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Was die Kinder jeden Tag leisten, ist Schwerstarbeit. Und sie tun es gerne. In neun Monaten sollen die Schüler der Sprachförderklasse der Carl-Bolle-Grundschule so fit sein, dass sie in die normale Klasse ihrer jeweiligen Alternsstufe versetzt werden können.
Dabei sind die meisten von ihnen erst vor kurzem aus Bulgarien, Rumänien, Serbien oder dem Kosovo nach Berlin gekommen. Sie sprechen kaum Deutsch und viele können auch in ihrer Sprache weder lesen noch schreiben. Dass es gelingen kann, dafür sorgt das engagierte Team aus Klassenlehrern, Sozialarbeitern und Roma-Mediatoren.
"Ich möchte Ärztin werden."
"Ich möchte werden Polizist."
"Ich möchte Lehrerin werden."
Auf Behördendeutsch heißt diese Gruppe "Klasse für Neuzugänge ohne Deutschkenntnisse". Die Kinder und ihre Lehrerin haben einen schöneren Namen gefunden: "Lernoase". Sie sind zwischen 9 und 12 und noch nicht lange in Deutschland.
Peruze Simsek
Lehrerin
Das Possitive daran ist: die Kinder wollen lernen. Die kommen mit Freude zur Schule. Und im Unterricht läuft alles mit Freude. Das ist das allerwichtigste. Sonst ist es nicht so leicht, mit so einer gemischten Klasse zu arbeiten.
"Meine Lieblingsstunde ist Sport und Mathe."
"Und ich mache Fußball gerne."
"Ich tanze gerne."
Die meisten Kinder kommen aus Roma-Familien. Viele haben noch nie eine Schule besucht. 32 Wochen haben sie jetzt Zeit die deutsche Sprache und Rechnen und Schreiben zu lernen. Danach sollen sie in die Regelklasse wechseln. Eine Mammutaufgabe - Nicht nur die Kinder, auch ihre Eltern müssen lernen, wie Schule in Deutschland funktioniert.
Milena Ademovic vermittelt zwischen den Kulturen. Die Roma-Mediatorin spricht sechs Sprachen, sie stellt den Kontakt zu den Eltern her, und ihr gelingt es, dass aus Angst Vertrauen wird.
Milena Ademovic
Roma-Mediatorin
Die schwierigen Probleme haben wir natürlich erstmal mit den Eltern. Natürlich war das erstmal: Ich will nicht, ich habe Angst. Ich weiß nicht, was mit meinem Kind passiert. Aber dann habe ich gesagt: ich bin da.
Eine Schülerin ist schwer herzkrank und braucht neue Tabletten. Auch darum kümmern sich Peruze Simsek und Milena Ademovic. Das Einzugsgebiet der Carl-Bolle-Schule ist der Beusselkiez, eines der ärmsten Quartiere in Berlin.
Schüler mit Deutsch als Muttersprache findet man so gut wie keine. Das Gebäude ist marode. Überall bröckelt der Putz. Trotzdem versteht sich die Schule nicht als Problem- sondern als Modellschule. Sie haben hier irgendwann beschlossen, nicht mehr darauf zu schauen, was fehlt, sondern auf das, was möglich ist. Zum Kollegium gehören nicht nur Lehrer und Mediatoren, sondern auch Erzieher, Sozialpädagogen, Therapeuten. Das Geld dafür kommt auch von privaten Stiftungen.
"Ich heiße Antesa. Ich bin 10 Jahre alt. Ich komme aus Rumänien."
"Ich komme aus Bulgarien."
"Ich komme aus Tschetschenien."
Achmed hat Antesa als Zigeunerin beschimpft. Ein Fall für Milena Ademovic und die ganze Klasse. Schülerinnen aus der fünften Klasse nutzen ihre Freistunde um zu helfen: Nächste Woche ist Projektwoche, darüber sollen die Eltern in einem Brief darüber informiert werden.
Die Kinder müssen verstehen, was in dem Brief steht. Sie sind es, die es zu Hause ihren Eltern erklären – auch denen, die nicht lesen können….
Peruze Simsek
Lehrerin
Die sind auch ganz sicher, dass sie sehr geliebt werden. Dass sie hier alles bekommen, was sie brauchen. Und Lernen bringt ja Freude. Die lernen was. Und wenn sie dann mit neun Jahren ohne Sprachkenntnisse, ohne Lesen und Schreiben zur Schule kommen und nach ein paar Wochen anfangen zu lesen, das ist die Freude.
