Fahne mit einem Fragezeichen weht im Wind (Quelle: rbb)

- Berliner Zwischenräume

Überlebenskünstler und Grenzgänger nutzen ein seit 23 Jahren brach liegendes Gelände mitten in Berlin – ein geheimnisvoller, magischer Ort.

Was ist es, oder polnisch gefragt: "Wiehaißter"? Gebäude, Raum, Raumschiff ?, Denkmal ?, Bestand - oder Naturschutzgebiet?

Ist es überhaupt da, oder existiert es nur in der Vorstellung derer, die hier jeden Tag  Neues kreieren? Sie haben diesen Ort lebendig gemacht. Zum Beispiel Mike Jäger. Er ist  noch nicht lange in Berlin. Aber eins hat der Graffiti-Künstler schon gelernt: Hier sind die Flächen noch frei!

Mike Jäger

Künstler der Künstlergruppe Mi-ka-do
"Berlin ist, so wie ich das mitbekommen hab, einer der wichtigsten Orte in der ganzen Welt und gerade jetzte ist es einer der wichtigsten Orte für Kunst, hier gibt es noch ein wenig Street Art, hier gibt es noch ein wenig eine Graffiti Szene, und auch wenn es alles immer viel weißer wird, entsteht hier noch viel aus dem ... ich würde fast sagen aus dem Trash heraus, aus der Improvisation heraus. Das macht die Stadt aus, hier ist nicht besonders viel Geld, hier ist mehr Kreativität."

Trash als künstlerische Inspiration, billiger Raum  für kreativen Selbstausdruck. Er nennt es "Zwischenräume": Patrick Lux hat das verfallene Postfuhramt für die Kunstszene entdeckt.

Patrice Lux

"Na es geht um Freundschaft, es geht um Vertrauen, es geht um miteinander gestalten und wenn man das alles zusammen hat, dann kann man sich eigentlich jeden Tag freuen, mit den Leuten zu arbeiten, zu diskutieren, Visionen zu fassen, das ist die Gemeinsamkeit."

Im Kollektiv leben und arbeiten – und dennoch ganz individuelle Werke kreieren. Vielen dieser Objekte  sieht man an, dass diese Künstler in ihrem Leben schon mehr als einen Ort kennen gelernt haben. Julia Ossko, zum Beispiel kommt aus München, hat in New York, Paris, Mexico gelebt, aber es zog sie immer wieder nach Berlin.

Julia Ossko

Künstlerin
"Wer hat diese "Unvollendete Symphonie" geschrieben? War es Mahler? Ich weiß nicht mehr, es gibt diese "Unvollendete" ... Ein offenes Ende lässt immer Raum für eigene Gedanken und damit auch für Inspiration ja? Ich habe so viel Entwicklung in dieser Stadt beobachtet, es ist immer in Bewegung, es ist irre, es ist Wahnsinn. Immer aber auch mit einer Geschichte, die uns alle betrifft, der wir uns nicht entziehen können, die uns auch am Boden hält."

Gezeichnet, die Stadt, von ihrer Geschichte, verwundet und verwunschen der Ort.

Agnes Kuciel

Kuratorin
"Diese Freiheit, und diese Möglichkeit etwas zu schaffen, was mir persönlich sehr wichtig ist. Ich habe immer davon geträumt, einen kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Polen zu organisieren. Und hier habe ich einen Ort gefunden, an dem ich es mir sehr gut vorstellen kann. Ich möchte in Zukunft weiter in diese Richtung arbeiten, und den Austausch  weiter entwickeln - nicht nur zwischen diesen beiden Ländern, sondern in jede mögliche Richtung: nach Osten, Westen, Norden, Süden."

Das Künstlerkollektiv  ist inzwischen weiter gezogen. Solche gemeinsamen Abendessen sind im Winter nicht möglich, nicht in einem Gebäude ohne Fenster. Sie machen woanders, mit anderen Künstlern weiter. Daraus wird wieder Neues entstehen. Die Utopie bleibt unvollendet  –  vorerst ...

Autorin Aneta Panek

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