Flyer von "Ruch Narodowy" - eine polnische nationale Bewegung (Quelle: rbb)

- 'Ruch Narodowy' – Polnische Nationale Bewegung macht mobil

Im Mai dieses Jahres wollen die polnischen Nationalisten ins Europaparlament. Ihre Parolen sind einfach: Kirche, Familie, Vaterland. Ihre Feinde sind Homosexuelle, Ausländer und andere Globalisten.

Mitten in Warschau.  Der Regenbogen vor der Erlöserkirche  ist wieder mal abgebrannt. Eigentlich ist er bunt, der Bogen, der als eine Kunstinstallation anlässlich der polnischen EU-Präsidentschaft entstand. Für die polnischen Nationalen ist er ein Symbol von "homosexueller Propaganda aus dem Westen" - ein Hassobjekt.

Diese Demonstranten "marschieren für die Unabhängigkeit", wie sie sagen. Sie nennen sich "Ruch Narodowy" – zu Deutsch "Nationale Bewegung".  Ihre Vertreter kandidieren bei der Europa-Wahl  im kommenden Mai.

Artur Zawisza, ist einer der Gründer der Bewegung. Schon als Abgeordneter der Kaczynski-Partei "Recht und Gerechtigkeit" war er einer der schärfsten Gegner der Europäischen Union.

Artur Zawisza
"Wir sind uns dessen bewusst und machen keinen Hehl daraus: der Marsch der Unabhängigkeit ist Ausdruck der sozialen Revolte der jungen Generation gegen das politische Establishment. Es ist eine polnische Besonderheit, dass diese  Revolte nicht im Zeichen des roten Sterns steht, sondern unter der weiß-roten Fahne stattfindet."

Sie tragen die Uniformen, mit denen die polnischen Soldaten gegen die Deutschen kämpften. Im sozialistischen Polen waren sie tabu. Die Traditionen des Widerstands gegen die Besatzer instrumentalisieren sie heute für ihre Zwecke: Fremdenhass!

Artur Zawisza
"Das Kapital hat keine Nationalität, doch  die Kapitalisten schon. Die wirklichen Eigentümer, die die Aktien der Banken besitzen sind Deutsche, Italiener oder Portugiesen. Solche Banken haben wir in Polen. Würden wir irgendwo in Westeuropa sagen, die Banken sollen an die Fremden gehen, würde man uns mit Spott und Empörung überziehen. Wir bitten also nur darum,  uns Polen nicht etwas anzudrehen, woran die Westeuropäer selber nicht glauben."

In den letzten Jahren kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den Nationalgesinnten und liberalen Gruppen.  Oft muss die  Polizei eingreifen,  wie hier in Wroclaw: Junge Leute demonstrieren gegen die Schwulenfeindlichkeit der sog. "Nationalen Bewegung".

Die Juristin Zofia Jablonska analysiert das homophobe Verhalten; sie weiß, dass es dabei um viel mehr geht, als nur starke Antipathien.

Zofia Jabłońska
"Die Teilnehmer dieser Märsche fordern mit ihren homophoben Losungen das Verbot des homosexuellen Lebensstils. Diese Parolen funktionieren wie eine Antriebskraft der nationalen Bewegung. Schwule sind der Inbegriff des schlimmsten Bösen, das Polen droht. Deswegen wird die "nationale Bewegung" gegen sie kämpfen."

Zofia Jabłońska
"In einer Situation wo es keine anderen Feinde gibt, sind Schwule als sichtbarer Feind gut geeignet. Rassismus tritt bei uns deswegen seltener in  Erscheinung, weil wir in Polen nur wenige erkennbar "ethnischen" Minderheiten haben. Ihre Zahl ist so gering, dass sie sich nicht zum Hassobjekt eignen. Es gibt natürlich vereinzelte brutale Angriffe, aber es sind nicht die "Andersfarbigen", die das "Polentum bedrohen würden".

Stettin. Auch hier in Westpommern findet die "Nationale Bewegung" immer mehr Anhänger. Sie bereiten sich schon auf den Europawahlkampf vor. Aus Warschau angereist ist der Anführer der Bewegung Robert Winnicki. Die örtliche Leitung hat ihn eingeladen: Die Unterstützung aus der Hauptstadt  ist besonders wichtig, weil hier etwas Neues passiert, ein Treffen mit Parlamentariern der rechtsradikalen ungarischen Jobbik- Partei. Die Nationalen Polens und Ungarns wollen nämlich zusammen arbeiten.

Robert Winnicki
"Die 68-er Revolution, die die heutigen europäischen Eliten hervorgebracht hat , ist für uns ein Vorzeichen des Niedergangs des Abendlandes. Ich denke hier an Leute wie Cohn-Bendit, Joschka Fischer, José Manuel Barroso, der Maoist war oder Cathrin Ashton, ehemalige Kommunistin. Für uns sind es Menschen, die unsere Welt, unsere Zivilisation und unsere Werte zu Fall bringen."

Die Gäste aus Budapest beklagen sich über ihre Regierung: die nationalkonservative Führung von Viktor Orban beginge nationalen Verrat! Die polnischen Gastgeber sehen weitgehende Parallelen zu ihrer Regierung und deswegen wollen sie jetzt stärker zusammen arbeiten. In diesen Büchern wird die Geschichte des 20. Jahrhunderts "interpretiert":  als eine Verschwörung Hitlers, Stalins und der Juden - gegen die polnische Nation.

Adam Wyszyński
"Ich glaube, die Leute kommen zu uns ausschließlich aus patriotischen Motiven.  Nach einiger Zeit, wenn die Kollegen einander und die Organisation besser kennen, leben sie sich ein. Ja, ehrlich gesagt, bilden wir hier im Grunde eine große Familie. Auch deswegen fühlen wir uns den Zielen unserer Organisation verpflichtet.

Gruppenbild mit ungarischen Brüdern. Die Internationale der europäischen Nationalen ist da!

Autorin Małgorzata Bucka

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