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Seit dem 12. Juni ist bekannt, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz durch den Nachtragshaushalt 2012 von Kulturstaatsminister Bernd Neumann eine Summe von 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt bekommt, um die Berliner Gemäldegalerie in ein Museum des 20. Jahrhunderts umzugestalten. Damit die neuen Bilder einziehen können, soll die bedeutende Berliner Sammlung der Alten Meister, die bisher in den Räumlichkeiten zu sehen war, ins Bodemuseum und einen möglichen Erweiterungsbau ausweichen. Dieser Plan einer Museums-Rochade stößt in der Kunstwelt auch über die Grenzen Berlins hinaus auf viel Kritik.
Trotz des unscheinbaren Äußeren der Gemäldegalerie am Kulturforum verbirgt sich dahinter eine der weltweit bedeutendsten Malereisammlungen des 13. bis 18. Jahrhunderts. Die Sammlung – darunter Werke von Dürer, Caravaggio und Rembrandt - wurde vor allem durch ihren ehemaligen Direktor Wilhelm von Bode erworben. Durch sein Fachwissen und sein großes Engagement gelangen ihm bedeutende Ankäufe, die eine fast vollständigen Überblick über die europäische Malerei dieser Epochen bieten.
Platzmangel in den Museen
Die Verantwortlichen der Staatlichen Museen Berlins haben das Problem, dass in ihren Häusern seit Jahren enormer Platzmangel herrscht. Allen voran in der Neuen Nationalgalerie, die nun auch noch Zuwachs durch die großzügige Schenkung des Sammlerehepaars Pietzsch bekommen hat. Diese Schenkung ist an die Bedingung geknüpft, dass die Sammlung ständig ausgestellt wird. Die Werke dieser sogenannten Pietzsch-Sammlung waren das letzte Mal vor zweieinhalb Jahren im Rahmen der Ausstellung "Bilderträume" zu sehen, die sich hoher Besucherzahlen erfreute. Deshalb sollen sie nun zusammen mit der Sammlung des 20. Jahrhunderts aus der Neuen Nationalgalerie in die Räumlichkeiten der Gemäldegalerie ziehen und dort dauerhaft präsentiert werden – die Alten Meister müssten weichen.
Viele Restauratoren und Kunsthistoriker sind gegen den Umzug, weil sie befürchten, dass die alten Kunstwerke durch den Umzug erstens beschädigt werden könnten und zweitens aus Platznot in einem Depot landen, wo sie für die Öffentlichkeit unzugänglich sind. Aus diesem Anlass wandten sie sich mit ihrer Kritik in einem offenen Brief an die Staatlichen Museen und den Kulturstaatsminister Bernd Neuman und riefen verschiedene Petitionen ins Leben.
Kritik an der Aufteilung der Alten Meister
Da das Bodemuseum nicht ausreichend Platz bietet, sollen Teile der Sammlung der Alten Meister in einen Erweiterungsbau gegenüber des Bodemuseums ziehen. Für die Gegner, wie den Kunsthistoriker und Professor für Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin, Eberhard König, ist das ein Hauptkritikpunkt. "Die Aufteilung zerstört den zurzeit so großartigen Zusammenhang der Sammlung. Wie will ich Dürer verstehen, wenn ich die Italiener nicht angucke?"
Die nun so viel gescholtene Spitze der Staatlichen Museen und die ihr übergeordnete Stiftung Preußischer Kulturbesitz fühlen sich missverstanden. Der Generaldirektor der Staatlichen Museen, Michael Eissenhauer, vermutet, dass die Presseerklärung falsch aufgefasst wurde. Die 10 Millionen Euro für den Bauetat seien zwar in diesem Jahr bewilligt worden, müssten aber nicht sofort zum Einsatz kommen. Das bedeutet, die Umzugspläne seien deshalb noch gar nicht konkret und würden erst noch im Rahmen einer Machbarkeitsstudie geprüft. "Wir ziehen erst aus, wenn wir einen belastbaren Zeit- und Finanzierungsrahmen dafür haben", sagt Eissenhauer. "Wir wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir das Renommee unserer Häuser aufs Spiel setzen und so etwas wie die Gemäldegalerie, die einzigartig ist und auf Weltniveau agiert, einmotten."
Neuordnung der Berliner Museumslandschaft
Die Wertschätzung der Alten Meister liegt also auf beiden Seiten und ohne eine konkrete Aussicht auf einen Neubau, der allen Alten Meistern Platz bietet, gibt es erst einmal keinen Auszug. Wenn es irgendwann doch zur angekündigten Rochade kommen sollte, will man mit dem Doppelumzug der beiden Sammlungen eine Neuordnung der Museen erreichen, die fortan einen zeitlichen Zusammenhang bietet. So soll die Museumsinsel Ort der Kunstgeschichte von der Antike bis zum 19 Jahrhundert werden, auf der neben Pergamonmuseum, Alter Nationalgalerie und den weiteren bestehenden Museum eben auch der Neubau für die Werke der Alten Meister seinen Platz hat.
Und das Kulturforum am Potsdamer Platz soll den zeitgenössischen Werken und der Kunst der klassischen Moderne gehören, also der Sammlung Pietzsch und anderen Gemälden aus dem 20. Jahrhundert. "Wir verstehen den Potsdamer Platz als das Sinnbild des Aufbruchs in die Avantgarde des 20. Jahrhunderts", sagt Generalsekretär Eissenhauer. "Damals fand in Berlin die Geburt der klassischen Moderne statt und der Potsdamer Platz war das Zentrum." Deshalb sieht er hier auch den Platz für die Bilder aus dieser Zeit.
Alternativstandort Kronprinzenpalais?
Die Kritiker wiederum halten diese Pläne in Zeiten der Finanzkrise für nicht durchführbar. Eberhard König schlägt deswegen einen "schonenden Umgang" mit den Steuergeldern vor. "Es wäre am besten", so König, "die Gemäldegalerie bleibt, wo sie ist und wir verwenden die 10 Millionen, die Herr Neumann erarbeitet hat, um das Kronprinzenpalais zu einem wunderbaren Ort der Moderne zu machen". Das Kronprinzenpalais Unter den Linden war vor dem Zweiten Weltkrieg der Ort, an dem die Bilder ausgestellt wurden, die heute als Klassische Moderne bezeichnet werden. Bei diesem Vorschlag handelt es sich also um den Versuch einer Rückführung der Gemälde an ihren ursprünglichen Ort.
Wie letztendlich entschieden wird, bleibt abzuwarten.
Claudia Gerth
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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