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Ein Schwabe studiert in Berlin. Mit seinen Bestnoten bewarb er sich um eine studentische Nebentätigkeit. Erfolglos. Doch als Babatunde Joshua Ajayi seine Bewerbungsunterlagen mit dem Foto eines Weißen und dem Namen eines Deutschen versah, bekam er gleich die Einladung zu Vorstellungsgesprächen und dann einen Job ….
In Schwaben ist "so ebis" kein bisschen exotisch …
Nur er passte nicht in das Bild vom echten Schwaben …
Babatunde Joshua Ajayi
"Mein Name ist Babatunde Joshua Ajayi. Ich studiere im Masterstudiengang Ressourcen-Management. Das ist Merazhofen im Allgäu, da bin ich aufgewachsen und dort habe ich einen Großteil meiner Zeit verbracht. Das ist im Sommer und das ist Merazhofen im Winter. Jeder, der mich fragt: Wo kommst du her? Da sage ich: aus dem Allgäu! Und die Leute fragen mich danach dann natürlich immer: Und jetzt, wo wirklich? Und ich wiederhole einfach: ich komme aus dem Allgäu!"
Und der Allgäuer mit den Bestnoten sucht eine Stelle als studentische Hilfskraft in Berlin.
Babatunde Joshua Ajayi
"Ich habe mich vier Monate lang um eine Arbeitsstelle beworben und keine einzige Einladung zu einem Vorstellungstermin erhalten."
Trotz eindrucksvollem Lebenslauf ...
Babatunde Joshua Ajayi
"Ich denke, das könnte eventuell mit meinem Aussehen zu tun haben, es könnte auch mit meinem Namen zusammenhängen".
Er bittet einen guten Freund um einen Gefallen: Aus Babatunde Joshua Ajayi wird Alexander Daniel Buchholz – Zeugnisse und Qualifikationen bleiben identisch – nur Name und Foto haben sich verändert.
Ralf Wenzel
Freund von Joshua
"Er wollte mit meinem Bild genau das gleiche probieren – Ja! Gerne!"
Babatunde Joshua Ajayi
"Meine Schwester hat gesagt: "Wenn man nicht so aussieht, wie es sich die Gesellschaft wünscht, da muss man mehr tun, eine Meile mehr laufen!" – aber das ist nicht mein Ansatz. Ich habe gedacht, nein, ich muss nicht fünf Praktika mehr machen, dass ich dann einen Job bekomme, sondern ich muss mir einfach was Smartes überlegen, dass es funktioniert."
Mit seinem richtigen Namen wurde Joshua vier Monate lang kein einziges Mal zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Als Alexander Daniel Buchholz dauerte es gerade mal vier Tage bis zum ersten Vorstellungstermin. Vor dem persönlichen Treffen hatte er allerdings den Firmenchef über seinen Foto- und Namenswechsel informiert. Der Chef kam ins Grübeln.
Heiner Röger
Geschäftsführer Notus Energy
"Die ganzen Vorurteile die auch ich gegenüber von Männern aus Afrika, Arabien und diesen Gegenden habe, die dahin gehen, dass sie für die harten Mühen der Ebene oftmals nicht so interessiert sind. Davon hatte er irgendetwas ausgestrahlt. Was wir selbst dann natürlich noch einmal überlegt haben, ob wir ihn einladen, als er einen Tag vor dem Bewerbungsgespräch sich offenbart hat, ob wir das jetzt als unzumutbare Lüge oder Täuschung werten sollen oder ob wir darüber einfach hinweggehen und sagen: na gut, das ist dann auch ein Versuch, zum Ziel zu kommen."
Heute ist er bei der Berliner Planungsfirma für Windparkanlagen ein geschätzter Kollege. Dass andere Unternehmen ihn nicht einmal einladen wollten, können sie hier nicht verstehen.
Rico Koch
Geschäftsführer "Notus Europe"
"Wir entscheiden nach Anforderungsprofil und Sympathie und passt es zum Unternehmen, egal ob schwarz, weiß, gelb oder grün – das ist eher nicht die Frage ."
Thomas Tack
Geschäftsführer "Notus America"
"Wir würden Joshua gerne längerfristiger binden, haben aber auch Verständnis dafür, dass jetzt die Masterarbeit im Vordergrund steht. Und dann schauen wir mal, wie wir uns weiter zusammen finden."
Problem gelöst? In seinem Fall: Ja! Abgehakt: nein!
Seine Erfahrung hat Joshua in eine Gruppe von Jurastudenten eingebracht, die sich mit Diskriminierung beschäftigen. Einige von ihnen kennen das Problem aus ihrem Alltag.
André von Horn
Jurastudent, 3. Semester
"Wenn meine Mutter bei Behörden angibt, dass sie Portugiesin ist, kann das schon mal schlechte Sachen mit sich bringen. Dann wird sie schlechter behandelt. Das ist ein deutliches Zeichen, dass noch viel zu tun ist."
Victoria Pekarska
Jurastudentin, 1. Semester
"Ich habe polnische Wurzeln und dadurch bin ich in der Vergangenheit auf negative Resonanz gestoßen. Und viele meiner Mitschüler haben mich, als ich jünger war, nicht vollständig akzeptiert."
Babatunde Joshua Ajayi
"Ich glaube die Diskriminierung im Bewerbungsprozess oder auch sonst, passiert oft unterbewusst. Man merkt es nicht, aber irgendwo in einem drin diskriminiert man."
Die angehenden Juristen engagieren sich ehrenamtlich für gesellschaftliche Gleichstellung. Heute diskutieren sie mit einem Gutachter der Bundesregierung für Diskriminierungsfragen. Auch über den Fall Babatunde Joshua Ajayi und seine Erfahrungen bei der Suche nach einem Job.
Alexander Klose
Gutachter für Diskriminierungsfragen der Bundesregierung
"Ich finde das eine sehr clevere und sehr innovative Methode, die er dann genutzt hat, quasi ein "Testing Situation" mit sich selber herzustellen und die dann aufzulösen, bevor es zum Bewerbungsgespräch kommt. Da sind wir – muss sich selber sagen - gar nicht vorher darauf gekommen, dass man es auch so machen könnte."
Jurastudenten und Dozenten der Humboldt-Universität bieten Beratung an. Damit Name und Hautfarbe kein Handicap mehr in Deutschland sind.
Autor Wolfgang Kübel & Sebastian Gutnik, rbb






