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Ihr Markenzeichen sind graue Kapuzenpullis: als Cocktailkleid, als Sakko oder als Frack. Antonina Samecka und Klara Kowtun aus Warschau haben vor anderthalb Jahren das Modelabel "Risk. Made in Warsaw" gegründet. Ein Hit bei deutschen Käufern ist die jüdische Kollektion. Motto der Sweatshirts mit Davidstern und Menora-Leuchter: Jude sein ist cool und sexy!
Sie wollten beweisen, dass es möglich ist: gut aussehen und es trotzdem bequem haben. Ihr Markenzeichen ist grau, "Risk made in Warsaw" haben sie ihr Label genannt. Und damit verstoßen die zwei Warschauer Designerinnen gegen jede Kleiderordnung der Hochglanzmagazine, für die sie früher selbst gearbeitet haben.
Antonina Samecka
"Früher, wenn ich von der Arbeit kam, freute ich mich schon auf meinen grauen Kapuzenpulli. Also habe ich mir überlegt, wie kann ich meinen geliebten grauen Kapuzenpullover mit sehr eleganten Schnitten verbinden, und daraus Cocktail-Kleider, Sakkos oder Hochzeitskleider machen. Mit diesem Konzept meldete ich mich bei Klara und sie sagte, ja auch sie habe zehn Kapuzenpullis im Schrank und die Idee sei klasse."
Klara Kowtun
"Je weiter man nach Osten kommt, desto auffälliger sind die Frauen gekleidet: das Make-up wird kräftiger, die Absätze werden höher, die Weiblichkeit wird stärker betont. Aber ich denke, bei den Polinnen ist das nicht mehr so stark: Sie mögen natürliche Klamotten, Sachen, die bequem sind."
In diesem Warschauer Hinterhof hat alles angefangen. Auf zwei Altbauwohnungen verteilt, werden hier die Kleider entworfen, Prototypen genäht. Inzwischen schreibt das "Risiko aus Warschau" schwarze Zahlen. Und neben der Farbe grau haben die Designerinnen gleich noch ein Markenzeichen geschaffen: die "jüdische" Kollektion!
Antonina Samecka
"oy oy my boy is goy" spielt darauf an, dass Jüdinnen lieber einen goy, also einen Nichtjuden haben wollen. Aber das ist kein Problem, denn aus einem goy und einer Jüdin wird ohnehin ein Jude!"
Auf der Hose steht hinten auf Hebräisch: hinter jedem schlauen Mann steht eine jüdische Frau. Die Idee der Kollektion ist die: "Lasst uns der jüdischen Identität ein neues Image geben und zeigen: Jüdisch sein ist cool und sexy."
Entworfen für die Nacht der Synagogen in Krakau, hat sich die jüdische Kollektion zum Verkaufshit entwickelt – vor allem bei der deutschen Kundschaft! Aber auch die Polen mögen die skandinavischen Muster mit dem Davidstern.
Antonina Samecka
"Mit dem Jüdisch sein in Polen ist es etwa so wie mit Soho in New York: Das war früher ein gefährlicher Stadtteil und die Leute hatten Angst, dort hinzugehen. Und früher war es gefährlich, Jude zu sein. Jetzt möchte jeder in Soho ein Apartment kaufen und in Warschau will jeder plötzlich Jude sein. Das ist schon ein lustiges Phänomen."
Die Designerin spielt mit ihrer jüdischen Identität. Sie bringt das kulturelle Know how mit. Die beiden Grafiker müssen die Ideen so umsetzen, dass auch "Goys" wie sie den Witz verstehen.
Antonina Samecka
"Es geht nicht darum, die Witze oberflächlich zu machen – sie sind nur verkürzt, auf dem Niveau von Hip-Hop! Würde wir es nur für die jüdische Community machen, würden wir uns bestimmt im Detail verlieren."
Igor Kubik
"Wenn ich es alleine machen müsste und nicht die Mädels getroffen hätte, mit denen ich darüber sprechen kann, hätte ich sicher Angst gehabt, ein Thema anzufassen, dem die Geschichte gewisse Grenzen gesetzt hat. Aber so haben die Mädels die ganze Verantwortung auf sich genommen. Und wir haben keine Angst davor, etwas auszuprobieren, uns etwas zu trauen."
Die Kapuzen-Mode wird inzwischen nicht nur in Polen, Deutschland, England, sondern auch in Saudi-Arabien nachgefragt. Die beiden Designerinnen haben schon neue Geschäftsideen – wie die Puppenmode – entwickelt. Aber auch das soll nicht alles gewesen sein.
Klara Kowtun
"Wir hätten gerne Boutiquen in Berlin, London, New York und Tel Aviv! Es würden aber keine Läden auf einer Shoppingmeile sein: wir würden daraus ein Erlebnis machen, und es sollte ein ganz besonderer Ort sein. Auf jeden Fall kann man davon ausgehen, dass es nicht bei dem grauen Kapuzenpullover bleiben wird, uns gehen die Ideen noch lange nicht aus!"
Autorin Katharina Zabrzynski





