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Gerhard Richter. Panorama © Gerhard Richter, 2012 / dpa / Collage: rbb

Bis 13. Mai 2012

"Gerhard Richter. Panorama" in der Neuen Nationalgalerie

Gerhard Richter gilt als einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart mit Werken, die Spitzenpreise erzielen. Zu seinem 80. Geburtstag ehrt die Neue Nationalgalerie den deutschen Künstler mit der großen Ausstellung  "Gerhard Richter. Panorama". Am letzten Wochenende der Ausstellung (Samstag, 12. und Sonntag, 13. Mai) hat die Ausstellung länger geöffnet als sonst: von 9 bis 22 Uhr.

Weiter oben kann man nicht ankommen in der zeitgenössischen Kunst. Gerhard Richter, von dem es heißt, er würde alles beherrschen, was mit Farbe zu tun hat, ist nicht nur einer der teuersten Gegenwartskünstler, sondern auch einer der bedeutendsten Maler weltweit. In den vergangenen fünfzig Jahren hat er in fast allen großen Museen ausgestellt, außerdem war er auf zahlreichen Biennalen und sechs Mal auf der Documenta vertreten. Nur eine einzige Einladung zu dieser wichtigsten zeitgenössischen Schau bleibt für die Mehrheit der Künstler unerreichbar. Anlässlich des achtzigsten Geburtstags von Gerhard Richter am 9. Februar ehrt Berlin ihn mit einer großen Werkschau in der Neuen Nationalgalerie ab dem 12. Februar.

Bilder nach Fotografien

Gerhard Richter (Quelle: dpa)

Der Künstler Gerhard Richter. 

Begonnen hat Gerhard Richters Weg in die Kunstgeschichte in den Sechzigerjahren, als er nach einer Ausbildung an der Hochschule für Bildende Künste in seiner Geburtsstadt Dresden an die Kunstakademie von Düsseldorf gekommen war.

Dort fängt Richter an, Fotografien aus Zeitungen und aus einem Fotoalbum, das er bei seiner Übersiedelung in den Westen mitgenommen hat, in einem verwischten Grau auf Leinwand zu übertragen. So ist zum Beispiel das Gemälde "Tante Marianne" entstanden, bei dem die persönliche Geschichte des Malers auf die deutsche Vergangenheit trifft. Es zeigt den Künstler als Baby auf dem Schoß seiner 14-jährigen Tante Marianne, die später, nachdem sie an Schizophrenie erkrankt war, dem nationalsozialistischen Euthanasie-Programm zum Opfer fiel.

Ikonen, die jedes Museum besitzen möchte

'Betty' 1977 und 'Betty' 1988 © Gerhard Richter, 2012 / Collage: rbb

"Betty" 1987 (li.) und "Betty" 1988. 

Bis vor wenigen Jahren hat Gerhard Richter seine Arbeitsweise beibehalten, Menschen oder Dinge durch eine Abmalung von Fotografien zwar realistisch, aber doch distanziert wiederzugeben. Auch die Porträts seiner 1968 geborenen Tochter Betty, von denen in der Ausstellung mehrere zu sehen sind, hat er so umgesetzt. Mit "Betty" von 1988, bei dem sich die junge blonde Frau vom Betrachter weg und hin zu einem Bild ihres Vaters wendet, ist Richter nicht nur eines seiner romantischsten, sondern auch eines der schönsten Frauenporträts der Gegenwart gelungen.

Überhaupt ist fast jedes Museum der Welt, das am eigenen Ruf arbeitet, bemüht ein Werk von ihm in seinen Besitz zu bringen. Was einen gut ausgestatteten Ankaufsetat voraussetzt, schließlich wurde das Gemälde einer Kerze im vergangenen Jahr beim Auktionshaus Christie's für knapp 12 Millionen Euro versteigert. Das kleine, ein auf ein Meter große quadratische Bild zeigt eine brennende Kerze vor einer grauweißen Wand. Richter hat dieses Motiv mehrmals gemalt, in der Ausstellung ist die Version aus dem Privatbesitz des Kunstsammlers Frieder Burda aus Baden-Baden zu sehen. Der Künstler kommentiert die Millionenpreise für seine Bilder mit den Worten: "Das ist genauso absurd wie die Bankenkrise - unverständlich, albern, unangenehm".

Meister aller Stile

Gerhard Richter - Kerze © Gerhard Richter, 2012

Ungemein wertvoll: die "Kerze". 

