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Edward Burtynsky Oil | CO Berlin (Quelle: Edward Burtynsky / CO Berlin)

Bis 9. September 2012

Edward Burtynsky "Oil" im C/O Berlin

Ein dunkelhäutiger Mann posiert mit zwei Spaten vor einem riesigen Metallungetüm, stolz, wie es scheint, und barfuß im Ölschlamm. Er ist ein Arbeiter der Schiffsabwrackwerft in Chittagong, Bangladesh. Hier werden die alten Öltanker auseinander genommen, die Menschen schuften für einen Hungerlohn in einer giftigen Umgebung. Zerteilte Schiffswracks ragen wie Berge in den Himmel, hinter ihnen geht die Sonne unter. Das Ende vom Öl.

Kreislauf eines Rohstoffes

Edward Burtynsky Oil | CO Berlin (Quelle: Edward Burtynsky / CO Berlin)

Verrostete Ölfördertürme 

Der kanadische Fotograf Edward Burtynsky dokumentiert mit seinen brillanten, großformatigen Fotos den ganzen Kreislauf dieses Rohstoffes, ohne den unsere Zivilisation nicht denkbar wäre. Von der Förderung über seine Verwendung, bis zu dem, was am Ende übrig bleibt: Endlose Reihen von ausrangierten Flugzeugen, bildfüllende Reifenberge, zusammengepresste Benzinfässer, die alten, verrosteten Ölfördertürme von Baku in Aserbaidschan, die aussehen wie bedrohliche Ruinen vor der Kulisse der Stadt.

Durch viele Länder ist Edward Burtynsky für seine Foto-Serie Öl gereist, doch die meisten Bilder stammen aus den USA und Kanada. Das lag auch daran, dass sich die Ölindustrie nicht gern in die Karten gucken lässt. In Saudi-Arabien ließ man ihn beispielsweise gar nicht erst fotografieren.

Zerstörte Landschaften

Edward Burtynsky Oil | CO Berlin (Quelle: Edward Burtynsky / CO Berlin)

Autobahnknoten in Los Angeles 

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt Burtynsky sich schon mit Industrie- und Landschaftsfotografie und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Als er mit seiner Öl-Serie anfing, war ihm noch nicht klar, wie dramatisch die Auswirkungen der Ölindustrie auf die Umwelt sind. Doch dann schaute er näher hin, nicht nur auf die riesigen gespenstisch wirkenden Ölbohrfelder in der kalifornischen Wüste, die Raffinerien und Fabriken, die silbern glänzenden Leitungen, die sich durch die kanadische Waldlandschaft winden. Er fing zusätzlich an, zu dokumentieren, was wir alles mithilfe des Öls machen: Transport und Motorkult nennt er dieses Kapitel seiner Serie.

Und dieser Motorkult prägt ganze Städte, am Extremsten zeigt das ein Foto von Los Angeles. Darauf zu sehen ist ein Autobahnknoten im Zentrum, drum herum endlose Reihen gleichförmiger Häuser. Fortbewegen kann man sich hier nur mit dem Auto, Autobahnkreuze gelten als Lebensnotwendigkeit. Und Öl als der Rohstoff, dank dem wir unsere Wohnungen beheizen und uns fortbewegen können - allerdings zu einem hohen Preis.

Der Blick von außen

Edward Burtynsky Oil | CO Berlin (Quelle: Edward Burtynsky / CO Berlin)

Autoreifen auf dem Müll 

Edward Burtynsky sieht sich selbst als Chronisten. Er will Fragen aufwerfen, die Menschen zum Nachdenken bringen, darüber wie sie diesen Planeten benutzen, wie sie mit der Natur umgehen. Er schaue wie ein Alien auf das Ganze, sagt er, beobachte mit der Kamera. Die Fotos, die dabei heraus kommen, sind so schön, dass man darüber fast vergessen könnte, was sie erzählen. Bis ins Letzte durchkomponiert, mit einer so messerscharfen Optik, als würden die Gegenstände gleich aus dem Bild fallen. Und seine Fotografien von ölverseuchten Gewässern erinnern an romantische Landschaftsmalerei.

Die meisten Fotos hat Edward Burtynsky aus der Vogelperspektive gemacht, aus einem Hubschrauber oder von einem Lift aus, der extra dafür gebaut wurde. So kann der Betrachter das ganze Ausmaß der Perversion - beziehungsweise der Umweltzerstörung - erkennen. Reconnecting nennt Edward Burtynsky das, sich wieder in Verbindung bringen mit dem großen Ganzen.

Auch wenn "Oil" eine recht kleine Fotoausstellung ist, mit nur 30 Bildern in der alten Turnhalle der C/O Galerie, so ist sie künstlerisch und inhaltlich eine ganz Große.

Andrea Handels

Stand vom 27.07.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 27.07.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Mehr Infos

Edward Burtynsky - Oil

27.7.-9.9.2012
täglich 11-20 Uhr

C/O Berlin Galerie
Oranienburger Straße 35/36

Eintritt 10 € / ermäßigt 5 € [co-berlin.info]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kultur/ausstellungen/themen/edward_burtynsky_oil.html

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