Wie alle Kinder haben auch die Kinder der Carl-Bolle-Grundschule große Pläne für die Zukunft. Milena Ademovic und Peruze Simsek sind ihre großen Vorbilder und fest davon überzeugt, dass "ihre" Kinder es schaffen werden!
Autorin Antonia Schmidt
"Ich möchte Ärztin werden."
"Ich möchte werden Polizist."
"Ich möchte Lehrerin werden."
Auf Behördendeutsch heißt diese Gruppe "Klasse für Neuzugänge ohne Deutschkenntnisse". Die Kinder und ihre Lehrerin haben einen schöneren Namen gefunden: "Lernoase". Sie sind zwischen 9 und 12 und noch nicht lange in Deutschland.
Peruze Simsek
Lehrerin
Das Possitive daran ist: die Kinder wollen lernen. Die kommen mit Freude zur Schule. Und im Unterricht läuft alles mit Freude. Das ist das allerwichtigste. Sonst ist es nicht so leicht, mit so einer gemischten Klasse zu arbeiten.
"Meine Lieblingsstunde ist Sport und Mathe."
"Und ich mache Fußball gerne."
"Ich tanze gerne."
Die meisten Kinder kommen aus Roma-Familien. Viele haben noch nie eine Schule besucht. 32 Wochen haben sie jetzt Zeit die deutsche Sprache und Rechnen und Schreiben zu lernen. Danach sollen sie in die Regelklasse wechseln. Eine Mammutaufgabe - Nicht nur die Kinder, auch ihre Eltern müssen lernen, wie Schule in Deutschland funktioniert.
Milena Ademovic vermittelt zwischen den Kulturen. Die Roma-Mediatorin spricht sechs Sprachen, sie stellt den Kontakt zu den Eltern her, und ihr gelingt es, dass aus Angst Vertrauen wird.
Milena Ademovic
Roma-Mediatorin
Die schwierigen Probleme haben wir natürlich erstmal mit den Eltern. Natürlich war das erstmal: Ich will nicht, ich habe Angst. Ich weiß nicht, was mit meinem Kind passiert. Aber dann habe ich gesagt: ich bin da.
Eine Schülerin ist schwer herzkrank und braucht neue Tabletten. Auch darum kümmern sich Peruze Simsek und Milena Ademovic. Das Einzugsgebiet der Carl-Bolle-Schule ist der Beusselkiez, eines der ärmsten Quartiere in Berlin.
Schüler mit Deutsch als Muttersprache findet man so gut wie keine. Das Gebäude ist marode. Überall bröckelt der Putz. Trotzdem versteht sich die Schule nicht als Problem- sondern als Modellschule. Sie haben hier irgendwann beschlossen, nicht mehr darauf zu schauen, was fehlt, sondern auf das, was möglich ist. Zum Kollegium gehören nicht nur Lehrer und Mediatoren, sondern auch Erzieher, Sozialpädagogen, Therapeuten. Das Geld dafür kommt auch von privaten Stiftungen.
"Ich heiße Antesa. Ich bin 10 Jahre alt. Ich komme aus Rumänien."
"Ich komme aus Bulgarien."
"Ich komme aus Tschetschenien."
Achmed hat Antesa als Zigeunerin beschimpft. Ein Fall für Milena Ademovic und die ganze Klasse. Schülerinnen aus der fünften Klasse nutzen ihre Freistunde um zu helfen: Nächste Woche ist Projektwoche, darüber sollen die Eltern in einem Brief darüber informiert werden.
Die Kinder müssen verstehen, was in dem Brief steht. Sie sind es, die es zu Hause ihren Eltern erklären – auch denen, die nicht lesen können….
Peruze Simsek
Lehrerin
Die sind auch ganz sicher, dass sie sehr geliebt werden. Dass sie hier alles bekommen, was sie brauchen. Und Lernen bringt ja Freude. Die lernen was. Und wenn sie dann mit neun Jahren ohne Sprachkenntnisse, ohne Lesen und Schreiben zur Schule kommen und nach ein paar Wochen anfangen zu lesen, das ist die Freude.
Wie alle Kinder haben auch die Kinder der Carl-Bolle-Grundschule große Pläne für die Zukunft. Milena Ademovic und Peruze Simsek sind ihre großen Vorbilder und fest davon überzeugt, dass "ihre" Kinder es schaffen werden!
Autorin Antonia Schmidt