Gerhard Richter ist ein Perfektionist, der auch heute noch jeden Tag von 8 Uhr bis etwa 19 Uhr im Atelier arbeitet. Die circa 150 Gemälde in der Glashalle der Neuen Nationalgalerie vermitteln einen umfassenden Einblick in die große Bandbreite seiner Kunst, die er beinahe wie ein Wissenschaftler betreibt. Virtuos wechselt er zwischen gegenständlicher und abstrakter Malerei, immer bemüht die künstlerischen Möglichkeiten des Mediums auszutesten. Seit den Neunzigerjahren konzentriert Richter sich stärker auf seine abstrakten Arbeiten, bei denen er sich ganz bewusst vom Zufall leiten lässt.

Er beginnt mit einer vagen Idee, wie bei den Bildern aus der "Cage"-Serie, die er zu Musik des Komponisten John Cage gemalt hat, und meistens kommt etwas anderes dabei heraus, wie er selbst feststellt. Richter schichtet die Farben auf den Malgrund, er schabt sie teilweise wieder ab, und verteilt sie mit einem metergroßen Spachtel über die Bildoberfläche. Was am Ende aussieht wie ein Rausch aus Farben ist das Ergebnis einer komplexen Bearbeitung des Bildträgers.

4900 Farben für Berlin

Gerhard Richter - 4096 Farben © Gerhard Richter, 2012

Ebenfalls geometrisch und farbenfroh: Richters "4096 Farben". 

Es gibt noch eine andere, eine scheinbar kontrollierte Seite in Gerhard Richters abstrakter Kunst: Regelmäßige geometrische Farbfelder, die wirken, als wäre ihre strenge Anordnung vom Künstler bestimmt worden. Aber auch hier arbeitet der Maler mit dem Unvorhersehbaren, die Abfolge wird der Farben in den Bildern durch eine Zufallsmechanik festgelegt.

Extra für die Berliner Schau hat Gerhard Richter die "Version I" seines auf diese Weise entstandenen abstrakten Werks "4900 Farben" verwirklicht. 196 bunt lackierte Tafeln umlaufen nun die gesamte Ausstellung wie ein Farbenfries.

Jana Hyner

Stand vom 08.05.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 08.05.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Aktuell

Eine Besucherin vor zwei Werken von Gerhard Richter in der Neuen Nationalgalerie (Quelle: dpa-Bildfunk)

Nachricht vom 11.05.12

Besucheransturm zum Abschluss der Gerhard-Richter-Schau

Die spektakuläre Werkschau des Malers Gerhard Richter ist am späten Sonntagabend beendet worden. Die Ausstellung in der Berliner Neuen Nationalgalerie konnte am Wochenende noch einmal von 09.00 bis 22.00 Uhr besichtigt werden. [Nachrichten]

Service

Neue Nationalgalerie Berlin (dpa-Archivbild)

Ausstellung

Gerhard Richter. Panorama

12. Februar – 13. Mai 2012

Neue Nationalgalerie
Kulturforum
Potsdamer Straße 50
10785 Berlin

Öffnungszeiten
Di 9 – 18 Uhr
Mi 9 – 18 Uhr
Do 9 – 22 Uhr
Fr 9 – 18 Uhr
Sa 9 – 18 Uhr
So 9 – 18 Uhr
Montags geschlossen

Eintritt
8 Euro, ermäßigt 4 Euro

Infos im WWW

Gerhard Richter in Berlin

Offizielle Homepage zur Ausstellung. Ticketbuchung im Online-Shop möglich. [gerhardrichterinberlin.org]

Mehr dazu im rbb

Der Maler Gerhard Richter wird 80 (Foto: dpa)

Kulturradio-Spezial

Gerhard Richter

Ergänzend zur Austellung in der neuen Nationalgalerie (12.2.-13.5.) zeigt das private Berliner Ausstellungshaus me Collectors Room zeitgleich etwa 200 Druckgrafiken, Fotoarbeiten, Künstlerbücher und Plakate. [Kulturradio]

Mehr dazu in der ARD

Gerhard Richter: Sonderausstellung "Atlas" in Dresden

Vom 4. Februar bis zum 22. April 2012 in der Kunsthalle im Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse, Dresden. [mdr.de]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/kultur/ausstellungen/themen/gerhard_richter_panorama.html

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