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Rund 10.000 Physiker aus ganz Europa versuchen am CERN die Geheimnisse der Materie zu erforschen. Bei der Suche nach der Weltformel darf natürlich auch Kowalski nicht fehlen.
Marek Kowalski
CERN & Polnische Akademie der Wissenschaften, Kraków
"Hallo, Herr Darek, Ihnen ist doch klar, dass Sie heute ein Fernseh-Star werden?! Beeilen Sie sich, wir warten schon alle auf Sie. Ah, Sie wissen nicht wo ich sitze? Baracke 544! Wissen Sie wo das ist?"
Baracke 544 ist von hier oben nicht direkt zu erkennen. Wir sind in Genf, im Mekka der Physik. CERN, die europäische Organisation für Kernforschung. Gegründet 1954, mitten im Kalten Krieg, von westeuropäischen Staaten. Polen war also nicht dabei. Erst nach der Wende wurden auch ehemalige sozialistische Staaten Mitglied. Von den 10.000 Wissenschaftlern sind fast 200 Polen. Gemeinsam forschen sie nach dem Ursprung der Welt.
Marek Kowalski und Dariusz Miśkowiec zeigen uns ihren Arbeitsplatz und erklären uns ihr Projekt: ALICE. Wir sind in der Küche der Physik.
Marek Kowalski
CERN & Polnische Akademie der Wissenschaften, Kraków
"Das ist ein Prototyp eines der wichtigsten Detektoren von ALICE. Was wir hier sehen ist im LHC-Tunnel – also im "Großen Hadronenspeicherring", dem größten Teilchenbeschleuniger der Welt, nicht zu sehen: weil dort alles eingebaut und verkabelt ist, deshalb sieht man das dort nicht. Hier testen wir die Elektronik, hier sieht man die elektronischen Bauteile…
Und diese Elektronik soll den Menschen helfen soll zu verstehen, was passiert, wenn Atomkerne aufeinanderprallen – und ihre Geheimnisse preisgeben.
Dariusz Miśkowiec
CERN & GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung
"Die hier verwendete Elektronik kann man nicht kaufen, sie wurde in jahrelanger Arbeit eigens für diesen Detektor entwickelt. Aber das, was wir für diesen Detektor entworfen haben, das kann man später in industriellen Produkten finden, wie zum Beispiel in Funktelefonen."
Das CERN liegt beschaulich am Rand der Schweizer Alpen. Was wie eine postsozialistische Industriebrache aussieht, beherbergt das kühnste Forschungsprojekt der Menschheit. Polnisch gesprochen wird nur bei der Zufallsbegegnung. Die Arbeitssprache ist englisch.
Hier gibt es keine starre Hierarchie. Ein "Parlament" entscheidet über Forschungsthemen und -gelder. Zur neuen Präsidentin wurde eine polnische Physikerin gewählt. Und für diesen Job braucht sie viel mehr als wissenschaftliche Kompetenz.
Agnieszka Zalewska
Präsidentin des CERN-Rates
"Der LHC, also Teilchenbeschleuniger, ist das erste Projekt dieser Art an dem Wissenschaftler aus der ganzen Welt zusammenarbeiten. Es gibt hier Wissenschaftler aus über einhundert Ländern.."
Kontakte zwischen Polen und dem CERN gab es schon seit Ende der 50ger, Anfang der 60ger Jahren. Unsere Professoren hatten Freunde im Westen, und so kamen auch junge polnische Wissenschaftler zum CERN. Als ich anfing, mich mit der Teilchenphysik zu beschäftigen, habe ich meine Magister- und Doktorarbeit anhand von Daten vom CERN geschrieben.
Und jetzt muss Professorin Zalewska sehen, wie sie die Arbeit von CERN für die nächsten 20 Jahre plant! Jede falsche Entscheidung über eine Forschungsrichtung bedeutet immense Verluste an Geld und Zeit.
