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Ausstellung 'Der geteilte Bahnhof' im Bahnhof Friedrichstraße (Bild: rbb)

Der Grenzübergang

Lange Schlangen, prüfende Blicke

Am 13. August 1961 wurde der zentrale Umsteige-Bahnhof Friedrichstraße über Nacht zu zwei Kopfbahnhöfen, denn mit dem Bau der Mauer war der Bahnhof nicht mehr ohne weiteres passierbar.

Wer aus dem Osten der Stadt zurück in den Westen wollte, musste am Grenzübergang Friedrichstraße unweigerlich durch die Ausreisehalle, die im Volksmund bald Tränenpalast genannt wurde: weil hier nicht selten geweint wurde, wenn Ost-Berliner ihre West-Berliner Freunde und Verwandten verabschiedeten.
Lange Schlangen bildeten sich oft am späteren Abend vor dem Tränenpalast. Um Mitternacht endeten die Tagesvisa und alle Nicht-DDR-Bürger mussten ausreisen.

Die Kontrolle bei der Ausreise aus der DDR erfolgte in drei Stufen. Die erste setzte gleich beim Betreten des Tränenpalasts ein: Am Eingang der Halle standen in der Regel zwei Volkspolizisten, um die Ausreisenden vorzukontrollieren. Hierzu genügte ein Blick aufs Passdokument - und ein prüfender Blick ins Gesicht des Ausreisenden - um festzustellen, ob es sich um dieselbe Person handelte.

Nach der Vorkontrolle ging es in der Halle eine Treppe hinab zum Zoll. Nicht ausgegebenes Ost-Geld musste vorab eingezahlt werden - auf ein Sonderkonto der Staatsbank. Bei der nächsten Einreise nach Ost-Berlin konnte man das Geld dann wieder abheben. Allerdings musste man bei jeder neuen Einreise in das Gebiet der DDR wieder einen festen Mindestbetrag in Ostmark eintauschen.

Beim Zoll setzte dann die zweite Stufe der Kontrolle ein: Die Zollbeamten untersuchten häufig das Reisegepäck und glichen die ausgeführten Waren wie zum Beispiel vom Zwangsumtausch gekaufte Bücher genauestens mit der zuvor auszufüllenden Ausfuhrerklärung ab.

Die dritte Stufe war die eigentliche Pass- und Visakontrolle bei der Ausreise. Die Abfertigungsschalter waren in vier Kategorien eingeteilt: "Bürger der DDR" (für den eher seltenen Fall einer Ausreise in den Westen der Stadt), "Bürger BRD", "Bürger anderer Länder" - und "Bürger Berlin (West)". Die letzte Kategorie war darauf zurückzuführen, dass die DDR West-Berlin offiziell nicht als Bestandteil der Bundesrepublik anerkannte. An den Abfertigungsschaltern wurden noch einmal die Ausweise und Visa kontrolliert.

Wenn alles seine Richtigkeit hatte, öffnete sich per Summer kurz eine Tür - der Ausreisende verließ den Tränenpalast und betrat den westlichen Teil des U- und S-Bahnhofs Friedrichstraße.

Fabian Wallmeier

Stand vom 28.09.2009

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 28.09.2009 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

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