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Hairy Geishas & Yakuzas with boobs – so heißt eine japanische Performance im Club der Polnischen Versager in Berlin Mitte. Es ist vielleicht die schrillste Gruppe, die man in der Stadt derzeit erleben kann. Der Club füllt sich dann mit Manga- und Samurai-ähnlichen Gestalten, die in Berlin nach Freiheit und neuer Identität suchen.
Mit Tanz lässt sich besser "übersetzen", was die Japaner "Haiku"-Gedichte nennen. Dieses lautet in deutschen Worten: Barfuß laufe ich / durch den Regen / meiner Heimat.
Mitani Nobuhiro ist "Butoh"-Tänzer. Buto das ist die Rebellion des Körpers gegen alles was starr und fest gefügt erscheint. Nobuhiro kam aus Kobe über Tokio und Paris nach Berlin. Der Stadt der fließenden Grenzen.
Tänzer, Musiker, Dichter aus Japan suchen und finden derzeit neue Heimaten in Berlin.
Mitani Nobuhiro findet, dass das, was ihm gerade in Berlin passiert, eigentlich so schön sei wie ein Gedicht.
Nobuhiro Mitani
"Mir sind viele schöne Sachen in Berlin passiert: hier habe ich meinen Freund und Lebenspartner kennen gelernt. Ich habe hier ein Zuhause gefunden, ein Visum und eine Arbeit bekommen. Und ich habe Lust hier noch viel mehr zu erleben, ich bin sehr glücklich, in Berlin zu sein."
Die Brüder Makoto und Yutaka Sakamoto haben soeben ihre neue Platte produziert. Was brachte sie auf die Idee, nach Berlin zu kommen?
Makoto Sakamoto
"Das war eigentlich so mein Bauchgefühl, und ich wollte so wie so aus Japan raus. Meine Lieblingskünstler kommen aus Berlin, ich wollte unbedingt in der selben Stadt leben wie sie, die selbe Luft atmen und vor allem von den selben Labels unsere Musik herausgeben lassen. Deshalb."
Yutaka Sakamoto
"Ich bin gekommen, weil mein Bruder Makoto gesagt hat: lass uns gehen!"
Electromusic, Art-Tech-House, Hip Hop – aus diesem Mix machen sie ihre eigene Musik, in ihrem Tonstudio in Berlin Ostkreuz. Ihre Sprache ist Musik. Jetzt kommt noch Deutsch dazu.
Makoto Sakamoto
"So geht das, wenn man eine neue Sprache lernen will: 'ich bin kein Japaner mehr' - so muss man herangehen, um eine neue Sprache lernen zu können."
Yutaka Sakamoto
"Ich habe Stück für Stück Deutsch gelernt, und gleichzeitig habe ich auch Japanisch und Englisch Stück für Stück vergessen."
In Japan lernen die Kinder in der Regel das Wesen des Zeichens. Die Kunst des Schreibens pauken sie im Privatunterricht. Und sie lernen, dass Ausdruck in Wort und Bild viel mit Assoziation zu tun hat.
Nobuhiro Mitani
"Mein Tanz, das ist nicht nur der Butoh. Natürlich sind da auch Elemente vom traditionellen Butoh, aber es ist viel mehr Improvisisation, mit vielen natürlichen Bewegungen, ohne Kategorien! Mir geht es um Improvisation und Fantasie."
Tanz, Sprache und Musik als Identitätssuche; als Prozess des Selbstvergessens - und der Selbsterkenntnis,
Wenn ein Japaner in Berlin die Nudeln des Italieners, die ein Türke gekocht hat, aufgabelt – dafür haben moderne Soziologen das Konzept der Transkulturalität erfunden!
Yutaka Sakamoto
"Das hier erinnert mich an das Japan von früher, das mag ich."
Makoto und Yutaka Sakamoto
"Natürlich vermissen wir Japan, jeden Tag, klar!"
Und wenn die Sehnsucht zu groß wird, dann treffen sie sich mit anderen Menschen aus dem Osten: Im Club der Polnischen Versager hat die japanische Community von Berlin ihr zweites Zuhause gefunden.
Performer, Musiker, Dichter treten regelmäßig hier auf.
Nobuhiro Mitani
"Diese Japanische Community (Gemeinschaft) in Berlin, das ist auch ein Stück Heimat. Wir treffen uns nach der Arbeit um Japanisch zu sprechen, um miteinander Zeit zu verbringen. "Gemeinschaft" - das ist sehr wichtig für Japaner!"
Was ist schließlich Poesie? Poesie ist etwas, das stirbt, wenn man es übersetzt – und dabei wieder aufersteht!.
Beitrag von Aneta Panek






