Massagraum in einem Wellness Hotel (Quelle: rbb)

- Eine Inderin in der polnischen Provinz

Sie kommt aus einem kleinen Dorf in Indien. Sie ist medizinische Massage-Therapeutin und arbeitet jetzt im SPA eines Wellness Hotels gleich hinter der deutsch-polnischen Grenze. Jeden Monat schickt sie ihren Verdienst nach Hause, und jeden Abend skypt sie mit ihrer kleinen Tochter. Ohne die Arbeit der Mutter im fernen Polen könnte die Familie nicht überleben.

Ośno Lubuskie bei Słubice, gleich hinter der Grenze. 4000 Einwohner. Und das wäre fast schon alles, was hier zu erzählen gäbe.

"Dzień dobry.
Wszystko?"

Jedenfalls bis eine Frau hierher zog, die den Namen "Lächeln" trägt.

Verkäuferin
"Seit kurzem kommen ein paar Frauen in den Laden und kaufen Telefonkarten, um nachhause zu telefonieren. Anfangs dachte ich, sie kämen aus der Ukraine, aber dann sah ich, dass sie in der SPA-Einrichtung Afrodyta arbeiten."

Von umgerechnet 2 Euro 50 im Monat müsste ihre Familie in Indien leben – hätte sie nicht den Mut gehabt hier Arbeit zu suchen.

Smitha Sivan
"Ich heiße Smitha, das bedeutet "Lächeln" in meiner Sprache, ich komme aus einem kleinen Dorf in Indien. Ich habe eine große Familie, Tochter, Mann, Mutter, da reichen 200 Rupien nicht aus. Ich versuche hier in den nächsten ein bis zwei Jahren unser Einkommen aufzubessern."

Es hatte sich herum gesprochen, in Indien, dass es in Europa ein Land gäbe, in dem man mit seiner Arbeit die Familie ernähren könne.


Smitha Sivan
"Es ist schwer, von Indien in ein anderes Land einzureisen, viele Probleme: Einreiseerlaubnis, Führungszeugnisse. Polen war mein Traum. In Indien gab ich medizinische Massagen, hier nur Entspannungsmassagen, die Kunden mögen das."

Im Spa des Wellnesshotels arbeiten auch Frauen aus anderen Ländern, z.B. Thailand. So wie Ittiga Chaybamrung. Sie ist von Beruf Politologin.

Ittiga Chaybamrung
"Die Menschen hier sind warmherzig und freundlich. Sie behandeln mich nicht wie eine Fremde. Ich grüße sie und sie grüßen zurück, auch wenn wir uns nicht kennen. Ich mag polnischen Vodka. Wenn es kalt ist, trinke ich manchmal ein Gläschen."

Aneta Sołtys
SPA Afrodyta in Ośno Lubuskie
"Mit der Ankunft der Frauen in einem so kleinen Ort wie unserem haben wir viel über ihre Kultur, ihre uralten Behandlungsmethoden gelernt. Sie haben sich gut eingelebt, sie sind nett und ich denke, sie fühlen sich wohl bei uns in Polen."

Und ihr Lohn liegt weit unter dem von polnischen Therapeuten. Jeden Tag versucht Smitha mit ihrer kleinen Tochter zu skypen. Heute kommt die Bildleitung leider nicht zustande.

Gespräch bitte frei stehen lassen…

Smitha Sivan
"Jeden Tag rufe ich zuhause an, das ist schwierig und teuer, aber ich muss mein Baby jeden Tag sprechen."

Und mit dieser ansteckenden Zuversicht hat die Frau mit dem Namen "Lächeln" sogar ihre Nachbarn in Ośno Lubuskie davon überzeugt, dass man auch dem eisigen polnischen Winter poetische Seiten abgewinnen kann.

Smitha Sivan

"Ganz schön gefährlich, aber ich mag es. Anderes Klima, anderes Leben, mir gefällt es."

Autorin Joanna Ratajczak, rbb

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