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Der neunjährige Srulik kann im zweiten Weltkrieg aus dem Warschauer Ghetto fliehen und versteckt sich zwei Jahre lang im Wald. Um zu überleben, hält er seine jüdische Identität geheim und gibt sich als katholisches Waisenkind aus. Heute lebt Srulik als Yoram Fridman in Israel. Seine bewegende Fluchtgeschichte wurde von Pepe Danquart verfilmt und hatte jetzt in Warschau Premiere.
Filmausschnitt "Lauf, Junge, lauf"
Auf der Flucht im eiskalten Winter 1942/43. Der kleine Srulik läuft um sein Leben im Wald bei Warschau. Wenn die Deutschen den jüdischen Jungen zu fassen kriegen, ist er tot. Es ist seine Geschichte: 1942 war Yoram Fridman fast genauso alt wie die Zwillingsbrüder, Kamil und Andrzej Tkacz. Sie spielen den kleinen Srulik.
Filmpremiere in Warschauer Jüdischen Museum – "Biegnij, chłopcze, biegnij" – "Lauf Junge, lauf".
Der Neunjährige ist aus dem Warschauer Ghetto geflohen. 2 Jahre wird er sich alleine durch schlagen. Gepeinigt von Kälte, Angst und Hunger.
Yoram Fridman
"Es gab viele Polen, die mir geholfen haben, mich versteckt haben. Z.B. diese Frau, die mich gerettet hat, auskuriert hat, weil ich Krätze hatte. Sie hat mir alle Gebete beigebracht, die katholischen Gebete, oft kam ich zu ihr."
Er hat überlebt, weil er erzählte, ein polnisches Waisenkind zu sein, Jurek Staniak.
Filmausschnitt
Keine Angst, ich verrate dich nicht. Gut, dass du einen polnischen Namen hast. Für mich bist du eben Jurek Staniak, mir genügt das.
Filmausschnitt
So, Jurek, jetzt pass auf ... Das Versteck, falls die Deutschen kommen. Und die "richtige" Lebensgeschichte.
Filmausschnitt
Und als der Krieg anfing, da bist du mit deinen Eltern aus dem Dorf geflohen. Wie heißt noch mal das Dorf?
Ah, ich kann mich nicht mehr erinnern.
Heilige Maria ...
Mutter Gottes ...
Pepe Danquart
Regisseur'
"Man glaubt, über diese Periode, Vierzig, Zweiter Weltkrieg, Holocaust, da ist schon alles erzählt, aber wenn du dann feststellst, wenn du eine Geschichte findest, die noch nicht erzählt wurde, dann ist ja super spannend. Und dann ganz konsequent, aus den Augen und aus der Sicht eines Jungen, eines 8jährigen Jungen, der sich alleine durchschlägt, und das unter falscher Identität als polnisches Weisenkind."
1940 wird er mit seiner Familie in das Warschauer Ghetto deportiert. Als einzigem gelingt ihm die Flucht auf die "arische" Seite.
Susa Kusche
Produzentin
"Was uns sofort gepackt hat, war eben dieses Lebenswille dieses kleinen Jungen, und als ich das Buch damals gelesen habe, da war meine Tochter gerade mal acht, also so alt wie der Junge, und ich habe mir beim durchblättern mir gedacht, mein Kind wäre heutzutage nicht in der Lage, in dieser Situation zu überleben und diesen Optimismus zu entwickeln, aber auch in gewissen Maße, diese Naivität zu behalten."
Die Härte des Überlebens im Winter haben auch die kleinen Darsteller von Srulik zu spüren bekommen. Die Zwillinge Kamil und Andrzej wechseln sich bei den Dreharbeiten ab. Sonst hätte das Team den Film nicht machen können.
Kamil & Andrzej Tkac
"Für mich war das eine sehr, sehr unwahrscheinliche Geschichte, eine fast unmögliche. Ich konnte mir ganz einfach nicht vorstellen, wie ein Mensch sowas überleben kann. Wie Herr Yoram mutig sein musste, kämpferisch, um das alles auszuhalten. Für mich ist er ein Held und ich bewundere ihn sehr."
Den Zwillingen gelingt es, diese unvorstellbare Geschichte die Zuschauer mit empfinden zu lassen. Das Buch hat er geschrieben: Uri Orlev, Kinderbuchautor aus Israel, auch er hat das Warschauer Ghetto überlebt. Yoram, der Junge, der in den Wäldern um sein Leben rannte, hatte ihm seine Geschichte erzählt. "Lauf, Junge, lauf" wurde Unterrichtsstoff an vielen Schulen, auch an deutschen.
Podiumsdiskussion nach der Filmpremiere.
Yoram Fridman
"Seine Herkunft kann man nicht vergessen. Eltern kann man nicht vergessen. Aber ich hab’ mich nie verraten, dass ich ein Jude bin.
Schülerin
"Im Film wichtig ist u.a. auch die christliche Religion, Gebete, Rosenkranz, Kreuz. Wie war es denn bei Ihnen, waren Sie innerlich zerrissen, war das eine große Umstellung für Sie?"
Yoram Fridman
"Bis 46' lebte ich bei den Polen, ich praktizierte den christlichen Glauben, 100%. Sogar später, als ich in einem jüdischen Waisenhaus war, bis '48, da ging ich mehrmals in der Woche in die Kirche, lernte neue Gebete, das war für mich normal. Ich wusste, das hilft mir am Leben zu bleiben. Deshalb wollte ich anfangs nicht zum Judentum zurückkehren, weil ich wusste, die Juden werden getötet."
Filmausschnitt
Name?
Jurek Staniak.
Du bist ein Jude?
Nein.
Hose runter... Und was ist das?
Ich habe eine Entzündung gehabt, sie musste operiert werden.
Wenn du so machst, was sagst du dann dazu?
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen!
Du bist ein gescheiter Bursche, is' doch Scheiße, dass du ein Jude bist!
Zwei lange Jahre rennt das Kind um sein Leben.
Yoram Fridmann
"Ich hatte viel Glück. In jeder Situation schaffe ich es, bis heute. Es gab viele Leute, die mir geholfen haben. Es gab natürlich auch welche, die mich für eine Flasche Vodka verkauft hätten. Aber ... ich hatte eben viel Glück."
Heute ist Yoram Fridman 81. Zur Filmpremiere nach Warschau ist er aus Israel mit seiner Familie gekommen, mit Kindern und Enkelkindern.
Autor Krzysztof Czajka





