Windhunter Roman Synowski (Quelle: rbb)

- Ein Windhunter aus Polen

Roman Synowski hat sich die Suche nach Wind zu seiner Lebensaufgabe gemacht und an der polnischen Küste in Koszalin eine Firma gegründet. Zusammen mit seinem Team will er Polen für erneuerbare Energien begeistern. Sein Handwerk hat der weltweit agierende Windhunter in Berlin gelernt.

So stellt man sich Polen vor: Kohlekraftwerke verpesten unsere gute europäische Luft. Tonnenweise wird das polnische Gold verbrannt. Was viele nicht wissen: Polen ist Nummer eins unter den neuen EU-Ländern beim Ausbau erneuerbarer Energien. Roman Synowski ist das, was man einen Windjäger nennt. Seine Firma sucht die "zugigsten Ecken" für Investoren, die neue Windparks bauen wollen.


Roman Synowski
"Wir haben in Polen gute bis sehr gute Windverhältnisse, die wir mittlerweile auch sehr gut kennen und nutzen. Wir erzeugen schon 3000 MegaWatt mit Windenergie. Das heißt, wir haben schon eine ganze Menge Windkraftanlagen hier."

Roman Synowski
"Was mich an meiner Arbeit am meisten fasziniert: ich kann etwas fassen, das eigentlich unfassbar ist: den Wind!"

Probleme lassen sich am besten draußen, beim Laufen lösen, sagt Roman Synowski. Der starke Wind an der Küste tut nicht nur ihm gut sondern auch der ganzen Region.

Roman Synowski
"Nordpolen ist ein infrastrukturell, schon geschichtlich bedingt, schwaches Land. Es gibt keine Fabriken, oder kaum Fabriken, es gibt nur die Landwirtschaft und Touristik. Die Windenergie bringt ganz einfach Arbeitsplätze und Steuern für die Gemeinden, die finanziell sehr schwach stehen."

Während seines Studiums in Berlin vor 15 Jahren lernte er Wind als Energiequelle kennen. Jetzt hat er den deutsch-polnischen Windenergie Klub gegründet: regelmäßig tauschen sich mittelständische Unternehmen über das Neueste in der Windbranche aus.


Roman Synowski
"Es ist unbestritten, dass wir in Polen von dem Know How, dass Deutschland hinsichtlich der Windenergie hat, richtig schöpfen können. Das ist vielleicht nicht so bekannt, aber Polen ist ein sehr wichtiger Lieferant für Komponenten, für Türme von Windkraftanlagen; die Rotorblätter werden zum großen Teil in diesem Teil von Europa in Polen produziert."

In zehn Jahren ist sein Serviceunternehmen für die Windbranche auf 80 Mitarbeiter gewachsen: Ingenieure, Messtechniker, erfahrene Kletterer. Und: er versucht für das Thema Energiewende in Polen zu werben. Hier hat die Politik noch Nachholbedarf.


Roman Synowski
"Wir haben in Polen ein großes Problem mit der Definition der grünen Energie. Im Gesetz ist dies nach dem Wortlaut die Windenergie, die Solarenergie, die Wasserkraft und Energie erzeugt aus Holzresten und der Biomasse. Und heute verbrennt man reines Holz, auch aus Regenwäldern auch aus Afrika. Dass zweihundert Jahre alt ist und erklärt das für grüne Energie.

 

Von seinem Firmensitz im nordpolnischen Koszalin organisiert er Windmessungen in ganz Europa und in Teilen Afrikas. Sein Team hat inzwischen 750 Windmessanlagen in 32 Ländern aufgestellt. Die Eurokrise hat auch sein Unternehmen zu spüren bekommen – aber Roman Synowski ist überzeugt, dass die Windkraft ein Wachstumsmarkt bleiben wird.


Deshalb – und um ein zweites Standbein zu haben – gründete er vor zwei Jahren seine "Windakademie": ein Schulungszentrum für die Fachkräfte der Branche.


Ewelina Frank leitet die Akademie. Die passionierte Bergsteigerin bringt Handwerkern und Technikern bei, wie man in extremen Höhen arbeitet.

Ewelina Frank
"Das ist ein Traumjob für jemanden, der einst viel geklettert ist und jetzt wegen der Familie nicht mehr so viel reisen kann. Auf die Turbinen steige ich aber gerne bei, jeder Gelegenheit."

 

Bei dieser "Rettungsaktion" gibt die dreifache Mutter Ewelina Frank das Opfer: Monteure, die auf einer Windkraftanlage arbeiten, müssen erste Hilfe unter dramatischen Bedingungen leisten können. Bergung gehört zu den Standardkursen der Windakademie. Und es ist der Lieblingskurs für Ewelina: endlich wieder Höhenluft und wenn es nur auf der Turbine ist.

Die Windjäger von Koszalin sehen sich als Pioniere und von der der Politik allein gelassen. Roman Synowski weiß nicht, warum das versprochene Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien nicht voran kommt.

 

Roman Synowski
"Ich wünsche mir, dass die Politik nicht nur an die nächsten Wahlen denkt, sondern an die nächsten Generationen. Weil die nächsten Generationen zählen auch auf uns, auf unsere Verantwortung, die wir der Welt gegenüber tragen.

Autorin Magdalena Zieba-Schwind

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Kapuzenfrack mit Davidstern

Ihr Markenzeichen sind graue Kapuzenpullis: als Cocktailkleid, als Sakko oder als Frack. Antonina Samecka und Klara Kowtun aus Warschau haben vor anderthalb Jahren das Modelabel "Risk. Made in Warsaw" gegründet. Ein Hit bei deutschen Käufern ist die jüdische Kollektion. Motto der Sweatshirts mit Davidstern und Menora-Leuchter: Jude sein ist cool und sexy!

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Lauf Junge lauf

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