzlich auf. Und es war am Anfang nicht einfach, sich zurechtzufinden. Harte Arbeit und Erfolge brachten uns dann Respekt bei anderen Skifahrern und bei der Konkurrenz."
Jędrek fuhr als Skirennläufer für den Deutschen Skiverband, mit Erfolg. Doch dann musste er seine Profikarriere beenden, wegen Knieverletzungen. Sein Bruder, Tom, wurde Trainer.
Tom Stanek
"Ich machte Karriere als Skilehrer in Deutschland und es lief sehr gut. Meine Schüler waren, das hat man bei ihren guten Ergebnissen gesehen, mit mir zufrieden. Und ich mit ihnen auch. Doch ich musste wegen meiner Familie nach Polen zurück, weil mein Papa, Andrzej, ist schwer krank geworden. Meine Eltern haben uns früher unterstützt, so sind wir zurückgekehrt nach Polen nach 15 Jahren Abwesenheit und mussten uns irgendwie hier zurechtzufinden."
Die Staneks setzen darauf, was sie am besten können – aufs Skifahren! Sie wollen Karpacz zu einem Wintersportzentrum machen. Aber nicht nur. Der Märchenpark
soll Familien mit Kindern rund ums Jahr in ihre Heimatstadt locken.
Jędrzej Stanek
"Das war eine Idee, die wir schon als Kinder aufgeschnappt haben, mit meinem Bruder Tomek. Unsere Oma hat uns in so einen Garten mitgenommen und wir waren beeindruckt."
Die Idee kommt gut an. Und immer wieder kommen neue Märchenstationen dazu. Ebenso wie auch neue Nachbarn. Barbara Jaskólska hat mit ihrem Mann gleich um die Ecke ein heruntergekommenes Gebäude gekauft.
Barbara Jaskólska
"Das Objekt hat uns tatsächlich verzaubert. Es war alt, zerstört, aber schön. Wir haben seine Geschichte recherchiert. Und wir fanden heraus, dass es in diesem Haus früher 16 Zimmer gab. Die historischen Quellen haben dieses Hotel gelobt wegen des guten Essens und der bequemen Betten. Also soll es bei uns auch gutes Essen und bequeme Betten geben."
Tradition verpflichtet. Nach drei Jahren Renovierungs- und Ausbauarbeiten entstand ein modernes Hotel für den modernen Wanderer, der heute etwas anderes erwartet als vor 100 Jahren.
Barbara Jaskólska
"Beim Bau haben wir altes Geschirr gefunden, u. a. mit der Aufschrift "Hotel Melzergrund". So hieß das Hotel, so nannte es sein erster Besitzer, und bevor er hier in den letzten Kriegstagen weggegangen ist, vergrub er das unter einem Baum."
Helena Fromm ist Medaillen-Gewinnerin bei Olympia in Teakwondo und die Freundin vom Jędrzej Stanek.
Helena Fromm
"Also in den letzen Jahren hat sich hier ganz viel verändert. Nicht nur mit dem Hotel, sondern auch mit dem Märchenpark und dem Spielplatz für die Kinder. Das hat vorher ausgesehen. Das kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen, wie es aussah. Auch bei Jędrek und mir hat sich persönlich etwas verändert. Denn wir werden unser erstes Baby im November bekommen. Deswegen kann ich mir auch vorstellen, hier zu leben."
Aber Bayern haben sie nicht vergessen. Im März fahren sie in den Skiurlaub – in die Alpen natürlich.
Tom Stanek
"Berzgonder Land, berzgonder Bier,
Tradition aus unserer Hoeimat
Wer einmal trinkt, der steht dafür
So narrisch guot ist unser Bier
Der Ami trinkt sein Wisky, der Engländer ein Tee
Der Russe säuft einen Vodka, immer gibt’s Kaffee
Das ist eine lange Geschichte. Damit mich die Bayern akzeptieren, musste ich ein bayerisches Lied lernen und es meinen Freunden vorsingen. Und dann haben sie gesagt, Tom, jetzt bist du ein richtiger Bayer, und sie haben mir diese Hose geschenkt."
Autorin Kinga Wołoszyn-Świerk, tvp






