Mikolaj Grymowicz aus Warschau (Quelle: rbb)

- Poesie verbindet

Mikolaj Grymowicz aus Warschau kennt viele Weltuntergangsszenarien aus Computerspielen und Hollywood - Filmen. Doch er findet sie langweilig im Vergleich zum Weltende, das der polnische Dichter Czeslaw Milosz beschrieben hat. Deshalb ist sein Gedicht "Das Lied vom Ende der Welt" das Lieblingsgedicht des zwölfjährigen Mikolaj.

Man kann das Ende der Welt nicht nur als Paradies malen, sondern auch als Jüngstes Gericht.
In Danzig hängt das Gemälde "Das Jüngste Gericht" von Hans Memling.

 

Ich mag den Winter sehr, weil ich dann Geburtstag und Namenstag habe.
Außerdem ist dann noch Weihnachten und wir fahren in Urlaub.

 

Ich heiße Mikołaj Grymowicz, ich bin 12 Jahre alt und lebe in Warschau, gemeinsam mit meinen Eltern und meinen zwei kleinen Schwestern. Ich bin am 27. Januar geboren, am selben Tag wie Mozart. Und auch eine Freundin von mir.

Das ist der Blick aus meinem Fenster.

Das Gedicht, das ich mir ausgesucht habe, hat mir gefallen, weil ich denke, dass ich es ein wenig verstanden habe. Weil ich nämlich nicht jedes Gedicht so leicht verstehe. Es geht um den Weltuntergang, der ja am 21. Dezember 2012 eintreten sollte. Aber zum Glück haben wir auch diesen Weltuntergang überlebt. Und im Augenblick scheint ja alles ganz zu laufen.

 

Czesław Miłosz
Das Lied vom Weltende

Am Tag des Weltendes
Kreist eine Biene über der Kapuzinerkresse,
Flickt der Fischer das glitzernde Netz,
Springen im Meer die fröhlichen Delphine,
Junge Sperlinge krallen sich an der Rinne fest
Und die Schlange hat eine goldene Haut, wie sich das gehört.

Am Tag des Weltendes
Gehen Frauen unter Sonnenschirmen übers Feld,
Schläft der Säufer am Rasenrand ein,
Rufen Gemüsehändler auf der Straße,
Und das Boot mit dem gelben Segeln inselwärts ist bestellt,

Der Klang der Geige hängt in der Luft
Und die Sternennacht fliegt vorbei.
Und die auf Blitze und Donnerschlag gewartet haben,
Sind enttäuscht.
Und die auf Zeichen und Posaunen der Erzengel gewartet haben,
Glauben nicht, dass es bereits geschieht.
Solange man Sonne und Mond droben sieht,
Solange die Hummel die Rose befliegt,
Solange rosige Kinder geboren werden,
Glaubt niemand, dass es bereits geschieht.
Nur der grauhaarige Greis, der ein Prophet sein könnte,
Aber er ist keiner, denn er hat andres zu tun,
verkündet beim Anbinden der Tomaten:
Ein anderes Weltende wird es nicht geben,
Ein anderes Weltende wird es nicht geben.

… Delfine springen im Meer, Bienen kreisen, ein Fischer knüpft sein Netz …
ein grauhaariger Alter, ein Prophet, der, anstatt zu prophezeien, Tomaten anbindet, sich auf den Alltag konzentriert …

 

In Hollywood-Filmen und Computerspielen sieht das Ende der Welt meistens so aus,
dass alle schreien, dass die Erde bebt und alles explodiert und überall Hysterie herrscht,
man könnte sagen: ein großes Chaos.

Und hier hat das alles mehr Würde.

Ich bin Christ, also habe ich – gewissermaßen – keine Angst vor dem Ende der Welt. Endzeitspiele und so was spiele ich eigentlich kaum, weil ich sie langweilig finde. Ich spiele lieber Geschicklichkeitsspiele und Denkspiele.

Wie man Ende definieren soll … die Beendigung von etwas, das für eine gewisse Zeit existiert hat. Für den Menschen ist das sicherlich der Tod. Für den Schnee bedeutet das Ende zum Beispiel, dass er zu Wasser wird.

Heute ist der 9. Februar. Es sind 20 cm Schnee gefallen. Ich habe ein bisschen Schnee gefegt und mir ein belegtes Brot gemacht. Ich habe ein Spiel auf dem Computer installiert. Und ich habe den Müll raus gebracht.

Eben so ein ganz normaler Tag, wie in dem Gedicht von Miłosz. Nur dass die Welt heute hoffentlich nicht untergeht.

Autorin Ewa Zadrzyńsk

weitere Themen der Sendung

Designerin Antonina Samecka (Quelle: rbb)

Kapuzenfrack mit Davidstern

Ihr Markenzeichen sind graue Kapuzenpullis: als Cocktailkleid, als Sakko oder als Frack. Antonina Samecka und Klara Kowtun aus Warschau haben vor anderthalb Jahren das Modelabel "Risk. Made in Warsaw" gegründet. Ein Hit bei deutschen Käufern ist die jüdische Kollektion. Motto der Sweatshirts mit Davidstern und Menora-Leuchter: Jude sein ist cool und sexy!

Ausschnitt aus dem Film "Lauf, Junge lauf" (Quelle: rbb)

Lauf Junge lauf

Der neunjährige Srulik kann im zweiten Weltkrieg aus dem Warschauer Ghetto fliehen und versteckt sich zwei Jahre lang im Wald. Um zu überleben, hält er seine jüdische Identität geheim und gibt sich als katholisches Waisenkind aus. Heute lebt Srulik als Yoram Fridman in Israel. Seine bewegende Fluchtgeschichte wurde von Pepe Danquart verfilmt und hatte jetzt in Warschau Premiere.

Windhunter Roman Synowski (Quelle: rbb)

Ein Windhunter aus Polen

Roman Synowski hat sich die Suche nach Wind zu seiner Lebensaufgabe gemacht und an der polnischen Küste in Koszalin eine Firma gegründet. Zusammen mit seinem Team will er Polen für erneuerbare Energien begeistern. Sein Handwerk hat der weltweit agierende Windhunter in Berlin gelernt.