- Jüdische Schule in Breslau

Breslau, das einst für sein fortschrittliches dreikonfessionelles Schulsystem bekannt war, hat nun wieder eine jüdische Schule. Sie gilt als so gut, dass auch Eltern christlicher Kinder ihren Nachwuchs gerne dort anmelden.

Zum Beispiel Tosia Kosmala: Sie ist zwölf, besucht die fünfte Klasse. Schon vor ihrer Geburt hatten ihre Eltern sie an der jüdischen Szalom-Alejchem-Grundschule angemeldet. Familie Kosmala sind Christen. Aber sie hatten gehört, wie gut der Unterricht an dieser Schule sein soll.

Dorota Kosmala
Mutter
Die Wahl fiel nicht schwer. Wir wohnen hier im Stadtteil der "Vier Gotteshäuser", das heißt der vier Religionen. Ich hatte gehört, wie positiv andere Eltern hier im Viertel über diese Schule gesprochen haben. Wir haben Tosia auf diese Schule geschickt, weil sie für mich die beste ist.

Es ist schon die zweite jüdische Grundschule in Breslau. Noch ist die jüdische Gemeinde in Breslau klein, aber sie wächst.

Tosia Kosmala
Schülerin
Wir lernen hier alles was man sonst so lernt, haben aber zusätzlich noch die Fächer "Jüdische Geschichte", "Hebräisch" und "Jüdische Kultur".

Nur acht Schüler gehen in Tosias Klasse. Auf Kreativität wird besonderer Wert gelegt. Spielerisch lernen die Kinder auch das Grundwissen der jüdischen Tradition.

Ewa Solska
Lehrerin
Wir leben im Rhythmus der jüdischen Feiertage, das ganze Jahr über. Es ist eine wunderschöne, farbige Welt. Im September fangen wir an mit dem jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana. Wir bauen dann Hütten, malen sie an, wir malen Früchte und mit denen schmücken wir auf dem Hof die Hütten.

Musik macht schlau und fördert die soziale Kompetenz. Der Schule ist es wichtig, die Kinder im Geiste der Toleranz und zum Respekt gegenüber allen Religionen und Kulturen zu erziehen.

Lucyna Rojzen-Siedlicka
Direktorin
Die Schule hat vor allem zwei wichtige Ziele. Zum einen möchten wir Menschen mit jüdischen Wurzeln wieder in die jüdische Gemeinschaft integrieren. Damit fängt man am besten bei den Kindern an. Zweitens wollen wir, dass die Kinder lernen, wenn jemand anders ist, muss man keine Angst vor ihm haben!

Juden sind Menschen wie alle anderen: Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, Zeugen Jehovas, Menschen aller Glaubensrichtungen. Unsere Schüler sind sehr offen, haben vor nichts Angst, auch keine Angst davor, Fragen zu stellen. Das ist das Wichtigste. Sie verlassen unsere Schule und sind unsere Botschafter. Sie tragen weiter, dass man alle Menschen wertschätzen muss.

Trägerin der Schule ist eine gemeinnützige Stiftung. Die Schule ist nicht billig. Rund 200 Euro Schulgebühren müssen die Eltern im Monat bezahlen. Wenn sie es sich leisten können.

Bartłomiej Kosik
Ratsvorsitzender der Paula-Ollendorff-Stiftung
Die Schule ist in erster Linie für die jüdische Minderheit da, aber nicht nur für sie. Wir nehmen alle Kinder auf. Finanziell benachteiligte Kinder bezahlen bei uns kein Schulgeld. Denn die höchste Form des Tzedakah, das ist im Judentum die Wohltätigkeit, ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Man gibt den Bedürftigen keine Almosen, sondern hilft ihnen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Was sie später einmal werden will, weiß Tosia noch nicht. Aber ihre Mutter ist zuversichtlich, denn das Wesentliche hat die 12-Jährige schon gelernt:

Dorota Kosmala
Mutter
Wir möchten, dass Tosia zu einem offenen Menschen heranwächst, der neugierig auf die Welt, auf die unterschiedlichen Kulturen und Religionen ist. Und wenn sie irgendwann erwachsen und reif genug ist, um so wichtige Entscheidungen zu treffen, soll sie sich selbst aussuchen, wer sie sein möchte.

Autorin Kinga Wołoszyn-Świerk, tvp