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Fotos Helmut Newton (© Helmut Newton Estate)

Doppelausstellung bis 19. Mai 2013

Helmut Newtons "World without Men / Archives de Nuit"

Der Modefotograf Helmut Newton hat die Frauen geliebt: vor allem nackt. Die Doppelausstellung "Helmut Newton: World without Men / Archives de Nuit" zeigt seine Bilder im Museum für Fotografie. Ein leidenschaftlicher Blick auf eine Welt, die (fast) ohne Männer auskommt.

Helmut Newton French Vogue Monte Carlo 1980 © Helmut Newton Estate (bis spätestens 31.05.2013)

Helmut Newton French Vogue Monte Carlo 1980 © Helmut Newton Estate 

Gelangweilt und ein bisschen missmutig sitzt die schöne Brünette im goldenen Badeanzug mit ihrem Drink auf der Treppe, den Kopf auf die frisch manikürte Hand gestützt. Auf den Treppenstufen dahinter liegt ihr Spielzeug: Drei Männer in hautengen Badehosen; die durchtrainierten Körper glänzen ölig in der Sonne. Obwohl der Titel der neuen Ausstellung in der Helmut-Newton-Stiftung "World without Men" lautet: Ganz ohne Männer kommt auch Helmut Newton nicht aus. Doch wenn sie gelegentlich auftauchen, spielen sie höchstens eine Nebenrolle. Für Newtons Frauen sind die Männer Accessoires, die sie noch begehrenswerter machen. Und doch steht das Männliche in Helmut Newtons Bildern selbstverständlich immer im Vordergrund; ist doch sein Blick auf die Frauen durch und durch männlich.

"World without Men" ist auch der Titel von Newtons viertem Fotobuch. Die aktuelle Ausstellung bringt jetzt alle Fotos des 1984 veröffentlichten Bildbandes an die Wände der Helmut-Newton-Stiftung. Herausgekommen ist also eine Art begehbares Fotobuch mit Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos aus Paris, Saint-Tropez, Los Angeles, Berlin und London, die in den 60er, 70er und 80er Jahren entstanden sind.

"Bei ihm wollten sie sich alle ausziehen"

Die männerfreien Fotos, auf denen vor allem Frauen viel Haut zeigen, sind klar in der Überzahl. "Bei ihm wollten sie sich alle ausziehen" preist June Newton das Talent ihres verstorbenen Mannes. Und das in überraschenden Posen. Eine Serie zeigt Frauen im Haushalt, natürlich nackt, nur die High Heels durften sie anlassen. Eine räkelt sich unterm Schreibtisch, die nächste lässt sich vor der Waschmaschine ablichten und die Dame mit den Silikonbrüsten bringt sich vorm Herd in Pose - direkt neben dem Mülleimer, der dringend mal runtergebracht werden müsste. Eine zarte Nackte baut sich wie ein Türsteher, der davon träumt endlich breitere Schultern zu haben, vorm Kühlschrank auf und bewacht mit geschlossenen Augen die Vorräte.

Models, Autowracks und Dreckwäsche

Helmut Newton French Vogue Paris 1969 © Helmut Newton Estate (bis spätestens 31.05.2013)

Helmut Newton French Vogue Paris 1969 © Helmut Newton Estate 

Nicht nur Aktaufnahmen, auch Modefotografie nimmt in Helmut Newtons Welt viel Raum ein. Ein Model präsentiert sich im goldenen Bustier vor einem schlammigen Traktor. Für einen futuristischen weißen Hosenanzug, der als elegante Variante eines Astronautenanzugs durchgehen könnte, dienen Strommasten als Hintergrund. Auf einem anderen Foto glänzt das gelockte Haar der Dame in Schwarz wie in einer Shampoo-Werbung. Im Hintergrund blasen Fabrikschlote rußige Abgase in die Luft. Glamour trifft auf Industriegesellschaft. Dann geht es raus auf die Koppel. Eine Blonde im Hahnentrittmantel breitet die Arme weit zu beiden Seiten aus. Am Zügel hält sie ein weißes Pferd, das sich aufbäumt und die Vorderhufe so weit gen Himmel streckt, als würde es gleich abheben und die Frau mitnehmen auf seinem Himmelsritt – so kraftvoll kann Modefotografie sein.

Aber Helmut Newton fotografierte nicht nur die Schönen und Nackten, sondern auch eine heruntergekommene Seifenfabrik, ein Autowrack, einen Stapel Dreckwäsche im Ritz oder ein Pissoir voller Eiswürfel in einem vornehmen Restaurant in Hollywood. Unter dem Titel „Archives de Nuit“ zeigt die Helmut-Newton-Stiftung auch diese weniger bekannte Seite des weltberühmten Fotografen: Seine Porträts, Landschaften und Stillleben.

In "June's Room" werden Helmut Newtons Bilder mit den Arbeiten eines anderen Fotografen konfrontiert, das hat in der Helmut-Newton-Stiftung Tradition. Diesmal sind es Porträts von François-Marie Banier, einem französischen Künstler, dem es mit Leichtigkeit gelingt, alle Türen zur High Society zu öffnen. Zu sehen sind unter anderem Porträts von Caroline von Monaco, Johnny Depp, Andy Warhol, Woody Allen und David Lynch.

Marie Kaiser

Stand vom 10.12.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 10.12.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Mehr Infos im rbb

Mo 17.12.12 08:40

World without Men

In einer Welt ohne Männer hätte es der legendäre Modefotograf Helmut Newton ohne Probleme ausgehalten. Solange es genügend Frauen gibt, die sich möglichst leicht bekleidet von ihm fotografieren lassen. [Radioeins]

Ausstellungsinfos

Öffnungszeiten Museum für Fotografie:

Mo geschlossen
Di - So    10:00 Uhr - 18:00 Uhr
Do          10:00 Uhr - 20:00 Uhr

Eintrittpreise: 8 Euro;  ermäßigt 4 Euro

Adresse:
Jebensstraße 2
10623 Berlin [smb.museum.de]

Karte

Weitere Infos

Helmut-Newton Stiftung

Mehr Informationen über den Fotographen: seine Biographie, Publikationen, Ausstellungen [helmut-newton.de]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kultur/ausstellungen/themen/Ausstellung_Helmut_Newton.html

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