Diese Experimente überschreiten nicht nur die Grenze der Wissenschaften, sondern auch die von zwei europäischen Staaten.
Dariusz Miśkowiec
CERN & GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung
"Die Teilchen im Beschleuniger überqueren die französisch-schweizerische Grenze zwanzigtausend Mal in jeder Sekunde. Die CERN-Wissenschaftler können auch über die Grenze, ohne Dokumente – durch den Tunnel, den Sie hinter mir sehen."
Marek Kowalski
CERN & Polnische Akademie der Wissenschaften, Kraków
"Materialtransport von Elektronik und Computern über die Grenze ist normalerweise mit komplizierten Zollformalitäten verbunden. Deshalb haben die Länder Schweiz und Frankreich vereinbart, diesen Tunnel ohne Zollkontrolle zu zu lassen. Mit der einen Bedingung, dass keine persönlichen Gegenstände transportiert werden."
Und so wie sie durch ihren "Gaza-Tunnel" Grenzen überschreiten, so überqueren sie an ihrem Arbeitsplatz häufig die Grenzen zwischen Physik und Metaphysik. Der gedankliche Sprung vom Laserdetektor zur Gottesfrage ist hier nicht groß.
Marek Kowalski
CERN & Polnische Akademie der Wissenschaften, Kraków
"Wir versuchen ja nicht, Gott über die Schulter zu schauen! Unsere Aufgabe ist es, zu verstehen, wie das Ganze funktioniert, wie das Weltall gebaut wurde."
Dariusz Miśkowiec
CERN & GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung
"Irgendwer hat die Naturgesetze erschaffen - vielleicht Gott - und wir untersuchen diese Gesetze."
Die Wissenschaftler knabbern weiter am Apfel der Erkenntnis. Sie lassen bei der Kollision von Atomkernen die Urknall-Materie entstehen. Ein Zustand zum Beginn alles für uns Vorstellbaren. Mit dem Blick ins Allerkleinste erhoffen sie die Chance, das Große und Ganze, das Allergrößte, zu verstehen.
Autor Wolfgang Kübel, rbb
CERN & Polnische Akademie der Wissenschaften, Kraków
"Hallo, Herr Darek, Ihnen ist doch klar, dass Sie heute ein Fernseh-Star werden?! Beeilen Sie sich, wir warten schon alle auf Sie. Ah, Sie wissen nicht wo ich sitze? Baracke 544! Wissen Sie wo das ist?"
Baracke 544 ist von hier oben nicht direkt zu erkennen. Wir sind in Genf, im Mekka der Physik. CERN, die europäische Organisation für Kernforschung. Gegründet 1954, mitten im Kalten Krieg, von westeuropäischen Staaten. Polen war also nicht dabei. Erst nach der Wende wurden auch ehemalige sozialistische Staaten Mitglied. Von den 10.000 Wissenschaftlern sind fast 200 Polen. Gemeinsam forschen sie nach dem Ursprung der Welt.
Marek Kowalski und Dariusz Miśkowiec zeigen uns ihren Arbeitsplatz und erklären uns ihr Projekt: ALICE. Wir sind in der Küche der Physik.
Marek Kowalski
CERN & Polnische Akademie der Wissenschaften, Kraków
"Das ist ein Prototyp eines der wichtigsten Detektoren von ALICE. Was wir hier sehen ist im LHC-Tunnel – also im "Großen Hadronenspeicherring", dem größten Teilchenbeschleuniger der Welt, nicht zu sehen: weil dort alles eingebaut und verkabelt ist, deshalb sieht man das dort nicht. Hier testen wir die Elektronik, hier sieht man die elektronischen Bauteile…
Und diese Elektronik soll den Menschen helfen soll zu verstehen, was passiert, wenn Atomkerne aufeinanderprallen – und ihre Geheimnisse preisgeben.
