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Die meisten ausländischen Studenten an den Breslauer Hochschulen kommen aus der Ukraine oder Weißrussland. Sie zahlen für ihr Studium bis zu 4.000 Euro jährlich. Denn das Diplom einer EU-Uni öffnet ihnen Türen im Westen.
Ich heiße Kamran, ich bin aus Aserbaidschan.
Mein Name ist Nadja. Ich komme aus Weißrussland.
Hey, ich heiße Waleria, ich bin aus der Ukraine.
Breslau ist angesagt! Die Wirtschaftsuniversität bietet englischsprachige Studiengänge und die sind vor allem bei Studenten aus den östlichen Nachbarländern begehrt.
Nadija Szek
Studentin aus Weißrussland
"Ich hatte zu Hause schon Englische Philologie studiert, aber ich wollte noch ein Betriebswirtschaftsstudium machen. Da habe ich von dem Projekt „Jetzt Breslau” gehört und mich entschieden es einfach zu probieren. Ich habe meine Unterlagen abgeschickt und im August war dann klar:ich habe es geschafft - ich bin jetzt Studentin an einer Breslauer Hochschule!"
Waleria Zakrewska
Studentin aus der Ukraine
"Warum ich Polen wählte? Ich wollte nicht in der Ukraine bleiben, weil dort das Bildungssystem sehr anders ist. Ich wollte einen richtigen Studienabschluss machen – nicht einen, den man na ja zum Beispiel auch kaufen kann."
Kamran Mammadov
Student aus Aserbaidschan
"Ich habe Polen gewählt, weil das Bildungssystem hier besser ist. Wir können hier in Englisch studieren und uns mit allen verständigen. Wir verbessern unsere Qualifikationen, erlernen neue Fähigkeiten und vertiefen unser Wissen."
Die meisten ausländischen Studenten in Polen sind aus der Ukraine und Weißrussland. Aber auch Norweger oder Schweden kommen hierher um Medizin zu studieren. Das Erasmus Programm der Europäischen Union hilft die Studiengebühren mit zu finanzieren.
Bogusław Fiedor
Ökonomische Universität Wrocław
"Polen ist attraktiv und Breslau ist ganz besonders attraktiv. Wir lassen uns etwas einfallen, um die Studenten hierher zu locken. Wir werben mit der Marke Breslau: das ist eine reizvolle Stadt mitten in Europa. Wir haben ein spezielles Programm "Study in Wrocław" für die Studenten aus dem Osten. Das Niveau der polnischen Hochschulen ist mittlerweile sehr hoch, nur müssen wir noch viel mehr Werbung dafür machen."
Die Studenten aus der Ukraine, wie Waleria, verfolgen in diesen Tagen gebannt, was in Kiew passiert. Täglich skypen, telefonieren oder mailen sie mit Familienangehörigen und Freunden, weil sie sich große Sorgen machen. Schließlich beteiligen sich etliche an den Protesten auf dem Majdan. Einerseits sind die ukrainischen Studentinnen in Breslau froh jetzt im sicheren Polen sein zu können, andererseits haben sie auch das Gefühl, die Zeit zu verpassen, in der zu Hause Geschichte gemacht wird.
Waleria Zakrewska
"Ich wäre wirklich gern dort, obwohl ich große Angst hätte. Ich bin zwar hier, aber mein Herz ist dort auf dem EuroMajdan in Kiew. Ich lese alle Nachrichten und denke an meine Landsleute."
Auch die Hobby-Visagistin Nadija Szek kommt aus der Ukraine und studiert in Breslau Ökonomie. Das Fotoshooting im Keller der Uni gehört zum praktischen Teil ihrer Ausbildung: die Wirtschaftsstudenten, die bei der AG Fotographie mitmachen, sollen ein Werbefoto für eine Hochglanzbroschüre der Universität produzieren. Soviel entspannte Normalität ist für die Ukrainerin schon so etwas wie Luxus.
Nadija Szek
"Einerseits würde ich gern nach Hause zurückkehren, weil mein Land, doch mein Land bleibt. Andererseits weiß ich nicht, wie es dort weiter geht. Als ich hierher kam, war mir klar, jetzt stehen mir alle Türen offen und wenn ich hier bleiben kann, werde ich glücklich."
Kamran Mammadov
"In einem Jahr mache ich meinen Abschluß. Ich weiß noch nicht, was ich danach mache, wahrscheinlich gehe ich zurück nach Aserbaidschan. Wenn ich aber hier einen Job bekäme, könnte ich mir auch vorstellen, zu bleiben."
Polen wirbt gezielt um die Studenten aus dem Ausland. Bis 2020 soll ihre Anzahl in ganz Polen von 30.000 auf 100.000 steigen. Die Wirtschaftsuni Breslau macht ihr eigenes Fernsehprogramm. Heute dreht "Campus TV" einen Bericht über die ausländischen Kommilitonen.
Emilia Maksymowicz
Campus TV
"Ich persönlich bewundere Menschen, die alles auf eine Karte setzen, ihr Zuhause, Familie, Freunde und ihre Heimat verlassen und sich für ein Studium im Ausland entscheiden. Das ist sicherlich ein Risiko und trotzdem schlagen sie sich tapfer durch. Sie sind super Kandidaten für potenzielle Arbeitgeber, vielleicht sogar besser als wir. Sie haben mehr Lebenserfahrung, sie können Fremdsprachen, sie werden auf dem Arbeitsmarkt große Chancen haben. Die hochqualifizierten jungen Leute sind hier mehr als willkommen. Denn schließlich wird auch die polnische Gesellschaft immer älter."
Autorin Kinga Wołszyn-Świerk, TVP