Dariusz Miśkowiec
CERN & GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung
"Die hier verwendete Elektronik kann man nicht kaufen, sie wurde in jahrelanger Arbeit eigens für diesen Detektor entwickelt. Aber das, was wir für diesen Detektor entworfen haben, das kann man später in industriellen Produkten finden, wie zum Beispiel in Funktelefonen."
Das CERN liegt beschaulich am Rand der Schweizer Alpen. Was wie eine postsozialistische Industriebrache aussieht, beherbergt das kühnste Forschungsprojekt der Menschheit. Polnisch gesprochen wird nur bei der Zufallsbegegnung. Die Arbeitssprache ist englisch.
Hier gibt es keine starre Hierarchie. Ein "Parlament" entscheidet über Forschungsthemen und -gelder. Zur neuen Präsidentin wurde eine polnische Physikerin gewählt. Und für diesen Job braucht sie viel mehr als wissenschaftliche Kompetenz.
Agnieszka Zalewska
Präsidentin des CERN-Rates
"Der LHC, also Teilchenbeschleuniger, ist das erste Projekt dieser Art an dem Wissenschaftler aus der ganzen Welt zusammenarbeiten. Es gibt hier Wissenschaftler aus über einhundert Ländern.."
Kontakte zwischen Polen und dem CERN gab es schon seit Ende der 50ger, Anfang der 60ger Jahren. Unsere Professoren hatten Freunde im Westen, und so kamen auch junge polnische Wissenschaftler zum CERN. Als ich anfing, mich mit der Teilchenphysik zu beschäftigen, habe ich meine Magister- und Doktorarbeit anhand von Daten vom CERN geschrieben.
Und jetzt muss Professorin Zalewska sehen, wie sie die Arbeit von CERN für die nächsten 20 Jahre plant! Jede falsche Entscheidung über eine Forschungsrichtung bedeutet immense Verluste an Geld und Zeit.
Diese Experimente überschreiten nicht nur die Grenze der Wissenschaften, sondern auch die von zwei europäischen Staaten.
Dariusz Miśkowiec
CERN & GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung
"Die Teilchen im Beschleuniger überqueren die französisch-schweizerische Grenze zwanzigtausend Mal in jeder Sekunde. Die CERN-Wissenschaftler können auch über die Grenze, ohne Dokumente – durch den Tunnel, den Sie hinter mir sehen."
Marek Kowalski
CERN & Polnische Akademie der Wissenschaften, Kraków
"Materialtransport von Elektronik und Computern über die Grenze ist normalerweise mit komplizierten Zollformalitäten verbunden. Deshalb haben die Länder Schweiz und Frankreich vereinbart, diesen Tunnel ohne Zollkontrolle zu zu lassen. Mit der einen Bedingung, dass keine persönlichen Gegenstände transportiert werden."
Und so wie sie durch ihren "Gaza-Tunnel" Grenzen überschreiten, so überqueren sie an ihrem Arbeitsplatz häufig die Grenzen zwischen Physik und Metaphysik. Der gedankliche Sprung vom Laserdetektor zur Gottesfrage ist hier nicht groß.
Marek Kowalski
CERN & Polnische Akademie der Wissenschaften, Kraków
"Wir versuchen ja nicht, Gott über die Schulter zu schauen! Unsere Aufgabe ist es, zu verstehen, wie das Ganze funktioniert, wie das Weltall gebaut wurde."
Dariusz Miśkowiec
CERN & GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung
"Irgendwer hat die Naturgesetze erschaffen - vielleicht Gott - und wir untersuchen diese Gesetze."
Die Wissenschaftler knabbern weiter am Apfel der Erkenntnis. Sie lassen bei der Kollision von Atomkernen die Urknall-Materie entstehen. Ein Zustand zum Beginn alles für uns Vorstellbaren. Mit dem Blick ins Allerkleinste erhoffen sie die Chance, das Große und Ganze, das Allergrößte, zu verstehen.
Autor Wolfgang Kübel, rbb


